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Iraner sind meist Akademiker

Warum spielen gerade die Iraner eine so zentrale Rolle, wenn es um die Integration in Deutschland geht? Warum ist diese Migrantengruppe ein wichtiges Beispiel für die weitere Diskussion über Integration in Deutschland? Die Iraner sind äußerst gut integriert.Die meisten weisen eine überaus hohe Integrationsbereitschaft auf. Doch die Iraner fallen in der öffentlichen Debatte bezüglich des Themas der Integration nur wenig auf. Woran mag das liegen?

Die Iraner können auf eine jahrtausende alte Kultur zurückblicken, in der einige Grundsteine der heutigen Wissenschaft, Medizin, Kultur, Kunst, Musik und Religion gesetzt worden sind, von der gerade der „zivilisierte Teil“ der Welt seinen Nutzen zieht. Vor allem Exil-Iraner blicken mit einem unsicheren und deshalb vielleicht auch manchmal übersteigerten Stolz in die Vergangenheit dieses Weltreiches, die ihr einziger Anhaltspunkt dafür ist, dass die Zukunft ihres Landes sich vielleicht bessert. Aufgrund aber der letzten über 30 Jahre islamischer Theokratie und der Flucht vieler Iraner ins Exil, hat das iranische Selbstbewusstsein einen schmerzhaften Riss erlitten. Der Stolz eines einst so mächtigen Weltreiches mit einem großen kulturellen Erbe für die Welt wird in kürzester Zeit stark verunsichert. So entstand eine schizophrene Haltung aus übersteigertem Stolz und übermotivierter Assimilation an das Gastland, in diesem Falle Deutschland, was wiederum viele Iraner in einen Identitätskonflikt stürzt.

Zudem sorgt der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad für eine Negativschlagzeile nach der anderen. Die Iraner in Deutschland müssen sich nun für diese Ereignisse ständig rechtfertigen. Dies führt zu einer Art Integrationssehnsucht, die fast schon an Selbstverleugnung grenzt.

Die Iraner verleugnen daher häufig ihre eigene Kultur und haben ein übermäßiges Bestreben nach Anpassung an die deutsche Kultur. Die große Mehrheit der Iraner aber war in Deutschland immer ein wenig stolz auf ihre Unauffälligkeit, sodass die 120.000 aus Iran stammenden Migranten als Gruppe kaum wahrgenommen wurden. Iraner und Iranerinnen bezeichnen sich als „Perser“ oder „Perserinnen“ und die Religion mit der man aufgewachsen ist, wird aufgrund der Verknüpfung zum Gottesstaat im Iran als herbe Enttäuschung empfunden, wodurch diese eine nur untergeordnete bis gar keine Rolle mehr spielt.

Dies führt jedoch zu gewissen Problemen: Aus verschiedensten Gründen bestehen in Deutschland Vorurteile und Ressentiments gegenüber muslimischen Einwanderern. Türken und Araber werden in den Medien gerne pauschal mit negativen Nachrichten verknüpft. Wo liegt das Problem für die Iraner? Genauso, wie jeder Asiate für ein ungeübtes Auge aussieht wie ein Chinese, so sieht ein Iraner genauso aus wie jene Migrantengruppen, die sich, Statistiken zufolge, schlechter integrieren oder zumindest problematische Tendenzen aufweisen.

Trotz aller Erfolge der hier lebenden iranischstämmigen Deutschen, die sich integriert haben, sehr gut deutsch gelernt haben und hier Arbeitsplätze schaffen, werden Iraner bzw. Perser als Sündenbock wahrgenommen. Dieses Problem kann nicht durch eine gesteigerte Integrationssucht wie bisher gelöst werden, sondern in dem man positive Beispiele in Deutschland aufzeigt. Nur so können Deutsche mit Migrationshintergrund Anerkennung erfahren, sodass keine Trotzreaktion und Radikalisierung entsteht. Die Perser sollten ihre kulturelle Identität bewahren und diese mit der deutschen Kultur verbinden. Dieser Weg wäre im Interesse aller Deutschen, ob mit oder ohne Migrationshintergrund.

Was lernen wir aus dem Beispiel der Iraner in Deutschland?

Ziel muss es sein, eine klare und öffentliche Differenzierung zwischen den Migrantengruppen in Deutschland vorzunehmen, sodass spezifischere Integrationskonzepte entworfen werden können. Nicht dass eine Gruppe schlechter als die andere ist und ausgegrenzt werden sollte. Wir müssen Problemfälle öffentlich benennen und uns damit auseinandersetzen. Auch das Unterdrücken von Vorurteilen hat wenig Sinn, wie viele Studien belegen. Dadurch werden Vorurteile nur noch stärker. Vergleichbar ist das mit dem „rosa Elefanten“, an den man nicht denken soll. Man muss stattdessen positive Beispiele aufzeigen, um den „Vor“-urteilen entgegenzuwirken.

