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Hauptstadtpreis für Integration und Toleranz

Die „Initiative Hauptstadt Berlin e.V.“ (IHB) verleiht am 13. April 2011 zum 4. Mal den „Hauptstadtpreis für Integration und Toleranz“. migration-business.de im Gespräch mit Herrn Christoph Wegener, Vorsitzender des IHB, über Zuwanderer, Weltoffenheit und die Zukunft Berlins. 

Herr Wegener, zunächst Glückwunsch zum 20. Jubiläum der „Initiative Hauptstadt Berlin e.V.“ (IHB). Braucht man überhaupt solch einen Engagement?

Natürlich! Historisch gesehen hat man vor 20 Jahren eine Initiative Berlin gebraucht, um den Hauptstadtgedanken bei den Entscheidern zu bekräftigen. Nach der Wiedervereinigung wurde um die Hauptstadt heftig debattiert, weil es zum damaligen Zeitpunkt im Einigungsvertrag noch Klärungsbedarf gab. In Berlin haben sich engagierte Bürgerinnen und Bürger zusammengeschlossen, um den Hauptstadtgedanken zu fördern. Dadurch ist die IHB entstanden. Als man sich im Deutschen Bundestag für Berlin entschied, hat die IHB für ein positives Images der Hauptstadt geworben. Wir sind ein Netzwerkverein für alle neuen und alten Berlinerinnen und Berliner, für Mittelständler, die sich politisch und kulturell in der Stadt engagieren wollen.

Was macht der IHB und was für Ziele hat der Verein?

Wir haben das Ziel weiterhin für Berlin nach innen und nach außen zu werben. Gerade Berlin hat die Aufgabe Deutschland positiv zu präsentieren. Die rund 2000 Mitglieder und Gäste des Vereins sind in Hauptstadtforen und Diskussionen mit spannenden Persönlichkeiten involviert. Wir wollen aber auch Probleme in der Stadt benennen, ansprechen und nach Antworten und Lösungen suchen. Das Thema Integration gehört beispielweise auch dazu.

Am 13. April 2011 ist die Preisverleihung „Hauptstadtpreis für Integration und Toleranz“. Wie kann man sich diese Preisverleihung vorstellen?

Wir haben bereits im Januar 2011 den 4. Preis mit 15.000 Euro ausgeschrieben. Alle Projekte, die einen Integrationsbezug haben, dürfen sich bewerben. Wir befinden uns noch in der Ausschreibungsphase. Bis zum 28. März 2011 dürfen Projekte eingereicht werden. Wir werben sogar für das Einreichen von spannenden Projekten. Am Ende des Ausschreibungsverfahrens rechnen wir erfahrungsgemäß mit 60 bis 80 eingereichten Projekten, die von einer unabhängigen und namenhaften Jury analysiert und ausgewertet werden. Wir sind gespannt wer diesmal die Preisträger werden. Wir freuen uns auch, dass wir am 13. April 2011 die Bundeskanzlerin Frau Merkel und die Staatsministerin Frau Böhmer für die Preisverleihung gewinnen konnten. Wir sind jetzt schon gespannt auf die Reden. Die Anwesenheit der Bundeskanzlerin zeigt uns wie wichtig das Thema Integration für die Zukunft Berlins und Deutschlands ist. Danach darf man sich auf einen fröhlichen Empfang mit spannenden Gesprächen und Kontakten freuen.

Braucht man für Integration und Toleranz überhaupt einen Preis? Sollte dies nicht selbstverständlich in einer weltoffenen Stadt wie Berlin sein?

Zunächst einmal ist nach unserem gesellschaftlichen Bild Toleranz eine Selbstverständlichkeit und sie wird auch hierzulande gelebt. Es muss aber auch betont werden, dass Toleranz nicht zum Nulltarif zu haben ist. Das Thema Integration ist nach meiner Auffassung nicht unbedingt selbstverständlich, das Bedarf an Integrationswilligkeit von den Zuwanderern, aber auch Integrationskompetenz von der Mehrheitsgesellschaft. Wir brauchen beides. Mit der Verleihung wollen wir vorbildhafte Projekte präsentieren und zeigen, dass Integration gelingen kann, wenn alle Beteiligten sich Mühe geben.

Können Sie sich auch einen Preis für die zahlreichen Unternehmer mit Migrationshintergrund, die für Arbeitsplätze und Steuereinnahmen sorgen, gut vorstellen?

