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Ausländer nehmen Arbeitsplätze weg? Von wegen!

Immer mehr Migranten wollen sich selbstständig machen. Das ergab eine DIHK-Blitzumfrage unter den Industrie- und Handelskammern im September 2010.
Fast 11.000 Unternehmer mit ausländischen Wurzeln erörterten 2009 bei ihrer IHK ihr Geschäftskonzept – nach 8.300 noch im Jahr 2007. Insgesamt 18 Prozent aller Gründungswilligen haben einen Migrationshintergrund.

Zwei Jahre zuvor betrug der Anteil noch 14 Prozent.
Insgesamt schaffen Migranten 2010 rund 150.000 Arbeitsplätze durch neu gegründete Unternehmen.

Gründer mit Migrationshintergrund sind nach IHK-Erfahrungen weder schlechter noch besser vorbereitet als ihre Unternehmerkollegen mit inländischen Wurzeln.

Während Migrantinnen und Migranten das kaufmännisch-betriebswirtschaftliche Rüstzeug im Durchschnitt sogar etwas besser beherrschen, sind Gründer ohne Migrationshintergrund bei Finanzierungsfragen etwas gründlicher vorbereitet. Migranten sind mit ihren Gründungsvorhaben in allen Branchen präsent. Schwerpunkte der Startups von Migranten liegen auf Handel und Gastronomie (24 respektive 22 Prozent; ohne Migrationshintergrund: 21 respektive 15 Prozent), während bei anderen Gründern die sonstigen Dienstleistungen (41 Prozent, Gründer mit ausländischen
Wurzeln: 23 Prozent) wie Gebäudebetreuung, IT-Services oder personenbezogene Dienstleistungen vorne liegen. In der Industrie ist der Anteil von Gründern mit und ohne Migrationshintergrund etwa gleich hoch (4 respektive 5 Prozent).

Die IHK-Erfahrungen zeigen: Gründungsinteressierte mit Migrationshintergrund leisten einen bedeutsamen Beitrag zum Gründungsgeschehen in Deutschland. Künftig braucht Deutschland noch stärker diese Wachstumsimpulse, um die demografische Herausforderung zu bewältigen. Denn allein demografiebedingt wird es im Jahr 2050 in
Deutschland 700.000 Selbstständige weniger geben.

Die Politik sollte Migranten aus Nicht-EU-Ländern die Gründung eines Unternehmens erleichtern. Es bedarf einer ausdrücklichen Klarstellung, dass es sich bei den im Gesetz genannten „Regelbeispielen“ für eine befristete Aufenthaltserlaubnis – Investitionsvolumen von mindestens 250.000 Euro und Schaffung von fünf Arbeitsplätzen – nicht um absolute Zugangshürden handelt. Vielmehr ist eine flexible und einzelfallbezogene Anwendung des geltenden Rechts durch die Ausländerbehörden geboten. Zudem sollten auch ausländische Selbstständige in besonderen Fällen – wie Hochqualifizierte – vom ersten Tag an ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht erhalten.

Und: Die Bundesregierung sollte das Berufsanerkennungsgesetz zügig umsetzen, denn für viele Gründungen ist der Nachweis einer Qualifikation zur Kundengewinnung äußerst hilfreich. Die IHKs bieten an, Ansprechpartner für die Anerkennung ausländischer Abschlüsse zu werden. So könnten gründungswillige Migranten an einem Ort die
Anerkennung ihrer Abschlüsse beantragen und eine Beratung zum Businessplan erhalten.

 

Von Dario Mohtachem, mohtachem(at)migration-business.de

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