„Es gibt keinen Sündenbock, es gibt nur Probleme, die gelöst werden müssen!“

Die Probleme der Integration sind vielseitig und genau auf diese Weise müssen diese angegangen werden. Allgemeiner Konsens besteht darin, dass der Erwerb der deutschen Sprache elementar ist. Weiterhin ist ein wichtiger Schritt der Integration über Bildung und einen Arbeitsplatz. Nur so lässt sich Teilhabe und Mitgestaltung an der Gesellschaft verwirklichen.

Wichtig ist vor allem im Zuge der Sarrazin-Debatte anzumerken, dass die Deutsch-Iraner – mehrheitlich Muslime – lebende Beweise dafür sind, dass der Integrationserfolg weniger mit der Religionszugehörigkeit und den Genen korreliert, als vielmehr mit der Bildungsorientierung und positiven Haltung zum Einwanderungsland.

Die Gegner der Integration sind all diejenigen, die bestimmte Gruppen unter einen pauschalen Verdacht stellen und nicht genügend differenzieren. Sie spalten die Gesellschaft, hetzen Gruppen gegeneinander auf und verhindern somit nur eine bessere Integration. Man muss diesen Menschen, genauso wie den integrationsunwilligen Menschen, etwas entgegensetzen.

 

Text: Dario Mohtachem

Den Text auf den ich mich weitestgehend gestützt habe, finden Sie hier.

11 Kommentare

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  1. Behzad

    Als erfolgreicher, studierter (Interkulturelle Kommunikation/ Soziologie), integrierter Iraner in Deutschland, kann ich dem Verfasser nur Mut zusprechen! Deine Analyse ist durchaus korrekt! Natürlich beudeutet das nicht das es auf 100 % der Iraner zutrifft. Aber generell ist es eine durchaus fundierte Analyse. Es gibt natürlich auch „asoziale“ und Kriminelle Iraner, zum Glück sind das aber die Minderheit und die restlichen Iraner distanzieren sich stark von diesen. Besonders auf die Iraner die direkt nach der Revolution geflüchtet sind, trifft die Analyse zu. Diejenigen, die ihre Kindheit und Jugend, in der Islamischen Republik verbracht haben, sind besonders von einer Identifikationsstörung betroffen und von einem großen Problem, sich zu integrieren! Da Menschlichkeit, Wahrheit und Rechtschaffenheit nicht zu den Parolen der IRI gehörten und gehören. An alle diejenigen die nur „Hass“-Antworten parat haben, bildet euch erstmal, bevor ihr euren Senf dazu gibt! Und nein, wenn hier von Iranern gesprochen wird, dann ist nicht nur eure eigene Person oder Umfeld damit gemeint, sondern ein Wissenschaftsgebiet, welches sich mit Kulturen, Integration und Migration befasst! Es gibt nur euer eigenes Bildungsniveau wieder, wenn ihr hier so einen non-sense wiedergibt!

    @Arthur: Es ist jedem bewusst, der sich mit der Materie auskennt, dass sämtliche umliegenden Länder des Irans, neidisch und ignorant sind was die Bedeutung der Iraner angeht! Die Afghanen möchten das alles Afghanish ist obwohl es Afghanistan erst seit ca. 300 Jahren gibt, nachdem sie sich souverän machen wollten und sich von ihrem Mutterland, damals Persien, trennten. Genauso wie die Kurden und Armeinier. Fragst du diejenigen, ist alles Kurdisch oder Armenisch. Inzwischen wollen sogar die Türken sich auf die Geschichte stürzen und alles „Türkisch“ sehen! Man sollte die geschriebene Geschichte besser studieren, bevor man anfängt, seinen falschen Stolz in der Gesellschaft zu verbreiten! Ja, alle iranischen Völker haben ihre Spuren in der Geschichte des Iran hinterlassen, sowohl die Kurden, die Armeinier, die Afghanen, die Perser, die Bachtiaren, die Türken, die Mongolen, die Mazedonier/Griechen usw… Aber die wirklich starken und gebildeten, sind diejenigen, die sich auf geschriebenes berufen, nicht auf die „Gutenachtgeschichten“ der Großeltern!

