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InflatiHohn

Was reimt sich auf Inflation? Richtig! Hohn oder auch Lohn. Alle drei Worte sind momentan in ganz Europa in aller Munde und nur wenigen schmeckt das. Dabei ist es doch eigentlich ganz einfach. So hat die europäische Statistikbehörde Eurostat am Freitag Vorabschätzungen veröffentlicht, laut derer die Lebenshaltungskosten in der Eurozone im April um 2,8% im Vergleich zum Vorjahr stiegen. Diese Teuerung ist damit die höchste seit drei Jahren und schon hört man die Falken bei der EZB am Auslöser für eine weitere Leitzinserhöhung ziehen. Schließlich war es ja niemand geringerer als EZB-Präsident Trichet, der in den letzten Wochen laut über die Gefahr einer zunehmenden Teuerung nachgedacht hatte. Dass dem Anstieg der Inflation eine Erhöhung des Referenzzinssatzes folgen muss, ist eine Auffassung, die übrigens auch die russische Zentralbank teilt und ihren Zinssatz am Freitag um 25 Basispunkte auf 8,25 % anhob. Damit will sie der hohen Inflation von aktuell 9,6 % entgegenwirken. Man sieht: Auch außerhalb der Euro-Zone ist das Thema Inflation in aller Munde.


Der (T)Reibstoff macht’s

Während der Preistreiber in der Euro-Zone von Experten in den hohen Kosten für Energie gesehen wird, ist das teure Gut Rohöl für Russland das eigentliche Fass ohne Boden, was sprudelnde Einnahmen für die Staatskasse angeht. Da die Regierung in Moskau nicht an Quoten wie beispielsweise jene der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) gebunden ist und dazu noch der Erdöl- und Erdgasexportin in 2010 noch 48 % aller Haushaltseinnahmen ausmachte, sollte man eigentlich meinen, dass der Preis für ein Barrell Öl bei oder über 100 US-Dollar keine Inflation fürchten müsste. Und doch: Durch den Reichtum an Erdöl und Erdgas versinkt die russische Wirtschaft gerade in Zeiten hoher Energiepreise in eine Art Wirtschaftsschlaf. Sie benötigt also Impulse, um sich von der Abhängigkeit von den Petrodollar zu befreien. Nur werden diese Impulse eben aus dem Petrodollartopf finanziert. Außerdem bewirkt der massive Zustrom an Geld auch eine Aufwertung des Rubel, was die Importe für russische Erzeugnisse verteuert, damit die exportorientierten Branchen belastet und viele Bemühungen, dem Tropf des Rohöls durch eine Diversifikation der Wirtschaft oder auch eine Erhöhung von Löhnen und Pensionen zur Stimulierung der schwachen Binnennachfrage zu entkommen, konterkariert.

Zweitrundeneffekt: Der Stolperstein für höhere Löhne?

Währendessen kämpfen Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände und die EZB an verschiedenen Fronten für oder gegen eine Anpassung der Löhne und Gehälter an die steigende Inflation. Während die Arbeitnehmervertreter fordern, dass die Löhne entsprechend der immer teurer werdenen Lebenshaltungskosten und wieder anziehender Unternehmensgewinne angehoben werden müssten, fordern Unternehmen Zurückhaltung, auch weil sie einen Einbruch der Erholung fürchten – nicht zuletzt aufgrund der auch für ihre Produktionen gestiegenen Energiekosten. Die EZB hingegen sieht das Risiko eines Zweitrundeneffekts. Hierbei würden höhere Löhne höhere Kosten für Unternehmen bedeuten. Diese würden sie dann an die Endabnehmer weitergeben. Höhere Preise und damit eine höhere Inflation wären die Folge. Dadurch gäben Verbraucher weniger aus, wodurch weniger produziert und weniger Arbeitnehmer gebraucht würden.

 

Von Marcello Buzzanca, buzzanca(at)migration-business.de

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