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Nationale Grenzen waren gestern

Sibel Kara ist Philosophin und Literaturwissenschaftlerin. Sie ist bei Pro Diversity tätig. Ihre Schwerpunkte sind: Wandel des öffentlichen Raums und Arbeit im Zeitalter der Globalisierung. Frau Kara hat das Dossier konzipiert und redigiert. Endredaktion: Olga Drossou, MID Redaktion.

Inwiefern hat sich unser Leben durch die Globalisierung verändert? Welche Rolle spielen neue Kommunikations- und Informationstechnologien? Und was bedeutet der Begriff „transnational“? All diese Fragen werden in dem neu erschienenen Dossier „Transnationalismus & Migration“ von Sibel Kara und der Heinrich-Böll-Stiftung beantwortet.

Was bedeutet „transnational“?

Durch die räumliche Mobilität im Zuge der Globalisierung bewegen sich Menschen durch Urlaubs-, Arbeits- oder Ausbildungsaufenthalte zwischen mehreren Ländern oder pendeln hin und her. Neue Kommunikationsmedien wie Facebook ermöglichen den Menschen auf aller Welt  untereinander in Kontakt zu bleiben und ihre Netzwerke zu erweitern. Diese neuen Formen der Migration, des Lebens und des Austausches erhalten oft die Vorsilbe „trans-“, um ihren über etwas hinausweisenden Charakter deutlich zu machen – Transnationalismus, Transmigration, TransmigrantInnen.

Alte Theorien zur Integration und Migration gehen an der Realität vorbei

Cover des Dossiers "Transnationalismus & Migration". Herausgegeben von Sibel Kara und der Heinrich-Böll-Stiftung. Klicken Sie auf das Cover, um das Dossier in der gesamten Fassung zu öffnen.

Das Konzept des Transnationalismus lenkt den Blick der Migrationsforschung auf die neu entstandenen Lebensrealitäten und Interessenslagen von – meist jungen – Migrantengenerationen im 21. Jahrhundert und hinterfragt die Tragfähigkeit der vorherrschenden Migrations- und Integrationspolitiken. Diese gehen oftmals von einer weiterhin dauerhaften Ein- und Auswanderung aus und verkennen so den zunehmend temporären Charakter transnationaler Mobilität. Menschen wandern nicht mehr wie früher einmal von ihrem Herkunftsland in ihre künftige Heimat, sondern machen Zwischenstationen in verschiedenen Ländern. Zum anderen gründen die alten Migrationstheorien auf traditionellen eindimensionalen Identitäts- und Staatsbürgerschaftskonzepten, die auf die Anpassung der MigrantInnen an die vorherrschende nationale „Leitkultur― ausgerichtet sind.

Über mehrere Länder aufgespannte familiäre und soziale Netzwerke, sowie zahlreiche diasporische Communities und religiöse Gemeinschaften haben eine nicht zu unterschätzende Wirkung auf die Ökonomien und Lebensweisen in den jeweiligen Nationalstaaten. Besonders die Großstädte, Anziehungspunkt und bevorzugter Lebensraum von TransmigrantInnen, sind weltweit Schauplätze rasanten Wandels – angestoßen durch das Zusammentreffen immer mobilerer und vielfältiger werdender Bevölkerungsgruppen.

migration-business erkennt das Potential

Hier zeigt sich auch die von migration-business häufig betonte kulturelle und wirtschaftliche Bereicherung durch MigrantInnen. Innovative Ideen aus anderen Ländern, interessante Bräuche und Sitten, sowie Kapital und hochqualifizierte Kräfte wandern um den Globus, schaffen neue Märkte und bereichern uns alle. „Zum ersten Mal in der Weltgeschichte ist jeder der Nachbar vom anderen“, wie Ulrich Beck sagt. migration-business hat sich hierbei zur Aufgabe gemacht, als Informationsmedium und Netzwerk zu fungieren, das Deutsche mit Deutschen mit Migrationshintergrund und Menschen aus Deutschland mit aller Welt verbindet, sowohl in wirtschaftlicher, als auch in kultureller Hinsicht.

Hat das Thema Ihr Interesse geweckt?

Weitere interessante und neuartige Gedankengänge, sowie eine Vertiefung in das Thema finden Sie im Dossier von Sibel Kara, das auf ungefähr hundert Seiten u.a. Beiträge von Ulrich Beck, Saskia Sassen, Ludger Pries, Zeynep Szegin und vielen weiteren namhaften Autorinnen enthält.

Das Interview führte: Dario Mohtachem

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