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Wir sind so wie Ihr, unterschiedlich und doch gleich

Johnny Strange, Itchy, DJ Chino, Larsito, Mr. Reedoo, und Don Cali – das sind die sechs Jungs von Culcha Candela, einer bunt gemixten, erfolgreichen Berliner Band, deren Musikstil sich irgendwo zwischen Reggae, Dancehall und HipHop bewegt. Bunt gemixt, weil sich die Band aus „Botschaftern“ aus aller Welt formiert, treffen innerhalb der Band doch vier verschiedene Kontinente aufeinander. migration-business hatte das Glück, das Sextett zu ihrem Erfolg, Frauen und zur Integration in Deutschland befragen zu dürfen.

Auf eurer Website steht, dass für euch „Hits und Haltung“ genauso zusammengehören wie Rock und Roll. Was genau meint ihr damit?

Itchy und Chino: Ganz einfach: man kann tanzbare Partysongs mit Inhalt verbinden. Es ist aber nicht so einfach, denn man darf den Zuhörer nicht überfordern, abturnen und Oberlehrer-mässig zurechtweisen. Ein gutes Beispiel, wo Hit und Haltung klappt, ist „Schöne Neue Welt“.  Auf unseren ersten beiden Alben sind auch interessante Ansätze.

Euer Bandname „Culcha Candela“ besteht bereits seit Gründung der Band im Jahr 2001. Was genau bedeutet er und wie seid ihr damals darauf gekommen?

Itchy und Chino: Culcha ist abgeslangt von „culture“ (engl. Kultur) und Candela hat auf Spanisch viele Bedeutungen, unter anderem „Hitze“, „Energie“ und „Feuer“. Wir fanden, das hört sich zusammen gut an und für uns bedeutet der Name „Heiße Kultur“. Wir singen auch nach wie vor auf Deutsch, Englisch und Spanisch, daher kommt die Sprachenkombi bei dem Namen noch natürlicher.

Den Durchbruch brachte euch die Single „Hamma!“ 2007, euer aktuelles Album „Culcha Candela – Das Beste“ vereint eure größten Erfolge mit älteren, weniger bekannten Songs. Eure neuste Singleauskopplung ist „Berlin City Girl“ – erneut ein Weltklasse-Hit! Welches ist euer Erfolgsrezept?

Itchy und Chino: Vielen Dank für die Blumen! Wir machen zwar größtenteils Musik für den deutschsprachigen Raum in Europa, aber wir achten schon darauf, dass sich unsere Songs von der Produktion und dem Arrangement her durchaus mit internationalen Hits messen können. Das Erfolgsrezept ist einfach wie schwer zugleich: wenn man einmal irgendetwas erreicht hat, ist man noch lange nicht am Ziel. Tot ist derjenige, der glaubt, er hätte was geschafft. Man muss dann immer noch härter arbeiten, um a) dort zu bleiben und b) weiterzukommen! Einleuchtend aber nicht leicht. Simpel ausgedrückt: der Wille ist entscheidend. Na gut, ein wenig Talent auch, he, he.

Berlin ist die Heimatstadt eurer Band. Gibt es hier wirklich so umwerfende Frauen wie ihr es in „Berlin City Girl“ besingt? Was macht Berlin zu eurer Stadt?

Itchy und Chino: Berlin ist einfach die beste Stadt der Welt. Ist so! Die Frauen, die wir besingen sind so wie die Stadt, mit Ecken und Kanten, also nicht nur sweet. Umwerfend können die im wahrsten Sinne des Wortes sein…! Wir glauben, dass wir uns nur hätten in Berlin treffen können. Es ist nunmal eine sehr lebendige Stadt mit riesengroßem Kreativpotential.

Die Band Culcha Candela setzt sich zusammen aus sechs Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft, auf eurer Website ist die Rede von einer Art Mini-UNO mit öffentlichem Integrationsauftrag. Wo genau kommt ihr alle her und wie habt ausgerechnet ihr sechs zusammengefunden?

Itchy und Chino: Wir haben Wurzeln in Uganda, Polen, Kolumbien, Deutschland und Korea. Dass wir zusammengefunden haben ist Schicksal aber auch ein Plan. Hat was mit dem oben genannten Willen zu tun. Wir sehen uns aber ganz klar als Deutsche und mögen Multikulti Band und solche Begriffe nicht. Das ist veraltet. Multikulti hört sich immer so an wie eine Warze, die an der Deutschen Gesellschaft klebt. Wir sind aber ein Teil davon und mittendrin in dieser Gesellschaft, (selbst)integriert, machen hier riesigen Umsatz und Zahlen wahnsinnig viel Steuern, um dieses System mitzutragen. Das tun wir aber gerne, denn Deutschland ist tatsächlich das Beste Land der Welt. Und wir machen es zu unserem Land und wollen dieses wunderbare, durchaus nicht fehlerfreie System so lange wie möglich erhalten.

Wie genau versteht ihr euren Integrationsauftrag in der Öffentlichkeit?

Itchy und Chino: Wir zeigen den Kids da draußen „Hey, schaut her: Ihr könnt Eure Träume erreichen, wenn Ihr nur hart dafür arbeitet. Wir sind so wie Ihr, unterschiedlich und doch gleich. Das ist das Schöne daran, denn wir sehen bunt aus aber wir kämpfen für die eine Sache. Ihr sollt Euch auch als Deutsche sehen und merken, dass es hier so viele Möglichkeiten gibt, wie sonst nirgends. Es ist nicht alles perfekt, aber es kommt dem schon nah. Perfekt wird es nie sein, aber Ihr könnt daran arbeiten, dass es noch besser wird.“ Es ist auch schon ein Zeichen, dass wir gemeinsam auf der Bühne stehen, ein starkes Statement ohne Worte!

Ist Integration ausschließlich Aufgabe der Politik oder was gehört eurer Meinung nach noch dazu?

Itchy und Chino: Nein, Politik wird ja im Kleinen gemacht und es ist eigentlich in der Theorie ganz einfach: Du kümmerst Dich um Dinge, weil sie Dir nicht egal sind. Du gehst daher bewusst durch das Leben und achtest auf Deine Mitmenschen. Das schwierige ist die Umsetzung in der Praxis, denn dieses Bewusstsein bekommt man in der Schule, bei den Eltern und so weiter. Was aber wenn es dort nicht an einen gesendet wird?!? Die Kinder sind immer nur ein Spiegelbild Ihrer Sozialisierung. Wir müssen auf unsere Zukunft mehr aufpassen und bei uns selbst und in der direkten Umgebung auf diese bewussten Dinge achten. Nur dann können wir auch global was verändern, wenn nämlich diese ganzen kleinen Dominosteinchen einander anstoßen.

 

 

 

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Was steht als nächstes an? Gibt es konkrete Pläne für neue Alben, Musik und eure Band?

Itchy und Chino: Ende 2011 kommt das neue Album, Anfang 2012 die Tour dazu. Wir spielen im Sommer sehr viele Festivals und werden dort bestimmt schon den ein oder anderen neuen Song anstimmen!

 

Das Interview führten Melanie Weinert und Dario Mohtachem.

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