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EASTBLOK MUSIC

EASTBLOK MUSIC ist eine Musikfirma, die sich ausschließlich auf Musik und Künstler aus Osteuropa konzentriert. Die beiden Gründer Alexander Kasparov und Armin Siebert verfügen über langjährige Erfahrung sowohl im osteuropäischen als auch im westlichen Musikbusiness. Alexander Kasparov, gebürtiger Moskauer, der viele Jahre in Warschau, London und Berlin gearbeitet hat, hat sich schließlich für Berlin entschieden. Armin Siebert, der zweite EASTBLOK-Gründer hat außerdem eine eigene Radiosendung „Nightflight“ beim Berliner Sender Radio Fritz und ist als DJ unterwegs.

Herr Kasparov, wofür steht Eastblok Music und welchen Service bieten Sie?

Wir sind in erster Linie eine Plattenfirma, das bedeutet, dass wir Musik aus Osteuropa suchen und diese weltweit veröffentlichen. Das tun wir jetzt seit November 2004 und haben seitdem viele Compilations und Bands rausgebracht.

Und was gefällt Ihnen besonders an osteuropäischer Musik oder  was zeichnet diese aus?

Wir versuchen immer etwas zu finden, das einerseits originell klingt, andererseits sich nicht zu sehr von der modernen Musik unterscheidet, die hierzulande gehört und nachgefragt wird. Heutzutage gibt es kaum noch Grenzen und die Produktionsqualität ist durch moderne Computertechnologie meist gleich. Aber jede Compilations oder jeder Künstler muss bei uns selbst etwas Charakteristisches haben, das bedeutet er darf nicht einfach westliche Künstler kopieren. Vielmehr sollte auch ein Einfluss aus Osteuropa bemerkbar sein, sogar von osteuropäischer Volksmusik, gemischt wiederum mit Musik, die man hierzulande hört, wie Ska, Rock, Electro usw.

Sie sprechen davon, dass in Berlin „Ost und West miteinander verschmelzen“ und beziehen dies auf die vielfältige Szene der verschiedensten osteuropäischen Kulturen, die sich in Berlin entwickelt hat. Inwiefern sehen Sie hierbei eine Bereicherung für die Stadt?

Für Berlin ist es eine besondere Bereicherung, denn in Berlin gibt es viele Diasporen. Die russischsprachige Diaspora allein zählt um die 200 – 300.000 Menschen allein in Berlin. Das sind ungefähr acht bis zehn Prozent der Berliner Bevölkerung. Darüber hinaus gibt es auch eine polnische Diaspora, Leute aus dem Balkan, Serben, Kroaten, sowie eine große jüdische Diaspora. Die meisten Juden kamen und kommen auch aus Osteuropa nach Deutschland. Berlin war immer an der Grenze zu Osteuropa. Westberlin war lange Zeit ein wichtiger Punkt für Immigration, insbesondere aus Polen oder aus der Sowjetunion. Ostberlin war Teil des Warschauer Paktes, also der Ostblockstaaten. Hier immigrierten auch viele Künstler, Wissenschaftler und andere aus Osteuropa. Daher ist Berlin eine bedeutende Stadt für die ganze Region.

Wie findet man in Berlin und Deutschland am besten Zugang zu osteuropäischer Musik? Gibt es bestimmte Diskotheken, Clubs, Bars und Radiosender, die dafür in Frage kommen?

Ja, davon gibt es viele. Im Radio spielt mein Partner Armin Siebert  jeden zweiten und vierten Montag im Monat von zwölf bis drei Uhr früh im Radio Fritz osteuropäische Musik unter dem Programmnamen „Nightflight“. Hier wird nur osteuropäische Musik gespielt. Bezüglich der Clubs in Berlin gibt es viele Veranstaltungen mit osteuropäischer Musik. Direkt unter uns im „Kaffee Burger“ gibt es die „Russendisko“ mit Kaminer & Gurzhy. Dort spielt auch regelmäßig eine ukrainisch-ungarische Band mit dem Namen „RotFront“. Darüber hinaus auch viele Balkan-Veranstaltungen. Mein Partner und ich legen auch selbst auf. Ich beispielsweise im „Kaffee Burger“ und Armin legt auf bei „Terrabeats“-Veranstaltungen auf und macht osteuropäische Musik im Club ROSIS. Clubs und Veranstaltungen gibt es sehr viele in Berlin, aber auch nicht nur in Berlin. Es gibt auch eine Szene in Hamburg, in Köln und wir haben Kontakt zu all diesen Leuten. Osteuropäische Musik erfreut sich in Deutschland großer Beliebtheit. Stefan Hantel, unter dem Künstlernamen „Shantel“, ein Deutscher mit osteuropäischen Wurzeln, ist auch sehr erfolgreich in Deutschland. Er selbst ist Künstler und hat seine eigene Plattenfirma mit dem Namen „Essay Recordings“. Neben uns gibt es auch andere Plattenfirmen in Berlin, die sich auf osteuropäische Musik spezialisiert haben.

