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Hatice Akyün: Deutschland bleibt meine Heimat

Hatice Akyün ist vieles, eine erfahrene Journalistin, erfolgreiche Schriftstellerin, Tochter türkischer Einwanderer, Mutter einer kleinen Tochter, aber auf keinen Fall würde sie sich als typische Türkin bezeichnen. Wie sie ihr Leben als berufstätige, alleinerziehende Mutter zwischen zwei Kulturen meistert, ist genauso herausfordernd, wie bewundernswert.

Leben zwischen den Welten

Hatice Akyün ist Journalistin, Kolumnistin, Autorin und hat bereits über alle möglichen Themen geschrieben. Aufgrund ihrer „zwei Leben“ in zwei Kulturen hat sie sich für das Schreiben als Deutsche mit türkischen Wurzeln entschieden. Ihre Arbeit trägt dazu bei, dass das einseitige Bild, welches über Türken in Deutschland vorherrscht vervollständigt wird und Vorurteile abgebaut werden.

Ausschlaggebend für diese Entscheidung waren die zahlreichen negativ behafteten Berichte, man könnte fast schon sagen „Horrorgeschichten“, in den Medien über Zwangsheirat und Ehrenmorde und „die Türken“, die in Deutschland leben und scheinbar nichts als Angst und Schrecken verbreiten. Da dieses Bild falsch ist, hat Akyün begonnen, ihre positiven Geschichten zu schreiben. Es folgte ihr erstes Buch „Hans mit scharfer Soße“ über Singlefrauen zwischen den zwei Welten.

Sie hat mit ihren bereits erschienenen Büchern „Hans mit scharfer Soße“ und „Ali zum Dessert“ große Erfolge gefeiert und viele Leserinnen und Leser begeistert, indem sie geschickt und schlagfertig mit den Klischees spielt. Ihre Artikel sind immer geistreich, authentisch und handeln von ihr selbst, ihrer Familie und ihren Erfahrungen.

Da stellt sich die Frage, woher kommt diese Kreativität? Die Antwort, so Akyün, seien unter anderem die fantasievollen Geschichten ihrer Mutter aus ihrer Kindheit, die ihre eigene Vorstellungskraft stark beeinflusst und gelenkt hat.

Kultureller Reichtum in der nächsten Generation

Obwohl ihre Mutter niemals gearbeitet hat, sagt Akyün,  sei es ein Trugschluss,  dass türkische Frauen nicht arbeiten. In unserer heutigen Zeit ist es normal, dass Frauen, unabhängig davon, ob sie einen Migrationshintergrund haben oder nicht, selbstständig, selbstbewusst und emanzipiert durchs Leben gehen und einen ganz normalen Beruf ausüben. Bei Akyün ist dieser Beruf eher die Berufung und hilft ihr bei ihrer Selbstverwirklichung.

Für Akyün ist es eine Herausforderung, das Leben in beiden Kulturen, die doch so unterschiedlich sind, miteinander zu vereinbaren und zu verbinden. Sie hat aber auch erkannt, dass eine sowohl deutsche als auch türkische Sozialisation einen großen Reichtum für sie darstellt.

Diesen Reichtum gibt Akyün auch an ihre Tochter weiter. Diese wächst zweisprachig auf und verinnerlicht auf diese Weise beide Sprachen ihrer Eltern. Mit vielen anderen Alltäglichkeiten wächst sie selbstverständlich auch auf. Die Journalistin und Autorin macht sich im Alltag keine Gedanken darüber, ob sie ihrer Tochter typisch deutsche oder türkische Eigenschaften mit auf den Weg gibt. Wichtig für Akyün ist nur, dass sie ihrer Tochter Vorurteilsfreiheit vermittelt. „Es unterschiedliche Menschen, die anders sind und anders leben, aber trotzdem sind es Menschen.“

Auswanderung als letzte Ausflucht?

Obwohl Hatice Akyün dafür bekannt ist, sehr liebevoll und leidenschaftlich über ihr Heimatland Deutschland zu schreiben, gingen auch an ihr die Vorurteile gegen Deutsche mit Migrationshintergrund, vor allem gegen Türkischstämmige, und die durch den ehemaligen Finanzsenator Tilo Sarrazin (SPD) ausgelöste Debatte Anfang des Jahres nicht spurlos an ihr vorbei.

Dies führte so weit, dass Akyün sich in ihrem Heimatland nicht mehr wohl fühlte und kurz vor der Auswanderung in die für viele Fach- und Führungskräfte wirtschaftlich attraktive Türkei stand. „Ich habe mich gefragt, ob ich es will, dass meine Tochter in einem Land aufwächst, in dem sie in der Schule als dumm dargestellt wird, weil sie Türkin ist und mit Vorurteilen kämpfen muss.“

Da sie türkischer Herkunft ist und die Sprache perfekt beherrscht, bekam Akyün zahlreiche Jobangebote in der Türkei, von Unternehmen, die sie aufgrund ihrer beruflichen Qualifikationen schätzen.

Nach einer dreimonatigen Bedenkzeit beschloss Akyün jedoch, dass Deutschland ihre Heimat ist und bleibt und eine „Flucht“ ins Ausland kein Ausweg sein kann. „Ich trage eine Verantwortung für dieses Land und habe mich deswegen dazu entschlossen nicht zu fliehen“. Hatice Akyün entschied sich dafür, für ihr Land zu kämpfen. Sie bemüht sich, mit den ihr zur Verfügung stehen Mitteln der Medien und der Arbeit mit der Öffentlichkeit, diese Debatte in eine andere Richtung zu lenken.

Sie versucht mit ihren Artikeln und einem neuen Buch, an dem sie momentan schreibt einen Beitrag dazu zu leisten. Es wird zwar noch nichts darüber verraten, worum es in dem Buch genau geht, man darf jedoch auf etwas ganz Neues mit dem altbewehrten Charme und Stil Akyün’s gespannt sein. Die Vorfreude der Leser muss sich jedoch noch bis zum Herbst 2012 gedulden. Dann soll das neue Buch voraussichtlich erscheinen.

Text: Patricia Pluszkiewicz
Bildnachweis: www.akyuen.de

1 Kommentar

  1. Feryal Tokgoez

    Hallo meine ,,Journalistinnen-Sultanin“ HATICE AKYUEN (bis heute,,Wir sind Papst“, jedoch seit es DICH gibt; mit voller Stolz ,,WIR SIND HATICE AKYUEN“)!!!!! Alle Deutschen, mit tuerkischer Herkunft, die ich kenne(kannst Du Dir jawohl vorstellen, wie viele es sind,da die ,,tuerkische Herkunft“ alles aussagt) ,und natuerlich ICH, wussten es auch zu schätzen, in beiden herrlichen Kulturen zu leben; jedoch seeeehr gluecklich und unbeschreibbar stolz darueber, seit es ,,GOTT SEI DANK“ DICH gibt !!!! Passend dazu unsere tuerkische Weisheit : ,,Bekleyen dervis, muradina ermis“-,,Der Geduldige oder Wartende ist der Groesste, deswegen werden seine Träume wahr“ Das laaaange warten auf Dich hat sich tatsächlich gelohnt. Wir lieben Dich und stehen hinter DIR GOTT beschuetze Dich, deine Tochter, deine liebenswerte Familie, deine Klug-, Weis-, Offenheit etc., das wir weiterhin, mit vieeeel Freude, daran teilhaben können !!!! DAAAAAAANKE

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