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Russische Medien in Deutschland

Die RusMedia Group, mit Sitz im Axel-Springer-Haus in Berlin, ist das größte russischsprachige Medienhaus in Westeuropa. migration-business sprach mit Dimitri Feldmann, dem Geschäftsführer von RusMedia, über die russischsprachige Diaspora in Deutschland, das breite Angebot des Medienunternehmens und den Beitrag zur Integration.

Sehr geehrter Herr Feldmann, die RusMedia Group ist das größte russischsprachige Medienhaus in Westeuropa. Wie viele Menschen und Länder erreichen Sie?

RusMedia Group ist tatsächlich das größte russischsprachige Medienhaus in Westeuropa und feiert übrigens dieses Jahr sein 15-jähriges Jubiläum. Mit unserer Arbeit richten wir uns an rund 4 Millionen Russischsprachige in Deutschland. Dazu gehören Russlanddeutsche, Jüdische Zuwanderer, Einwanderer aus ehemaligen Sowjetrepubliken, Ehegatten und Familienzuzügler, Studenten, Arbeitsmigranten – kurz: alle diejenigen, die russisch sprechen. Russische Medien in Deutschland sind aber auch für mehrere Tausende russischsprachige Touristen die beste Quelle, sich vor Ort zu informieren. Zu unseren Lesern, Zuhörern und Zuschauern gehören generell alle Menschen, die sich für die russische Sprache und Kultur interessieren.

Wozu braucht man überhaupt russischsprachige Medien in Westeuropa? Sollten die russischstämmigen Menschen nicht die europäischen Sprachen und Kulturen lernen?

Jede ethnische Gruppe, die sich im Ausland befindet, sucht die Medien in ihrer Muttersprache auf. Das ist also kein Phänomen, das nur für die Russischsprachigen typisch wäre. Denn eigene Sprache hören und lesen zu können ist wichtig, um sich wohl zu fühlen. Zudem verbindet die russische Sprache die an sich heterogene Gruppe der Russischsprachigen (verschiedene Nationalitäten und Religionen) und gibt ihnen eine kulturelle Identität. Daher sind auch die Medien in russischer Sprache so beliebt. (Laut Umfragen wünschen sich bis zu 70% von russischsprachigen Mitbürgern die Informationen in ihrer Muttersprache.) Sie stellen eine wichtige Informationsquelle dar, genießen eine hohe Glaubwürdigkeit und Akzeptanz innerhalb der Zielgruppe.

Selbstverständlich sind das Erlernen der deutschen Sprache und die Integration in die deutsche Gesellschaft sehr wichtig, aber nicht bei gleichzeitigem Verlust der kulturellen Identität. Die Russischsprachigen Mitbürger gelten im Übrigen insgesamt als gut integriert und nutzen auch deutsche Medien, sie wollen jedoch auch die russische Sprache und Kultur pflegen und diese an folgende Generationen weitergeben.

Sie bieten Nachrichten für die russische Diaspora in Deutschland. Wie viele Leser haben Sie bzw. wie groß ist die russischsprachige Community in Deutschland?

Mit 4 Millionen gehören die Russischsprachigen zu der größten Migrantengruppe in Deutschland. Allein in Berlin leben und arbeiten über 300.000 russischsprachige Bürger! RusMedia ist das einzige russischsprachige Medienhaus in Deutschland, das die komplette Palette an Medien (Print, Funk, Online, TV) aus einer Hand anbietet. Dies ermöglicht uns, über unsere Medien um die 80% der russischsprachigen Bevölkerung in Deutschland zu erreichen.

Der Schwerpunkt Ihrer Arbeit sind Medien in ihren Druck-, Audio-, TV- und Internetformen. Welche Firmen gehören noch zur RusMedia Group?