    Ja, Iran ( „Das Land der Arier“, man kann es auch als Vereinigung der arischen Stämme bezeichnen) ist schon immer ein Vielvölkerstaat gewesen, zu dem bis vor kurzem (historisch betrachtet) auch das Volk der Afghanen Kurden und Armenier gehörte und genau das macht es so besonders! Die heute souveränen Länder (wie Afgh., Armeinien oder ein Teil der Kurden) haben ihre historische Bedeutung mit Füßen getreten (Armenier und Kurden weniger, durch das zerbombend von Tempelanlagen und Umsetzung des Islam in allen Lebensgebieten etc…) weil sie sich voll und ganz dem Islam hergegeben haben und ihre Ahnen und Geschichte mit Füßen traten! Selbst die Iraner, mussten erst durch die Europäer des 17./18. Jahrhunderts, einen Großteil ihrer eigenen Geschichte neu entdecken und erfahren!

    Und was hatten diese Stämme von der suverinität? Nichts! Außer das sich die starken Mächte wie Raubtiere über sie hergemacht haben und ihnen ihre Identität noch mehr nahmen als sie es selbst taten indem sie sich von ihrem historischen Mutterland trennten! Und jetzt, wo der Iran, als eines der ersten und als heute älteste Nation der Welt, eine Geschichtliche Renaissance erlebt, regt ihr euch auf und heult rum! Bekennt euch! Bekennt euch dazu Iraner zu sein, afghanischer, kurdischer oder armenischer Abstammung, dann ist die Geschichte Irans auch eure und die eurer Ahnen!

  2. Nima

    Lieber afghanische Arthur,

    Du kannst gern deinen Vorhaben betreffend Avicenna, Ferdowsi und… veröffentlichen; entweder als Witz oder Deine neue Entdeckung.

    Es ist gut nachvollziehbar, dass Du zu den Persern (Iranern) neidisch bist.

    Leider sind in jeder Nation Hasser wie Du, die Schwachsinn kommentieren. Aber Kurz über die Afghanen und Iranern:

    Afghanistan hat weltweit die größte Anzahl von Flüchtlingen. Iran steht nach Pakistan auf Platz zwei von den Top 10-Aufnahmeländern: 800,000 legal eingereisten Refugees aus Afghanistan und 4 Millionen illegal angesiedelten Afghanen: Quelle:
    http://medienservicestelle.at/migration_bewegt/2014/06/20/weltfluechtlingstag-512-millionen-vertriebene/

    Derzeit geht jede afghanischen Schüler und Schülerin nach Schule, über 2,000 Studenten und Studentinnen und tausende Stipendiaten. Quelle: http://www.irna.ir/en/News/81612696/ und 500 Stipendiaten Pro Jahr: http://www.khaama.com/iran-to-provide-500-scholarships-to-afghans-each-year

    Im neuen afghanischen Kabinett haben Vier Minister in Iran studiert und Ihre Karriere gemacht. https://thruttig.wordpress.com/2015/01/15/das-neue-afghanische-kabinett-3-erste-aan-analyse/ Unsere Ehre!

    Aber was hat Iran von den Afghanen bekommen?

    Über 88% der Gefangene und Täter in Iran sind Afghanen: http://www.ebtekarnews.com/Ebtekar/News.aspx?NID=114149

    Drei Millionen Illegalen Flüchtlingen aus Afghanistan sind in Iran angesiedelt

    Und Anschließend Komische Hasser wie Du in Internet.

    Schade dass Mansche Leute wie Du so undankbar und schamlos sind.

  3. Maya

    Lieber Arthur!!!

    Du sollst Dich erstmal schön informieren bevor Du warum auch immer solche schwachsinn schreibst.

  4. Arthur

    Naja, ob das so stimmt, dass die meisten Iraner Akademiker sind, halte ich für Propaganda.
    Ich kenne so ca. 20 „Iraner“, davon studiert -einer-. Klar ist das nicht repräsentativ, aber bspw. kenne ich aus meinem Umfeld viele Afghanen, und alle von denen, sind am studieren oder sind bereits Akademiker.

    Wenn es nach „Iranern“ gehen sollte, waren sie die ersten auf dem Mond, hätten das Rad erfunden,… und vor allem wären alle erfolgreichen Menschen der Welt „Iraner“. 😀

    PS: Avicenna, Firdowsi, Rumi, Attar,… waren keine „Iraner“ im nationalsstaatlichem Sinne, sondern Tajiken (Perser) aus dem Land wo jetzt Afghanistan liegt und deren Nachfahren heute bspw. in Afghanistan.

    1. Steffen

      Ach „Arthur“… als Afghan-Lover solltest du dich eher in anderen Foren aufhalten und hier keinen mit deiner Klugscheißerei aufhalten.

