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Ausländerbehörde will Hochqualifizierte nicht?

Sie ist fröhlich, weltoffen, leistungsbereit. Kerry Kempton (Foto) ist ausgebildete Reisebürokauffrau, hat einen Bachelor in Tourismuswirtschaft von der Universität Melbourne in der Tasche und einen Kurs in Business Management erfolgreich absolviert. Damit gehört Kerry zu den Hochqualifizierten in Deutschland. Hochqualifizierte, die unser Land so dringend braucht!? Zumindest ist dies die Meinung von deutschen Wirtschaftsexperten, Arbeitgebern und Politikern. Kerry ist australische Staatsbürgerin und lebt seit Juni 2009 in Berlin.

In Berlin gefallen ihr die Menschen, das Lebensgefühl und das kulturelle Angebot. Sie möchte gerne hier bleiben. Es gibt nur ein Problem: Die Ausländerbehörde. Die hoch qualifizierte Australierin muss das Land verlassen, wenn sie nicht bald einen Arbeitgeber findet, der ihr mindestens 60.000 Euro im Jahr zahlt. Denn nicht-EU-Ausländer müssen ein Jahresgehalt von 60.000 Euro vorweisen, um Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis zu erhalten. So steht es derzeit zumindest noch im Zuwanderungsgesetz. Doch welcher deutsche Hochschulabsolvent bekommt im ersten Berufsjahr ein Jahresgehalt von 60.000 Euro? Ein Rechtsanwalt soll die hohe finanzielle Hürde nun überprüfen, denn viele deutsche Firmen schrecke das enorm ab, meint Kerry. Um in dem neuen Land gleich die besten Startchancen zu haben, belegte Kerry gleich nach ihrer Ankunft in der neuen Heimat einen Deutschkurs. Im Gespräch hört man zwar ihren australischen Akzent, doch der weist auch nur auf das hin, was viele für den allergrößten Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt halten: Ihre Mehrsprachigkeit.

Sie gibt nicht auf, doch auch ein Gespräch mit der Lufthansa scheiterte an scheinbar unüberwindbaren Hürden: „Es hat leider nicht geklappt, weil die bürokratischen Hürden für Hochqualifizierte aus Nicht-EU-Staaten für die Lufthansa zu hoch und zu kompliziert waren“, sagt Kerry und fügt hinzu, dass in Australien die Administration für Einwanderer wesentlich schneller laufen würde. Man ist auch darauf angewiesen. In der Bundeshauptstadt etwa nicht?

Arbeitsmarktmäßig ist Berlin nicht unbedingt gut aufgestellt, die Arbeitslosenquote die höchste im ganzen Land. Dennoch: der Tourismus boomt. Und Kerry kämpft weiter, für Berlin. Damit sie hier bleiben kann. Im U-Bahnhof Kochstraße am Checkpoint Charlie hängt ein Plakat von ihr, mit dem sie auf sich und auf ihre Situation aufmerksam macht. Mit ihrer Webseite (http://rettetmich.wordpress.com/) möchte sie eine „Abschiebung trotz Hochqualifizierung“ verhindern.

Und gleichzeitig wird über den Fachkräftemangel in Deutschland seit Jahren debattiert. Es sollen funktionierende Rahmenbedingungen geschaffen werden, Regeln für gezielte Einwanderung von Fachpersonal. Doch die Praxis sieht meist leider anders aus, als die Theorie politischer Debatten. Und Kerrys Leben ist nunmal bestimmt durch die Praxis. Sie fühlt sich nicht willkommen im „Fachkräftemangelland Deutschland“ – obgleich sie hohe fachliche Qualifizierung und gute Deutschkenntnisse mitbringt. Es scheint, Deutschland warte nur vergebens auf qualifizierte Zuwanderer – und das trotz umfangreicher Zuwanderungspolitik und endloser Fachkräfte- Debatten. Der Mangel an geeignetem Fachpersonal macht den deutschen Arbeitgebern große Sorgen.

Und einmal mehr versteht Kerry die Ausländerbehörde in Berlin nicht. Ein Zuwanderungsgesetz macht nur Sinn, wenn es dazu auch eine Einwanderungsbehörde samt Ministerium gibt. Aber von der deutschen Politik erwartet die Australierin längst nichts mehr. Sie wünscht sich, dass die deutschen Behörden ihre Qualifikationen anerkennen, sie endlich Fuß fassen und einen Berufseinstieg wagen kann in dem fremden Land. Ein weiteres Plakat von ihr soll nun den Wittenbergplatz in der City-West schmücken. Sie hofft weiter. Auf einen Arbeitgeber, der einer hoch qualifizierten ausländischen Berufseinsteigerin einen Vertrauensvorschuss in Höhe von 60.000€ p.A. zahlt. Damit sie und ihre hohe Qualifizierung nicht zurück nach Australien gehen müssen und die deutschen Arbeitgeber vergebens weitersuchen.

 

Text: Joel Cruz & Melanie Weinert
Foto: Marlene Kunst

 

 


4 Kommentare

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  1. Said Akbarzadeh Gh.