Mit der Wochenzeitung „Russkij Berlin“ begann vor vielen Jahren die Erfolgsgeschichte der RusMedia Group. Inzwischen erscheint in russischer Sprache die Wochenzeitung „Russkaja Germanija“ mit ihren regionalen Ausgaben. Dazu gehört auch die Rejnskaja Gazeta (Rheinische Zeitung), die in Kooperation mit WAZ Mediengruppe herausgebracht wird. Des Weiteren gibt unser Unternehmen das TV- und Unterhaltungsmagazin „7+7я“ sowie der Gesundheitsratgeber „Recepty zdorovja“ heraus. RusMedia ist zugleich Gründer und Betreiber vom Radiosender „Radio Russkij Berlin 97,2 FM“, dem einzigen privaten russischsprachigen Full-Format Radio in Westeuropa. Darüber hinaus vermarkten wir in Deutschland den größten russischen TV-Sender, „Channel One Russia – Worldwide“, sowie das führende Kommunikationsportal im russischen Internet „Rambler.ru“. Unser Interessenspektrum ist allerdings wesentlich breiter als es für einen Verlag typisch ist. Im Rahmen RusMedia-Holding arbeitet auf dem Territorium der Bundesrepublik Deutschland die Deutsche Assoziation russischer Landsleute (GARS), die Europäische Akademie für Bildung, Arbeitsvermittlung und Consulting (EWAC) sowie die Russischen Theater- und Konzertkassen. Auf dem Onlineportal „Biletru.de“ können die Tickets für zahlreiche russische Kulturevents, Konzerte sowie Sportveranstaltungen gekauft werden. In der Ukraine und in Russland wird RusMedia Group von den Unternehmen „7+7 Media Ukraina“ und „7+7 Media Moskwa“ vertreten. Die Holding hat viel Erfahrung mit der Organisation von Events und Präsentationen sowie Filmfestivals, Kongresse und Bildungsinitiativen. Als eine Fullservice-Werbeagentur erstellen wir Marketingkonzepte, führen crossmediale Werbekampagnen durch und bieten weitere Serviceleistungen in den Bereichen Kreation, Übersetzung und Produktion. Das Ganze habe ich mit meinen Geschäftspartnern Swetlana Lekach, Boris Feldmann und Dmitrii Nad aufgebaut.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie in Deutschland?

RusMedia besteht aus einem engagierten und kompetenten Team aus Journalisten, Redakteuren, Grafikern, Moderatoren, Medienberatern. Insgesamt sind für das Unternehmen etwa 120 Mitarbeiter tätig.

Der Hauptsitz Ihres Verlagshauses befindet sich im Zentrum Berlins, im Axel-Springer-Haus. Sie sind demnach mit namhaften Zeitungen wie BILD, BZ, Berliner Morgenpost, Die WELT und Bild der Frau unter einem Dach. Arbeiten Sie mit diesen zusammen?

RusMedia hat zwar ihren Hauptsitzt im Axel-Springer-Haus, ist aber ein unabhängiges Unternehmen und gehört nicht zum Axel-Springer-Verlag. Wir haben ja unterschiedliche Zielgruppen und verfolgen verschiedene Interessen, stehen uns aber ganz freundschaftlich gegenüber.

Leisten Sie durch das Medienunternehmen zur Integration und zum gegenseitigen Respekt Ihren Beitrag?

Unsere Medien berücksichtigen den spezifischen Informationsbedarf der Zielgruppe. Bestimmte Themen werden ausführlicher und mentalitätsnah behandelt, denn spezielle Anliegen und Bedürfnisse von Russischsprachigen gehören zu den festen Bestandteilen der redaktionellen Inhalte. Für viele Russischsprachigen sind solche Medien eine wichtige Quelle, sich über das aktuelle Geschehen in Deutschland wie auch über das Interessante und Top-Aktuelle aus der „Heimat“ zu informieren. Sie geben ihnen zudem das Gefühl von Zusammenhalt und bieten eine gute Plattform für den gegenseitigen Austausch. RusMedia erfüllt gerade durch ihre Medien eine nicht unwichtige Funktion bei der Integration der Russischsprachigen in die deutsche Gesellschaft.

So enthält jede Ausgabe der Wochenzeitung „Russkaja Germanija“ viele nützliche Ratschläge für diverse Lebenslagen und macht somit mit dem Leben in Deutschland vertraut.

Das Gleiche gilt für das Radioprogramm. Die russischsprachigen Medien dienen also generell als eine Brückenfunktion zur alten Heimat und fördern gleichzeitig die Eingliederung der russischsprachigen Bevölkerung in Deutschland.

Was können Russen, Deutsche und Europäer voneinander lernen?

Nun, sie können unter einander Kochrezepte austauschen. Nein, im Ernst: Wir sind alle Menschen und haben alle unsere Stärken und unsere Schwächen.

Vielen Dank für das Interview.

 

Das Interview führten Dario Mohtachem und Joel Cruz.

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