  5. Hamidreza

    So eine diffuse Analyse und dazugehörige Argumentation habe ich wirklich selten gelesen. Ist ja in sich völlig wiedersprüchlich.
    Naja, solche Schlaumeyer mit solchen Superanalysen gibt es ja immer.
    Wörter wie „Asimiliert“ oder „Identitätskonflikt“ werden meist von personen oder stellen verwendet die mit der islamkritischen Haltung der perser oder Iranern nicht einverstanden sind. Das habe ich schon oft feststellen müssen. Mann muss mal genau schauen wer der verfasser ist.
    Ich hoffe nur, dass die leser diese meinung nicht 1:1 übernehmen, sondern sich selbst eine Meinung bilden.

  6. Reza

    Ich kann mich meinem Vorredner nur anschließen, einerseits ist es die Erziehung, andererseits ist es unser pragmatisches Denken. Wissen ist Macht und nicht Geld. An Reichtum sind wir gewohnt, im Verhältnis zur Erdbevölkerung ging es uns, dank unseres Erdölreichtums, nie wirklich schlecht. Nur haben wir es über Jahrhunderte versäumt eine breite Akademische Elite zu bilden, um ein fortschrittliches Land zu werden.

    P.S. Die Gründe warum die westlichen Medien und Regierungen Ahmadinejad sowie das Regime ablehnen sind mit den Gründen die ihn sein Volk ablehnt nicht identisch. Da würde sich manch einer wundern, wenn ein Iraner seinen Standpunkt, bei gemütlicher Atmosphäre über die momentane Weltpolitik mitteilt. Ich kenne kein nationalbewussteres Volk als meine Landsleute, was vom Schreiber als Komplex angesehen wird, ist eher ein hoher Maßstab welches wir an uns, unseren Menschen unserer Regierung und unserem Identitätsbewusstsein setzen.

  7. Kamran

    was für einen Schwachsinn in dem Artikel, ich hasse es, wenn einer seine eigene Meinung auf alle projiziert. Für die Perser ist Bildung sehr wichtig, das ist kulturell bedingt und hat nichts mit Deutschland und Integration zu tun, Wie oft müssten wir in der Schule“ im Iran“ Aufsätze schreiben, ob Bildung besser sei oder Reichtum??!! und unsere Meinung, natürlich Bildung, begründen! Und die meisten Iraner in Deutschland haben im Iran genauso ausgesehen und gelebt wie in Deutschland oder sonstwo, was meint man mit Integration? Was andere Türken- und Araber-Kinder überall tun, wäre für eine persische Familie eine Schande, so versuchen persische Eltern, die Kinder möglichst früh gut zu erziehen, egal aus welcher Schicht. zurück zur Bildung: Ich könnte zB. mit legalen Geschäften früh sehr reich werden, zog es aber vor ein armer Arzt zu sein und hoffe, dass es auch mit dem Geld bald klappt. Das ist durch die Erziehung bedingt und durch die eigene Wille.

  8. Shiraz

    Seit wann verleugnen die mehrheit der iraner hier ihre kultur und identität? Und seit wann werden wir hier als sündenböcke gesehen? Und dass ein iraner schreibt, dass exil-iraner eine schizophrene haltung angenommen haben, finde ich peinlich. Die iraner in deutschland zeigen keine übermotivierte integrationsbereitschaft, sondern eine übermotivierte erfolgsbereitschaft. wir haben doch so gut wie nichts mit deutschen zu tun. Und so geht es den meisten iranern hier. Wir haben hier kein miteinander sondern nebeneinander. Dass iraner sich als perser bezeichnen, hat eher was mit der geschichte zutun. und dass der islam in den hintergrund rückt, hat nicht nur etwas mit den regime zutun, sondern auch mit der persischen ursprungsreligion, die immer mehr wieder an bedeutung gewinnt, gerade WEIL die iraner so sehr ihre kultur pflegen.

  9. Hossein Faraji

    Iranisches Lebek in Hamburg (1989-1996) Hamburg University
    Second generation of Iranian immigrants, 2009 academia .edu
    Iranianexodus .com

  10. Reza

    Also Integration ist das falsche Wort! Kaum ein Iraner zeigt Integrationsbereitschaft. Es liegt nur an dem Streben nach Bildung. Wirkliche Verknüpfungen finden selten statt:

    http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2003/1122/index.html

    Die Exil-Iraner sind meistens nicht von der iranischen Unterschicht, das zählt. Es gibt auch andere Schichten von Iraner im Exil (sehr wenige im Exil):

    http://forum.digitalfernsehen.de/forum/small-talk/152397-iraner-der-nachbarschaft-sie-wollen-keine-integration.html

    Greetings von einem Iraner

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