Selbstverständlich! Ich muss jedoch dazu sagen, dass der Bereich Unternehmer mit Migrationshintergrund in Deutschland noch unbekannt ist. Die erfolgreichen Zuwanderer, die sich integriert haben, werden in der deutschen Gesellschaft nicht mehr als Migranten wahrgenommen. Deren Leistungen werden als Selbstverständlichkeit betrachtet und das finde ich persönlich bedauerlich. Bei den  Projekten, die ich bisher kannte, ging es nicht unbedingt um Business. Es waren meist Projekte, die mir gezeigt haben was Migranten an Werten für Deutschland leisten und wie Integration erfolgreich unterstützt werden kann. Die unternehmerische Seite von Migranten ist natürlich ebenfalls eine spannende Sache.

Wie kann Berlin ausländische Diplomaten, die akademischen und unternehmerischen Migranten für sich nutzen und gewinnen?

Für Deutschland ist Berlin der Leuchtturm einer weltoffenen und spannenden Stadt. Nach Berlin kommen Menschen aus aller Welt, um beispielsweise hier zu studieren oder zu arbeiten. Einige ausländische Hochschulabsolventen gründen nach dem Studium ein Unternehmen, das schafft neue Arbeitsplätze. Die Toleranz, die in Berlin täglich gelebt wird, ist ein Asset dieser Stadt. Die ausländischen Studenten, Touristen und Diplomaten sind unsere Imageträger und Multiplikatoren in der Welt. Wir wollen dies weiter ausbauen. Wir haben in Berlin gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen, günstige Gewerberäume und eine gute Hochschul- und Forschungslandschaft. Hinzu kommen Toleranz, Weltoffenheit und kulturelle Vielfalt. Kurzum, wer schlau ist, investiert jetzt in Berlin.

Arbeitet die IHB mit den zahlreichen Botschaften zusammen?

Da der IHB keine hauptamtliche Institution, sondern ein ehrenamtlicher Verein ist, arbeiten wir nicht direkt mit den Botschaften zusammen. Aber auf unseren Gäste- und Einladungslisten befinden sich sehr viele Diplomaten, die unsere Veranstaltungen internationalisieren. Bei der kommenden Preisverleihung freuen wir uns jetzt schon auf unsere vielfältigen und internationalen Gäste.

Was bedeutet für Sie kulturelle Vielfalt?

Kulturelle Vielfalt und erfolgreiche Integration bedeuten für mich gegenseitige Toleranz und die Ausübung der jeweiligen Religion. Toleranz bedeutet auch in der Kommunikation sich auf eine gemeinsame Sprache zu einigen und die ist hierzulande Deutsch. Eine gemeinsame Sprache ist auch Voraussetzung für gegenseitigen Respekt und Toleranz. Was die deutsche Sprache angeht, da haben wir bereits gute Erfolge erreicht, aber es gibt noch bei einigen Migranten-Communities Nachholbedarf und daran müssen wir arbeiten und finanziell investieren. Kulturelle Vielfalt bedeutet ein Miteinander und nicht ein Nebeneinander und dafür braucht man eine gemeinsame Kommunikationssprache.

Wie sieht Berlin für Sie persönlich in 20 Jahren aus?

Als ich vor 20 Jahren aus Lübeck nach Berlin kam, konnte ich mir nicht vorstellen, dass Berlin sich bis zum Jahre 2011 so positiv entwickelt haben würde. Was ich in und mit Berlin in den letzten 20 Jahren erleben durfte war unglaublich. Die Stadt hat sich rasant gewandelt und positiv entwickelt. Ich bin davon überzeugt, dass in den nächsten 20 Jahren Berlin durch seine Offenheit, Toleranz und wirtschaftlichen Potenziale und Grundvoraussetzungen sich noch mehr als bisher dynamisch entwickeln wird. Im Jahre 2030 werden wir sagen, dass wir uns damals diese rasante wirtschaftliche Entwicklung in Berlin nicht vorstellen konnten. Ich glaube, dass der Senat verstanden hat, dass in der Industriepolitik etwas getan werden muss, damit die Stadt eine bessere wirtschaftliche Perspektive bekommt. Die Fundamente und die Asset sind für die Zukunft Berlins gelegt.

Warum sollen kluge Köpfe aus aller Welt sich für Berlin entscheiden und nicht für London, Paris oder New York?

Berlin muss den Vergleich mit den Weltmetropolen nicht scheuen. In Frankreich konzentriert sich alles auf Paris und in Großbritannien alles auf London. Wir haben in Deutschland eine heterogene Verteilung. In Gegensatz zu Berlin sind die Strukturen in New York, London oder Paris eingefahren. In unserer Hauptstadt ist noch alles offen und da spreche ich aus eigener Erfahrung. Als Zugewanderter konnte ich mir selbst nicht vorstellen, dass ich heute beruflich in Berlin gut etabliert bin. Als Lübecker kann ich nur sagen, für mich ist Berlin der Standort oder „the place to be“!

 

Das Interview führte Joel Cruz

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