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Auszeichnung für Migrantenunternehmen

Kooperation zwischen migration-business, dem ethnischen Wirtschaftsmagazin und dem Münchner Wirtschaftspreis für Migrantenunternehmen

Die Landeshauptstadt München hat mit dem Phönix-Preis einen neuen Wirtschaftspreis ins Leben gerufen, der die Arbeit von Unternehmerinnen und Unternehmern mit Migrationshintergrund würdigt. Die Auszeichnung ist in dieser Form in Deutschland einzigartig. migration-business, das Ethnische Wirtschaftsmagazin, sprach mit dem Referenten für Arbeit und Wirtschaft Dieter Reiter über die Bedeutung des Preises, die Rolle von Migrantenunternehmen und deren Beitrag für Gesellschaft und Wirtschaft.

Herr Reiter, was ist das Besondere am Phönix-Preis?

Reiter: Der Phönix-Preis ist eine Auszeichnung für Unternehmen mit Migrationshintergrund, die auch in München einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor darstellen und die darüber hinaus viel für die Integration von Menschen leisten. Akzeptanz, Vielfalt und Integration sind Werte, die mit dem Preis genauso gewürdigt werden sollen wie das unternehmerische Engagement der Bewerber. Mit der Preisverleihung stellt die Stadt Unternehmen in den Vordergrund, die ihre soziale Verantwortung besonders wahrnehmen. Das kann andere motivieren, auch an der Ausschreibung zu diesem Preis teilzunehmen und es sorgt dafür, dass die Rolle der ethnischen Ökonomie in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.

Warum sollten sich Migrantenunternehmen um den Phönix-Preis bewerben?

Reiter: Wer an dem Wettbewerb teilnimmt und dabei ausgezeichnet wird, erhält damit die Chance, sich mit seinen Produkten oder Dienstleistungen einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und auf sein Unternehmen aufmerksam zu machen. Außerdem sind 3.000 Euro Preisgeld im Topf, die auf bis zu drei Unternehmen aufgeteilt werden können. Wie wichtig der Stadt dieser Preis ist, sehen Sie daran, dass Oberbürgermeister Christian Ude den Preis am 8. Dezember 2010 im Rahmen einer Feierstunde im Alten Rathaus selbst überreichen wird.

Nach welchen Kriterien wird der Preis verliehen?

Reiter: Die Jury berücksichtigt drei Kriterien. Zum einen die Unternehmensentwicklung, bei der der wirtschaftliche Erfolg, gemessen an der Umsatzsteigerung, sowie die Expansionsstrategie beurteilt werden. Beim zweiten Kriterium, der Einrichtung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen, wird vor allem die Ausbildung und Weiterbeschäftigung von Jugendlichen berücksichtigt, die aufgrund schlechter Schulabschlüsse auf dem Ausbildungsmarkt nur schwer vermittelbar sind. Auch die Beschäftigung von Erwachsenen mit Migrationshintergrund, die wegen mangelnder Sprachkenntnisse oder eingeschränkter beruflicher Qualifikationen Schwierigkeiten bei der Jobsuche haben, fließt in die Bewertung mit ein. Beim dritten Kriterium, dem interkulturellen Engagement, spielt die integrative Unternehmensführung eine entscheidende Rolle. Dabei wird beurteilt, wie ein Betrieb Vielfalt fördert, wie er für Geschlechtergerechtigkeit sorgt, ältere Kollegen integriert, unterschiedliche Religionszugehörigkeiten toleriert oder mit allgemeinen kulturellen Besonderheiten in seiner Belegschaft umgeht.

Interview mit Dieter Reiter, Referent für Arbeit und Wirtschaft der Landeshauptstadt München

Hat der Name „Phönix-Preis“ eine tiefere Bedeutung?

Reiter: Durchaus. Der Phönix, ein Wesen aus der griechischen Mythologie, ist der Vogel, der aus seiner eigenen Asche neu ersteht. Phönix steht für Mut, Risikobereitschaft und den Willen, immer wieder etwas Neues zu wagen. Das sind Eigenschaften, die auch Unternehmer in besonderer Weise benötigen, vor allem, wenn sie fern der eigenen Heimat eine Geschäftsidee zum Erfolg bringen und sich damit eine neue Existenz aufbauen wollen.

Welche Bedeutung haben Migrantenunternehmen für die Münchner Stadtgesellschaft?

Reiter: Sie wirken integrativ. Sie nehmen aktiv am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben teil, beherrschen die Landessprache und pflegen vielfältige Kontakte, sei es mit Kunden, Geschäftspartnern oder Behörden. Ihnen kommt eine Art Mittlerrolle zwischen der einheimischen Gesellschaft, in die sie durch ihr unternehmerisches Handeln gut integriert sind und ihren Landsleuten zu. Jeder Arbeits- oder Ausbildungsplatz, der in solchen Unternehmen entsteht, ist auch wichtig für die Integration von Menschen, die auf dem Münchner Arbeitsmarkt aufgrund mangelnder sprachlicher Kompetenzen oder fehlender anerkannter Bildungsabschlüsse sonst einen schweren Stand haben.

Wie fördert die Stadt die Migrantenökonomie?

Reiter: Der Phönix-Preis ist nur eine von mehreren Maßnahmen, mit denen sich das Referat für Arbeit und Wirtschaft seit mehreren Jahren in der Migrantenökonomie engagiert. Ein anderes Beispiel ist das Projekt MOVA, das auf die besonderen Bedürfnisse von Migrantenunternehmen zielt. Mit maßgeschneiderten Angeboten hilft MOVA beispielsweise bei der Einrichtung von Ausbildungsstellen. Dahinter steht der Gedanke, dass Unternehmen ihre Zukunft am Besten dadurch sichern, dass sie gezielt für ihren betrieblichen Bedarf ausbilden. Das Projekt informiert mit einer Internetseite in zehn Sprachen und einem Team von Betriebsberatern.

Vielen Dank für das Interview.

 

Das Interview führte Dario Mohtachem.

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Wollen Sie sich bewerben? Hier finden Sie das Bewerbungsformular. Weitere Informationen hier.

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