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Ein Rapper – unterwegs in aller Welt!

„Uniqueness“, der Künstlername des neuen deutschen Rappers Carl Ulrich Russ-Mohl, der momentan in Mailand lebt und dort an verschiedenen musikalischen Projekten arbeitet. migration-business hatte Glück und traf ihn am Kudamm in Berlin, der Geburtsstadt des Künstlers, in der er für nur zwei Wochen zu Besuch war. Uniqueness erzählte uns, wie er zum Hip Hop gefunden hat, was ihn von vielen anderen Rappern unterscheidet und was er von seinen vielen Reisen mitgenommen hat.

„Mein Name wirkt zunächst recht überheblich“, sagt Uniqueness zu Beginn mit einem leichten Lachen. „Doch er beschreibt eher eine ständige Suche und ein Lebensmotto, statt einen Anspruch.“

Von Berlin nach Mailand

1986 wurde Carl in Berlin geboren. Dort wuchs er bis zu seinem 16. Lebensjahr auf und besuchte die John F. Kennedy Schule in Berlin-Zehlendorf. Sein Vater ist Professor für Publizistik an der Universität – damals an der FU Berlin. Alle vier Jahre machte er ein Auslandsemester an einer anderen Universität. Daher war Carl alle vier Jahre ein halbes Jahr irgendwo im Ausland. „Ich war mit zwei oder drei Jahren in Wisconsin in den USA. Ungefähr vier Jahre später waren wir in Florenz und zwei Mal südlich von San Francisco, wo auch die Stanford-University ist“, schildert Uniqueness.

Mit fünfzehn zog Carl mit seiner Familie nach Lugano, einer Stadt in der Schweiz, wo er auf Italienisch sein Matura machte. Darauf folgten ein angefangenes Studium der Managementlehre an der HSG in St. Gallen, sowie eine Ausbildung zum Tontechniker an den SAE Institutes Zürich und Mailand.

Momentan lebt er in Mailand und arbeitet dort als Tontechniker, Ghostwriter und Übersetzer. Mit „Music & Poetry“ hat er eine erste Demo publiziert. „Music & Poetry“ ist zugleich die EP, als auch ein Lied, das ihn als Künstler beschreibt. „An diesem Text habe ich über Jahre hinweg immer wieder gebastelt und tue es heute noch. Es beschreibt, was es für mich bedeutet, Musik zu machen und welche Idee dahinter steckt“, bemerkt Uniqueness. Ihm ging es bei seiner ersten Demo vor allem darum, sich als Künstler vorzustellen und Kritiken und Erfahrungen zu sammeln. Die Reaktionen auf Youtube und Facebook auf seine Musik waren größtenteils positiv, besonders seine Texte wurden gelobt. Kritiker haben ihn auf seinen deutschen Akzent verwiesen. „Das wage ich jedoch stark zu bezweifeln“, sagte er im Lachen. „Ich habe zwar keinen amerikanischen oder britischen Akzent, doch das missinterpretieren die meisten gleich als deutschen Akzent.  Ich lege jedoch nur besonderen Wert darauf, dass ich deutlich spreche, damit meine Texte gut verstanden werden.“

Wie hat er zum Hip Hop gefunden?

„Hip Hop ist noch immer ein fester Bestandteil meines Lebens“, sagt er, der durch seine Erfahrungen mit Breakdance einen direkten Zugang zur Musik hatte. Er hat die Kultur aus mehreren Perspektiven miterlebt und sich daher in dieser Szene eingefunden. Die 90er Jahre waren seiner Ansicht nach die beste Zeit des Hip Hops. Er musste jedoch zunehmend feststellen, wie der Hip Hop an Qualität verliert. „Ich muss zugeben, dass ich heutzutage selbst kaum noch Hip Hop höre, sondern eher Funk, Soul und 70er Jahre Musik“, verrät uns Uniqueness.

Was macht „Uniqueness“ so besonders?

