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Hien Le: Hinter der glamourösen Modewelt steckt ein hartes Geschäft

Hien Le sitzt in seinem Studio in Berlin-Kreuzberg: Die Dielen sind abgenutzt, an den Wänden ist der bräunliche Putz zu sehen und an den weißen Möbeln blättert die Farbe ab. Sein Modeatelier liegt in einer ruhigen Ecke im Szenebezirk, in der es sich laut Hien gut arbeiten lässt. Mittlerweile kann der junge Designer schon drei Kollektionen vorweisen. Mit migration-business Redakteurin Marlene Kunst sprach er in seinem Studio über Mode, Inspiration und Berlin.

Wie würdest du deine Mode beschreiben?

Meine Mode ist immer recht reduziert und minimalistisch. Sie ist aufs Wesentliche reduziert und sorgfältig verarbeitet. Dabei bau ich gerne kleine Details ein, die man erst auf den zweiten Blick sieht, wie beispielsweise eine halbverdeckte Knopfleiste. Mir geht es außerdem um die Hochwertigkeit der Materialien: Ich mag die Leichtigkeit und Transparenz von Seide, schweizer Baumwolle und außerdem habe ich angefangen mit Alcantara zu arbeiten.

Was reizt dich an Mode?

Mode hat mich schon immer gereizt. Ich war 12 Jahre alt, als ich mich das erste Mal damit beschäftigt habe. Der Entstehungsprozess, in dem aus einem Stück Stoff ein tolles Kleid entsteht, ist jedes Mal wieder spannend. Zum Schluss wird die Kollektion dann präsentiert und es ist ganz offen, wie die Leute auf sie reagieren werden. Das ist aufregend. Ich habe allerdings auch festgestellt, dass die Modewelt nach außen häufig sehr viel glamouröser aussieht als sie ist: Dahinter steckt viel Arbeit und ein hartes Geschäft.

Du bist in Laos geboren. Lässt du dich von asiatischer Mode inspirieren?

Ja, in der Frühjahrs- und Sommerkollektion habe ich mich von der Alltagskleidung meiner Eltern und Großeltern aus Laos inspirieren lassen. Ich habe dieses Thema aufgegriffen, weil mir bei meinen ersten Kollektionen nachgesagt wurde, dass meine Mode eine asiatische Prägung tragen würde. Im ersten Moment fand ich das merkwürdig, weil ich das nie so empfunden habe. Letzlich fand ich es dann jedoch spannend und habe mir die Kleidung meiner Familie auf alten Fotos angeguckt. Ich habe diese dann natürlich nicht eins zu eins, sondern vielmehr einzelne Elemente wie beispielsweise kragenlose Blusen, übernommen.

Der Enstehungsprozess von Modekollektionen ist häufig etwas sehr persönliches. Ist es manchmal schwierig der Öffentlichkeit so viel preiszugeben?

Das war jetzt natürlich ein sehr persönliches Thema, da ich die Kollektion auch meinem Opa gewidmet habe, der selbst Schneidermeister war. In jeder Kollektion steckt viel von einem selbst, aber ich denke nicht, dass dadurch jemand zu sehr in meine Privatsphäre drängt.

Wie ist der Standort Berlin für einen jungen Designer?

Berlin hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt; da hat sich viel getan. Sicherlich kann Berlin noch nicht mit London, New York oder Paris mithalten, aber ist auf einem guten Weg. Der Vorteil ist, dass man hier als junger Designer die Möglichkeit hat sich ein Studio zu mieten und zu versuchen sich zu etablieren. Das wäre in den anderen Städten aufgrund der hohen finanziellen Belastung gar nicht möglich,

Wo wärst du gerne in zehn Jahren?

In so vielen Läden wie möglich! Ein Traum wäre natürlich auch ein eigener Laden.

Das Interview führte Marlen Kunst

Foto: Marlene Kunst

 

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