    Hallo,
    hier melde ich mich als ein sehr A,lter “ UNi.-TU-Berlin- Mitglied“ viel erlebt,viel getan,viel lange Erfahrung von UNI. und lebensformen seite 42 Jahren in Deutschland doch ,es ist lange Zeit ,mehr noch kommen wir zusammen,sprchen wir über alles was hier in Ausland los ist,kontakt mit vielen menschen ,in verschiedenen Ländern und Sprachkenntnissen,:
    Ausländer sein, Studieren,Arbeiten,jobben,Uni.-Zertifikat erhalten,TU-Berlin absolviert,Fach-Informatik,als Mitglied Emalige Fach-Bereich 20 TU/ 2.Studium
    Pädagogi/Sozial-Medien in berlin,Lehrbeauftragter an der UNI-TU/ Ausländer und Imigration-Probleme,Bildungs-sozialisation in Dritten-Welt,5 Jahren an der Uni-Berlin,Dizitation-Arbeit( nicht wegen einige Deutschen-Gesetztgeber fertig gestellt!!?)
    Gastnomie und Gesellschaft gemacht 10 jahren ganz unterander,Gastromie und Tuorismus(Gast romie-Reisebüro gegrundet1990-bis 1993und danach als Fachmann Touristik und Kultur gemacht 1996 bis heutenoch http://www.atrotravel.de
    unter andern noch wissenschaftliche Projekten…………..???????/ TV-Program für Ausländer 1982-4 , Flüchtlingsprojekten in Berlin, von UNI FU-aus nur Menschenrecht und Imiranten sproblem kennenlernen,ein mensch für Alles,sagt man :Franc-Schlussel Gerenall passander Werkzeug!!
    bis vor zwei Jahre vor gemeinnützige Verein Euro-Humanity-Deutschland e.v. gemeinnützige Verein, Kunst§Kultur-Treffpunkt,Paket-Shop -GLS POST SERVICE
    Forschungund Entwicklung,Unternehmenberatung,je nachdem bißchen was,Lebenskasse,Zweit Büro in Berlin, Online-büro ?,und und W P A Word Press Agency Representative Office in Germany und und und……..
    Also,man kann viel machen ,nur in der Arbeitskreise basta nich mehr reicht das Ideen Ideen
    Also würde ich gern in der guten Gelegenheiten mit lieber Frau Kerry <Kempton
    mich kontaktiert,uns in der Promlemangelegenheiten besser uns nachkommen lassen.
    Viel Erfolg bis den 25.11.2011 Rathaus Berlin Oper -Konzert,oder in anderen Gelegenzeiten!!
    LG
    Akbarzadeh
    Reisebüro Geschäftsführer ATRO

  2. jp

    Ich finde es auch gut, dass das Thema angesprochen wird. Leider ist der Artikel hier allerdings schlecht recherchiert: Für eine Aufenthaltsgenehmigung mit Arbeitserlaubnis ist kein Einkommen von 60000 Euro erforderlich. Sie muss ein konkretes Arbeitsplatzangebot vorweisen, dem die Bundesagentur für Arbeit zustimmen muss, und ein paar weitere Voraussetzungen erfüllen (genaue Regelungen siehe unter Anderem http://dejure.org/gesetze/AufenthG/18.html und http://dejure.org/gesetze/AufenthG/18a.html).

    Das Mindesteinkommen (66000 Euro alte Bundesländer / 57600 Euro neue Bundesländer) bezieht sich auf die Niederlassungserlaubnis für Hochqualifizierte (siehe http://dejure.org/gesetze/AufenthG/19.html), die im Gegensatz zur Aufenthaltserlaubnis unbefristet ist.

    Aus eigener Erfahrung weiß ich aber auch, dass man viel Geduld und Hartnäckigkeit mitbringen muss, um als qualifizierter Arbeitnehmer die normale Aufenthaltserlaubnis zum Zweck einer Beschäftigung zu erhalten. Ewige Wartezeiten bei der Ausländerbehörde, unfreundliche Sachbearbeiter ohne Fremdsprachenkenntnisse, bürokratische Hürden, kaum Möglichkeiten qualifizierte Beratung zu bekommen…
    Deshalb schrecken viele Arbeitgeber davor zurück, qualifizierte ausländische Arbeitnehmer einzustellen, die eigentlich in Deutschland dringend benötigt werden.

    Wenn man die Regelungen ein wenig kennt und weiß, welche Voraussetzungen man erfüllen muss, ist es aber mit ein wenig Hartnäckigkeit schon machbar. Tipp: Einen deutschen Bekannten zu den Terminen mitnehmen, das macht die Kommunikation mit den Behörden deutlich einfacher, da gerade die Gesetzesregelungen nicht leicht zu verstehen sind.

    Nicht aufgeben und viel Erfolg bei der Arbeitssuche, Kerry!

  3. CLara

    Kerry wünsche ich alles Gute, ganz viel Glück und möglichst wenig Kontakt mit der Ausländerbehörde, die echt sehr unfreundlich, inkompetent und unorganisiert sind.

  4. CLara

    Es ist super dass das Thema endlich mal öffentlich auf den Tisch kommt. Mein australischer Freund, der Ingenieur mit sehr guten Noten und guten Deutsch Kentnissen ist, hat haargenau das gleiche Problem und musste nun nach Österreich ziehen weil es dort tatsächlich problemlos machbar war einen Job als Ingenieur, Arbeitsgenehmigung etc. zu bekommen. Ich als fertige und berufserfahrende Physiotherapeutin und angenehende Ingenieruin werde wohl früher oder später Deutschland verlassen müssen um meine Partnerschaft aufrecht zu erhalten. Wir würden beide sehr gerne als Ingenieure in Berlin bleiben und auch für Nachwuchs sorgen (mit dem Nachwuchs ist es ja auch nicht allzu gut bestellt in Deutschland), es scheint aber leider ziemlich unmöglich zu sein dieses Vorhaben umzusetzen. Traurig, aber es kann ja quasi nur noch besser werden. Hoffen wir dass es für nachfolgende Fachkräfte irgendwann einfacher wird.

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