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Asiaten nehmen sich mehr Zeit für Geschäfte

Nach Erfurt, Saarbrücken und Köln eröffnete der Deutsch-Asiatische Wirtschaftskreis e.V. (DAW) am 25. Oktober 2010 seine neue Repräsentanz in Berlin. Mit 1.900 Unternehmen und ohne staatliche Subventionen, ist der DAW die einzige unabhängige Organisation dieser Größenordnung in Deutschland. migration-business sprach mit dem Konsul, Bodo Krüger, über Geschäftsbeziehungen zwischen Deutschland und Asien.

Herr Konsul Krüger, herzlich willkommen in der Hauptstadt. Warum eine Niederlassung in Berlin?

Für Berlin spricht Vieles. Für mich war aber besonders ausschlaggebend der Sitz aller asiatischen Botschaften und die Nähe zu den Bundesministerien. Hinzu kommt natürlich, dass ich selbst waschechter Berliner bin und mein Herz an dieser Stadt hängt.

Mit unserer Niederlassung wollen wir Unternehmen in Berlin und Brandenburg Alternativen bieten mit herausragenden Themen, exzellenten Referaten und speziellen Informationen aus Asien.

Was macht der Deutsch-Asiatische Wirtschaftskreis e.V.?

Wir sind erst 15 Jahre alt, aber mit mehr als 1.900 registrierten Unternehmen und Institutionen ist der DAW inzwischen einer der größten und einflussreichsten Organisationen Deutschlands in Bezug auf Asien geworden. Wir beziehen weder Fördergelder noch staatliche Subventionen und werden rein privatwirtschaftlich finanziert. Damit ist der DAW die einzige unabhängige Organisation dieser Größenordnung in Deutschland. Wir bieten unseren Mitgliedern eine hochkarätige regelmäßige Kontaktplattform mit Entscheidungsträgern aus Politik, Diplomatie, Wirtschaft, Touristik und Kultur zum Erfahrungsaustausch mit Unternehmen, die Beziehungen nach Asien suchen oder die bereits erfolgreich in und mit Asien Geschäftsbeziehungen pflegen. Wir sind die ideale Plattform, aber auch für asiatische Unternehmen, denen wir Kontakte zum Top-Management deutscher Unternehmen bieten. Wir führen Roadshows und jährliche Network-Events mit Persönlichkeiten aus der Wirtschaft und Politik sowie Staatsführern und viele andere aus Asien durch.

Was halten asiatische Unternehmerinnen und Unternehmer von Deutschland?

Der Standort Deutschland wird von asiatischen Unternehmen sehr hoch geschätzt. Wie sehr, zeigt sich besonders an den asiatischen Mitarbeitern, die zum großen Teil nach Beendigung ihres Arbeitsverhältnisses bei ihren Unternehmen nicht nach Hause zurückkehren, sondern in Deutschland verbleiben. Entweder sie eröffnen ein eigenes kleines Unternehmen oder wechseln in deutsche Unternehmen.

Wie groß ist das Interesse von asiatischen Unternehmern in der Bundesrepublik zu investieren?

Das Interesse ist groß, jedoch tun sich Ausländerbehörden schwer bei Ansiedlungsversuchen asiatischer Unternehmen. Im Übrigen haben bereits rund acht Prozent der deutschen Unternehmen einen asiatischen Partner oder arbeiten unter asiatischer Führung.

USA, China und Japan sind die ersten drei Wirtschaftsnationen. Wir Deutschen sind auf den 4. Platz abgerutscht. Wird China eines Tages die Nr. 1?

China’s Aufstieg zur Wirtschaftsmacht Nr. 1 ist wohl nicht mehr aufzuhalten, es sei denn, dass der aufgeblähte Immobilienmarkt platzt wie in den USA. Bisher scheint es jedoch, dass die Regierung von China dieses Problem fest im Auge hat und alles daran setzen wird, dass es nicht zur Eskalation kommt.

In Deutschland wird über Fachkräftemangel diskutiert, während in Asien Millionen von Ingenieuren jährlich die Universitäten verlassen. Was machen wir in Deutschland falsch?

Fachkräftemangel ist kein spezielles deutsches Thema, es ist ein weltweites Problem. Die Massen von Ingenieuren, die jährlich die Universitäten in Asien verlassen, reichen nicht einmal für die asiatischen Märkte aus. Deutschland muss verstärkt werben für das Ingenieurstudium. Zu viele junge Menschen glauben, mit einem Studium z. B. für Informatik oder Management die Welt erobern zu können. Ich halte unser Bildungssystem für überaltert. Doch dies ist ein spezielles Thema.

Düsseldorf besitzt Japan-, Frankfurt am Main Korea- und Hamburg China-Kompetenz. Welche asiatische Kompetenz besitzt Berlin in Ihren Augen?

 

Berlin übernimmt viele Anstrengungen, für Asien als wichtiger Zentralpunkt in Deutschland zu fungieren. Es hat zwar die Regierung, alle Botschaften der Welt, Verbände, die Medien und andere Organisationen in seiner Stadt, aber zu wenig Industrien und Wirtschaft. Ablesen konnte man dies besonders an dem Verhalten der asiatischen diplomatischen Vertretungen. Sie haben zwar nicht ihre Botschaften verlagert, aber eine stärkere Präsenz ihrer Berufskonsulate aufgebaut. Hiervon hat besonders die Stadt Frankfurt am Main mit ihrer Region profitiert. Während in Hamburg viele Generalkonsulate geschlossen werden, ist Frankfurt am Main inzwischen das Gratifikationszentrum für die Asiaten in Deutschland geworden.

London, Paris und Amsterdam haben es, eine Chinatown. Warum gibt es in deutschen Großstädten keine Asiatowns?

Chinatowns sind heute nicht mehr aktuell. Die Chinatowns in Paris, London oder Amsterdam sind schon sehr früh entstanden, als Asien in Deutschland noch keine Rolle spielte. Chinesische Unternehmen wollen, seitdem sie frei entscheiden können, wohin sie gehen wollen, in keine Zentren, sondern kaufen Häuser, um möglichst Abstand zu anderen Chinesen zu halten. Deswegen sind bisher auch alle Versuche, Chinazentren in Deutschland zu bauen, gescheitert.

Was können deutsche und asiatische Unternehmen voneinander lernen?

Deutsche Unternehmen könnten von den Asiaten sehr viel lernen, ob sie es annehmen, ist eine andere Sache. Zum Beispiel: Ein Asiate möchte in der Regel erst den Menschen kennen lernen, der mit ihm Geschäfte macht. Asiaten nehmen sich mehr Zeit für Geschäfte mit dem Ausland. Nicht umsonst sagt man, Asien erobert man nicht mit einem Kurzsprint, sondern durch einen Marathon. Deutsche gehen gradlinig auf ein Ziel zu, während die Asiaten es umrunden und erst nach eingehender Prüfung zum Ziel kommen.

Was wünschen Sie sich persönlich für Ihre Zukunft?

Ich wünsche mir weiterhin Gesundheit, um die hoch interessante Arbeit im DAW mit meinem verantwortlichen Team zu weiteren Höhen voranzubringen zum Wohle unserer Mitglieder.

 

Das Interview führte Joel Cruz

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