Uniqueness will den Menschen zeigen, welche Themen ihn bewegen. Bei seinem aktuellen Projekt kritisiert er, dass in der Gesellschaft noch immer, zumindest an der Oberfläche, das Geld der wichtigste Wert ist. „Geld ist wie eine Visitenkarte, mit der man zeigt, dass man wichtig ist. Aber das Streben nach Geld macht nicht glücklich, auch wenn es das Leben einfacher machen kann“, betont Uniqueness. Die Menschen sollten mehr nach Glück, statt nach Geld streben, dann kommt häufig das Geld von selbst. Dieser Illusion, durch Geld Glück zu empfinden, möchte Uniqueness mit seiner Musik begegnen.

Angefangen hatte er ein wenig auf Deutsch zu freestylen, als er noch in Berlin lebte. Irgendwann hat er jedoch, nach dem Umzug nach Lugano, angefangen in Englisch zu rappen. „Das war eigentlich eine sehr spontane Entscheidung“, sagt Uniqueness dazu. Er hatte in Lugano einen Kollegen, der Halb-Italiener, Halb-Schweizer war und auf Italienisch gerappt hat. Sie haben sich häufig zusammengesetzt, Beats laufen lassen, Texte geschrieben und dann angefangen zu rappen. „So hat das ganze damals angefangen.“ Uniqueness ist dankbar dafür, dass sein Kollege ihm bei seinen ersten Versuchen so kritisch über die Schulter geguckt hat. Die ersten Ideen von Uniqueness bestanden ihm zufolge aus dem typischen Rap nach dem Motto „Ich bin der Coolste“, „die andern sind schlecht“ oder „ich will das große Geld“. „Die Dialoge mit meinem Kumpel, der stets kritisch war und alles hinterfragt hat, was ich geschrieben habe, hat mich bis heute geprägt. Noch heute überdenke ich etwas erst drei Mal bevor ich es anderen präsentiere“, stellt Uniqueness fest.

Wie ist das Video entstanden?

Das Video zu „The Big Picture“ hat Uniqueness mit einem Kollegen aufgenommen, mit dem er eng zusammenarbeitet. „Die Entstehungsgeschichte des Videos war echt witzig. Wir haben kaum Geld investiert – die Aufnahmen haben wir komplett an einem Abend gemacht. An diesem Abend hatten wir jedoch gar nicht vor, das Video zu drehen, sondern wollten einfach nur sehen, wie die Lichtverhältnisse sind. Hinterher waren wir jedoch so begeistert, dass wir ohne viel Geld und Aufwand so ein Video geschaffen haben“, erzählt Uniqueness ganz begeistert.

Wie sieht die Zukunft von „Uniqueness“ aus?

Das Video von „The Big Picture“ gefällt ihm zwar gut, aber es, ist seiner Meinung nach, noch lange nicht auf dem Level, das er erreichen möchte. Künftig beabsichtigt er für jedes Lied ein Video zu erstellen, vor allem auch, weil Youtube inzwischen zu einem Hauptkanal geworden ist, durch den viele Menschen bekannt geworden sind.

Uniqueness hat zwar als Solokünstler gestartet, doch hegte er schon längere Zeit den Wunsch eine Band zu gründen. Er ist zurzeit auf der Suche nach weiteren Bandmitgliedern. Momentan besteht die Band aus folgenden Personen: Dem Produzenten, der die Arrangements macht und die Musik komponiert, einer Sängerin, einem Bassisten, einem Klavierspieler, eventuell noch einem Gitarristen und Uniqueness als Rapper. „Wenn die Band zusammengestellt ist, wird das Projekt auch nicht mehr unter dem Namen „Uniqueness“, sondern unter „Living Infinity“ bekannt sein. Außerdem plant er dann zusammen mit seiner Band Konzerte in verschiedenen Orten, vielleicht auch Berlin.

Er wird die nächste Zeit noch in Mailand bleiben und u.a. versuchen, seine alten Tracks in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern neu aufzunehmen. Jedoch gibt es in Italien keinen großen Markt für Hip Hop Musik. „Hip Hop ist hier nie so angekommen wie in Deutschland und den USA.“

Daher plant Uniqueness eines Tages weiterzuziehen. „Berlin wäre eine Option, allerdings zieht es mich mehr in ein englischsprachiges Land, ob nun nach Kanada, England, USA oder auch nach Singapur, wo auch sehr viel Englisch gesprochen wird. Diese Länder sind auch interessantere Märkte für meine Musik.“

 

Text: Dario Mohtachem

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