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Ausländerbegriff betont das „Nichtdazugehören“

Es ist ein Irrtum, wenn man auf der einen Seite von Integration redet und im gleichen Atemzug den Begriff „Ausländer“ verwendet. Der Begriff „Ausländer“ ist ein Auslaufmodell, dem die gesellschaftliche und wirtschaftliche Realität und die soziale Wirklichkeit davon laufen. Zudem haften dem Begriff „Ausländer“ ethnozentrische und integrationshemmende Nebenbedeutungen an. Im Begriff „Ausländer“ wird das Fremde, ein minderer Rechtsstatus und soziale Probleme akzentuiert, er betont stark das „Nichtdazugehören“, das „Ausgrenzende“. Daher bezeichnen „Ausländer“ sich selbst als „Migranten“. In den klassischen und modernen Einwanderungsländern, wie die USA, Kanada und Australien, wird der Begriff „Einwanderer“ oder „Migrant“ benutzt.

Im Begriff „Einwanderer“ wird das „EIN“ betont. Daraus lassen sich positive Wortzusammenhänge wie „Einwilligen“, „Einladung“, „Einbeziehen“, „Eintreten“, „Einlass“, „Einwohner“, „Einverständnis“, „Einstieg“, „Einwanderungsbehörde“, „Einwanderungsgesellschaft“ etc. ableiten.

Der Begriff „Ausländer“ jedoch ist durch Wortzusammenhänge wie „Ausgang“, „Ausstoß“, „Ausfuhr“, „Auslass“, „Ausliefern“, „Ausmaß“, „Ausreise“ usw. negativ behaftet. Integration fängt schon bei der Artikulierung an.

Der Ausländerbegriff ist ein Auslaufmodell

In den 70er Jahren hatte sich in der Umgangssprache, in der Öffentlichkeit und in der Amtssprache der Begriff „Gastarbeiter“ eingebürgert. Man ging davon aus, dass angeworbene Arbeitskräfte aus anderen Ländern (Ausland) lediglich vorübergehend als „Gäste“ in deutschen Betrieben beschäftigt sind und nach einiger Zeit wieder in ihre Herkunftsländer zurückkehren. Ein Gastarbeiter hatte demnach also nur einen „Gästestatus“, dessen Rechtsstatus nicht geklärt war. Als zunehmend deutlich wurde, dass immer mehr ausländische Arbeitskräfte langfristig in Deutschland bleiben wollten und als „Dauergäste“ fungierten, wurde der Ausdruck „Gastarbeiter“ nach und nach verdrängt.

Der Begriff „Ausländer“ wurde stattdessen in der Umgangssprache eingeführt. Wortzusammensetzungen wie „Ausländerfragen“, „Ausländerpolitik“, „Ausländergesetz“, „Ausländerbeauftragte“, „Ausländerbeiräte“ und „Ausländerfeindlichkeit“ signalisieren wichtige Problembereiche im Umgang der deutschen Gesellschaft mit diesen Menschengruppen.

Zuwandererbegriff ebenfalls problematisch

Der Begriff „Zuwanderer“ ist ebenfalls problematisch. Das Merkmal des „Wanderns“ trifft nur auf die erste Generation zu, aber nicht mehr auf die Nachfolgenerationen, die dann in Deutschland geboren wurden. Von daher bietet sich der Begriff „ethnische Minderheit“ an, der sowohl in klassischen Einwanderungsländern als auch in europäischen Nachbarländern gebräuchlich ist. Der Begriff „ethnische Minderheiten“ verdeutlich, dass es sich um Völkergruppen handelt, die zahlenmäßig in der Minderheit sind und in sich vielfältig differenziert haben. Darin steckt auch die Vorstellung einer nichtdeutschen Abstammung und Herkunft. Der „ethnische Minderheitsbegriff“ weist darauf hin, dass Teile dieser Gruppe in einer unterlegenen, benachteiligten Situation leben und dass zwischen der Mehrheitsgesellschaft und den Minderheiten besondere Probleme und Chancen des friedlichen Umgangs miteinander und der Integration bestehen.

 

Text: Joel Cruz

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