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Berlins Wirtschaft braucht sie – Jugendliche mit Migrationshintergrund

Die Berliner Wirtschaft hat eine positive Bilanz ihrer Kampagne zur Werbung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund für einen Ausbildungsberuf gezogen. Unter dem Motto „Berlins Wirtschaft braucht Dich“ hatten IHK, Handwerkskammer und Berliner Unternehmen vor einem Jahr eine Initiative gestartet, um diese Jugendlichen in eine berufliche Ausbildung zu bringen. Damit wollen Kammern und Betriebe einen wichtigen Beitrag zur Sicherung des zukünftigen Fachkräftebedarfs leisten. Am Mittag haben die Firmen Hornbach-Baumärkte und Unternehmensgruppe Gegenbauer bei einer Pressekonferenz in der Regionalverwaltung Nord von Hornbach an der Neuköllner Cafeastraße in Anwesenheit von Staatssekretärin Kerstin Liebich aus der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales und Vertretern beider Kammern ihre Ergebnisse vorgestellt. Dabei präsentierte sich auch ein neuer Mitstreiter im „Ringen“ um die Schulabgänger: es ist die Tiefbaufirma Frisch und Faust.

Staatssekretärin Liebich unterstreicht die Wichtigkeit der Initiative:
„Uns ist es sehr wichtig, dass alle Berliner Jugendlichen unabhängig von ihrer Herkunft, gleiche Chancen haben, auch in der Ausbildung und im Arbeitsleben. Wir werden in der Zukunft eine große Zahl von gut ausgebildeten Fachkräften brauchen. Das sollten wir uns alle – in der Politik, in der Wirtschaft und auch jeder Jugendliche selbst – noch einmal sehr bewusst machen. Unabdingbar für eine strategische Personalplanung ist zudem ein Mentalitätswechsel hin zur interkulturellen Öffnung in den Wirtschaftsunternehmen, insbesondere in den kleinen und mittleren Unternehmen: eine offene, anderen Kulturen aufgeschlossene Unternehmensphilosophie, die für das wirtschaftliche Überleben notwendiger denn je wird. Kammern und Wirtschaftsverbände sind dabei hilfreiche Partner.“

Der Bildungsgeschäftsführer der IHK Berlin, Christoph von Knobelsdorff, lobt die Kampagne:
„Gerade die weltoffene Hauptstadt Berlin zog und zieht eine Vielzahl von Menschen mit Migrationshintergrund an. Sie sind integraler Bestandteil unserer Gesellschaft. Bei den Kita-Kindern haben heute 40% einen Migrationshintergrund, bei den Schülerinnen und Schülern sind es knapp 30%. Ihr Anteil an der Bevölkerung wächst also stetig. Noch spiegelt sich dieser Prozentsatz aber nicht in allen Abschlüssen unseres Bildungssystems wider: Aktuell waren unter den Abiturienten nur 15,5% mit Migrationshintergrund, bei den Ausbildungsabschlüssen in unseren IHK-Berufen liegt ihr Anteil ebenfalls bei gut 15%. Demgegenüber finden sich knapp 40% in vollschulischen Bildungsgängen. Uns zeigt dies, dass wir die Attraktivität und die Karrierechancen in der beruflichen Bildung bei Migranten und ihren Eltern noch besser bekannt machen müssen. Die Kampagne „Berlins Wirtschaft braucht dich“ ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.“

Uwe Wagner vom Hornbach- Baumarkt erklärt zufrieden beim Pressetermin:
„Wir werten die Aktion als großen Erfolg, wir sind begeistert über die tolle Einstellung der Auszubildenden und höchst zufrieden über die ausgezeichneten Leistungen der jungen Menschen. Trotz der einen oder anderen Anlaufschwierigkeit haben sich 20 Jugendliche durchgebissen. Wir setzen auch im neuen Ausbildungsjahr die Kampagne fort und werden mindestens 20 Ausbildungsplätze anbieten. Dabei wollen wir erneut besonders Jugendliche mit Migrationshintergrund für Hornbach gewinnen.“

Claus Kohls von der Unternehmensgruppe Gegenbauer bemerkt:
„Um als Unternehmen ganz konkret Verantwortung zu übernehmen, haben wir uns vor vier Jahren vorgenommen, den Anteil Auszubildender mit Migrationshintergrund von 3 auf 20% zu erhöhen. Hierbei sind wir auf einem sehr guten Weg. Dabei haben wir viele Organisationen kennengelernt, die sich ebenfalls um diese Jugendlichen kümmern. Daraus sind echte Partnerschaften entstanden, die auch während der Ausbildung notwendige Unterstützung leisten. Ein konkretes und sehr erfolgreiches Beispiel dieser Zusammenarbeit ist eine junge Frau (Ümran Atak), die beim SOS Kinderdorf eine Teilzeitausbildung als Bürokauffrau antrat und im Rahmen dessen ein Praktikum bei Gegenbauer absolvierte. Zuvor hatte sie die Schule mit einem schlechten Realschulzeugnis abgeschlossen und als Kellnerin und Kassiererin gearbeitet. Jetzt befindet sie sich bei uns im zweiten Ausbildungsjahr.“

Dieter Mießen von der Tiefbaufirma Frisch und Faust hebt hervor:
„Nachdem wir vor etwa zwei Jahren die Losung ausgegeben hatten, den Anteil unserer Auszubildenden mit Migrationshintergrund dem Anteil der Migranten in der Berliner Bevölkerung anzupassen, konnten wir in den letzten Wochen erfreulicherweise feststellen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir haben den Eindruck, dass die Auszeichnung als Berlins bester Ausbildungsbetrieb 2010 für viele Bewerber der Ansporn war, sich ausgerechnet bei uns zu bewerben. Die Zusammenarbeit mit ausgewählten Schulen in den von den Kammern vorgezeichneten Kooperationen trägt ebenso Früchte, wie die teilweise schon viele Jahre währende Partnerschaft mit Bildungsträgern und Vereinen. Für 2011 haben wir erneut Jugendliche mit Migrationshintergrund in unsere betriebliche Ausbildung aufnehmen können. Wir wünschen uns sehr, dass dieser Trend anhält.“

Ulrich Wiegand, Geschäftsführer der Handwerkskammer Berlin ergänzt:
„Ein Handwerk – 70 Nationen. Das Berliner Handwerk lebt die Integration in und mit seinen Betrieben, von denen sich bereits heute mehr als 16% in den Händen von Handwerkern mit ausländischer Staatsangehörigkeit befinden. Nie waren die Chancen auf einen Ausbildungsplatz so gut wie heute. Mehr als 420 freie Lehrstellen in mehr als 40 verschiedenen Berufen sind in unserer Lehrstellenbörse noch zu besetzen. Ich rufe alle Jugendlichen, die in diesem Jahr noch eine Ausbildung beginnen möchten, auf, sich jetzt zu bewerben. Das Handwerk braucht junge Menschen, egal welcher Herkunft. So, wie es der Slogan der Imagekampagne des Handwerks verkündet: Bei uns zählt nicht, wo man herkommt. Sondern wo man hin will.“

Gemeinsame Pressemitteilung der IHK Berlin und Handwerkskammer Berlin vom 29. Juni 2011

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