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Völkerverständigung ist eine Daueraufgabe

Dieter Berg (Foto) ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch Stiftung. Mit unserer Redakteurin, Marlene Kunst, sprach er über Völkerverständigung und das Engagement der Robert Bosch Stiftung beim interkulturellen Dialog.

Einer der zentralen Programmbereiche der Robert Bosch Stiftung ist die Völkerverständigung. Was ist das Ziel Ihrer Arbeit?

Deutschland steht heute für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Frieden und Freiheit. Wir wollen mithelfen, alte Vorurteile gegenüber Deutschland abzubauen und neue zu verhindern. Umgekehrt wollen wir in Deutschland Vorurteile gegenüber anderen Ländern bekämpfen. Dies gelingt am besten durch die Begegnung von Menschen aus verschiedenen Ländern.

Können Sie ein beispielhaftes Projekt nennen, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Das Flaggschiff unserer Programme in der Völkerverständigung ist das Robert Bosch
Foundation Fellowship Program, mit dem wir jährlich 20 amerikanische Nachwuchsführungskräfte für neun bis zwölf Monate nach Deutschland einladen. Sie lernen unser Land, aber auch Nachbarländer in Ost und West, kennen. Sie lernen Deutsch und setzen sich in Seminaren mit unserem Land, seiner Geschichte, seinen Institutionen und Interessen auseinander. Sie arbeiten als Juristen, Betriebswirte, Städteplaner, Ingenieure und Verwaltungsfachleute in Behörden und Unternehmen ganz konkret im Alltag mit.

Junge Menschen aus verschiedenen Ländern kommen durch die Robert Bosch Stiftung nach Deutschland, um hier für ein oder mehrere Jahre zu arbeiten. Warum ist Deutschland für diese Menschen ein reizvolles Land?

Deutschland ist für viele junge Menschen hoch spannend, weil es ein wirtschaftlich erfolgreiches und kulturell vielfältiges Land ist. Seit der Wiedervereinigung ist auch der politische Einfluss Deutschlands gestiegen. Vor allem die deutsche Hauptstadt wird als jung und vital wahrgenommen und zieht junge Menschen in besonderer Weise an. Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 hat weltweit ein sehr positives Deutschlandbild vermittelt. Wer sich etwas näher mit Deutschland beschäftigt, erkennt schnell, dass die meisten Deutschen offen und freundlich sind und dass sie sich sehr selbstkritisch mit der eigenen Geschichte auseinandergesetzt haben, wie dies in anderen Ländern bisher kaum geschehen ist.

Die Welt wächst heute vor allem durch moderne Kommunikationstechnologien immer mehr zu einem „Global Village“ zusammen. Auch die kulturelle und wirtschaftliche Zusammenarbeit nimmt stetig zu. Ist die Völkerverständigung heute nicht schon sehr weit gekommen? Wo sehen Sie Nachholbedarf?

Völkerverständigung ist eine Daueraufgabe. Dabei muss im Mittelpunkt vielfach die Frage stehen, was sind unsere gemeinsamen uns verbindenden Interessen? Nur der ständige wechselseitige Dialog verhindert, dass sich neue negative Vorurteile entwickeln.

Kann im Zuge des kulturellen Austausches auch ein Stück der ursprünglichen nationalen Kultur verloren gehen – beispielsweise im Sinne einer Amerikanisierung?

Eine nationale Kultur ist nichts Festgefügtes und Unveränderliches. Kultur entwickelt sich ständig weiter und wird durch Einflüsse von innen und außen geprägt. Für die Zukunft sehe ich weniger amerikanische als vielmehr globale Einflüsse auf die Entwicklung unserer nationalen Kultur. Aber gerade wie wir mit solchen Einflüssen umgehen, macht wiederum das Besondere unserer Kultur aus. Franzosen, Türken, Inder oder Chinesen werden mit solchen Einflüssen anders umgehen. Die Gefahr einer „Einheitskultur“ sehe ich jedenfalls nicht.

Was wünschen Sie sich persönlich für die Zukunft?

Wir feiern in diesem Jahr den 150. Geburtstag von Robert Bosch und ich persönlich wünsche mir, dass die Erfolgsgeschichte seines Lebenswerks als Stifter und Unternehmer weiter fortgeschrieben werden kann.


Das Interview führte Marlene Kunst

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