«

»

Rationalisierungen für japanische Manager unverantwortlich

Im Rahmen der Asien-Pazifik-Wochen hielt der renommierte Japanologe Prof. Dr. Werner Pascha (Foto) im Berliner Rathaus einen aufschlussreichen Vortrag über die deutsch-japanischen Wirtschaftsbeziehungen. Pascha ist Inhaber des Lehrstuhls für Ostasienwirtschaft/ Japan und Korea an der Mercator School of Management in Duisburg .

Unter dem Thema „Deutsch-japanische Wirtschaftsbeziehungen zwischen weltwirtschaftlicher Normalität und bilateralen Besonderheiten“ war es Paschas Anliegen einen nüchternen Blick auf die deutschen Wirtschaftsbeziehungen mit Japan zu werfen. So wies er darauf hin, dass die wirtschaftliche Zusammenarbeit nicht besonders intensiv sei. Den Grund für die eher schwachen Wirtschaftbeziehungen sieht der Japanologe vor allem in den ähnlichen Industriestrukturen der beiden Ländern. Zwar biete in solchen Fällen der intraindustrielle Handel wirtschaftliche Optionen, jedoch fände der wichtigere Handel mit Ländern statt, die andere Industriestrukturen aufweisen. Ein anderer wesentlicher Grund sei zudem die Distanz – Deutschland würde seine strategische Priorität in Europa, Japan dagegen in Asien sehen.

Auch Handelsbarierren hindere die wirtschaftliche Zusammenarbeit, sei jedoch laut Pascha nicht so zentral, wie häufig vermutet. „Der Abbau von Handelsbarrieren ist vor allem ein japanisches Anliegen, für die EU aber nicht von höchster Priorität“ räusperte Pascha und fügte hinzu, dass Politiker das so deutlich wohl nicht sagen würden. Das höhere Interesse der Japaner an einer Freihandelszone läge unter anderem daran, dass Deutschland in der EU in einen großen Wirtschaftsraum eingebunden sei, während Japan in der Zusammenarbeit mit Nordostasien nur mangelnde Fortschritte vorweisen könne. Auch das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Südkorea fiele zu Lasten der Japaner.

Auf dem 20. EU-Japan Gipfeltreffen am 28. Mai 2011 in Brüssel konnte man sich jedoch nur auf sogenannte „scoping exercises“ einigen, die zwar eine engere Zusammenarbeit ansteuern, aber noch keine konkreten Vereinbarungen festlegen. Um den Grund für die europäische Skepsis gegenüber einer Freihandelszone mit Japan zu erklären, warf Pascha zunächst einen Blick auf die gegenwärtigen Importzolle. Diese seien in Japan ungewöhnlich niedrig, lägen sogar häufig nur knapp über null Prozent – die Anschuldigung, Japan würde seine Wirtschaft abschottet, sei also nicht gerechtfertigt.

Nur der inländische Lebensmittelsektor sei in Japan  mit einem etwa 35-prozentigen Importzoll beschützt. Sollte nun eine Freihandelszone eingeführt werden, könnte Japan auf den europäischen Automobilsektor (2009: 8 Prozent Importzoll) eindringen. „Da würde sich die europäische Automobilindustrie natürlich bedanken“ erklärt Pascha. Die Europäer könnten dagegen zwar auf den japanischen Lebensmittelsektor aktiver werden, dieser sei aber aufgrund der komplexen Struktur der japanischen Landwirtschaft nur schwer zugänglich. Landwirte und Fischer sind in Japan sehr gut in Lobbygruppen organisiert – ob die japanische Regierung sich gegen diese Kräfte durchsetzen könne, sei fraglich. Eindeutige Kooperationschancen sieht Pascha dagegen auf dem Gebiet der High-Tech-Felder, beispielsweise E-mobility, Mobile Kommunikation oder Nano-Technologie.

Auch kulturelle Eigenheiten der beiden Länder seien für die wirtschaftlichen Beziehungen hinderlich. Das westliche, deutsche Management funktioniere anders als das japanische. So seien Abstoßung von Unternehmensteilen oder andere Rationalisierungsprozesse für deutsche Manager häufig selbstverständlich, während das japanische Management solche Vorgänge nicht vor seinen Mitarbeitern verantworten könne.

Pascha bezog sich während seines Vortrages auch auf seine Region: In Düsseldorf wären im Europa-Vergleich die meisten Japaner ansässig, zumindest wenn man japanische Studenten in den Metropolen London und Paris nicht einberechnet. So leben in Düsseldorf 7681 Japaner, in ganz Nordrheinwestfalen seien es etwa 10.000. Pascha erinnerte daran, dass diese Zusammenarbeit nicht als selbstverständlich hinzunehmen sei, sondern man sich um die japanischen Investoren bemühen müsse. Zudem fügte Pascha hinzu, dass die Düsseldorfer nicht nur von den Wirtschaftsaktivitäten profitieren würden: Im sogenannten „Japantown“ hätten sie auch bezüglich japanischer Restaurants die Qual der Wahl.

Text: Marlene Kunst

 

 

 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>