Auf welche Erfolge kann Eastblok Music seit der Gründung zurückblicken?

Wir haben verschiedene Erfolge: Unsere Compilations-Reihe „Balkan-Beats“, „Balkan Grooves“  oder auch unsere sehr erfolgreiche russische Compilations „Café Sputnik“. Darüber hinaus haben wir bisher Künstler aus fast jedem Land in Osteuropa herausgebracht. Einige Erfolgreiche sind zum Beispiel „Leningrad“, „Haydamaky“ aus der Ukraine oder auch Bands aus Ungarn und Rumänien. Fast alles was wir bisher getan haben, war relativ erfolgreich, also keine Flops. Wir sind ja auch noch da (sagt Kasparov schmunzelnd)!

Wie viele Personen beschäftigen Sie und aus welchen Kulturkreisen stammen diese vorwiegend?

Wir sind zu dritt. Mein Partner ist zwar Deutscher, aber war schon immer sehr an osteuropäischer Kultur interessiert, hat russisch in Leipzig studiert und hatte auch selbst viel mit osteuropäischer Musik als Journalist zu tun. Wir haben zusammen in einer osteuropäischen Abteilung einer großen Plattenfirma gearbeitet. Desweiteren beschäftigen wir ein Azubi, der selbst auch Deutscher aus Berlin ist. Wir sind quasi ein deutsch-russisches Unternehmen.

Wie ist Ihre Vernetzung mit anderen Städten in Deutschland und in der Welt?

In Deutschland wie ich bereits sagte, kennen wir viele DJs, die osteuropäische Musik machen. Aber im Ausland auch, da unser Vertrieb weltweit ist. In Frankreich gibt es beispielsweise eine große Szene. Gerade heute in Berlin ist eine Release-Party für „DJ Click“, der aus Frankreich kommt und sich selbst viel mit osteuropäischer Musik beschäftigt. Weitere gibt es in England, in Italien, im Prinzip überall. Sogar in Amerika gibt es eine Bewegung, die eingeleitet wurde von „Gogol Bordello“, einer sehr bekannten ukrainisch-amerikanischen Band, die sehr erfolgreich sind. Ähnlich wie lateinamerikanische Musik oder Musik aus Indien gibt es bei osteuropäischer Musik eine Szene und Richtung. Es wird Musik aufgelegt, produziert, es werden Partys veranstaltet und durch MySpace und Facebook haben wir viele Fans kennengelernt, die osteuropäische Einflüsse bis nach Brasilien und Japan tragen.

Was hat Sie persönlich dazu motiviert „Eastblok Music“ ins Leben zu rufen?

Wir haben uns in unserem Leben ausschließlich mit Musik beschäftigt. In einer großen Firma, in der wir zusammengearbeitet haben, haben wir westliche Musik und Künstler nach Osteuropa verkauft. Gleichzeitig merkten wir jedoch wie viel interessante Musik es in Osteuropa und diesen Ländern gibt. Diese Musik war jedoch in Deutschland kaum vorzufinden und die Menschen hierzulande hatten nur wenig Ahnung über osteuropäische Musik. Daher haben wir uns dafür entschieden, etwas Originelles, Neues auf den Markt zu bringen, das in Europa bis dahin fehlte.

Was planen Sie für Ihre Zukunft?

Momentan sind wir damit beschäftigt Eastblok Music auszubauen und zu expandieren. Genau sagen, was in ein bis zwei Jahren geschieht, kann ich jedoch nicht. Wir wissen auch nicht wie die ganze Branche sich entwickelt, weil sich heutzutage alles sehr schnell verändert, von der Musik bis hin zu der Technologie. Dieses Jahr werden wir an unseren bisher geplanten Vorhaben weiterarbeiten und abwarten, was die Zeit mit sich bringt.

Das Interview führte Dario Mohtachem

1 Kommentar

  1. Jasmin

    Super, dass hier immer gepostet wird.

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