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Little Istanbultown Berlin

 

Diejenigen, die es in den warmen Süden zieht und die sich nach ein wenig Exotik im grauen Berlin sehnen, sollten sich Freitags und Dienstags auf den sogenannten Türkenmarkt am Maybachufer begeben. Man könnte fast meinen, man sei in Istanbul, wenn man gemütlich zwischen den Ständen umherschlendert und zwischen Obst, Gemüse, Kräutern und anderen Köstlichkeiten die Qual der Wahl hat. Mittlerweile ist der Türkenmarkt zu einer Art Touristenattraktion geworden – und zeigt Reisenden aus aller Welt ein Berlin, in dem Multikulturalität eine Bereicherung für die Atmosphäre und den Flair der Stadt darstellt.

Unzählige Kräuter liegen auf dem Tresen von Charaf, einem internationalen Gewürzunternehmen, in allen Farben aus. Ob Chilli, Muskatnuss oder exotischere Gewürze wie Harissa – die Auswahl ist groß. Einige junge Mädchen im Studentenstil haken auf ihrer selbstgeschriebenen Liste die Kräuter ab, die sie für den heutigen Kochabend benötigen. Der junge Verkäufer lächelt ihnen freundlich zu und hilft beim Auswählen. Heute wird der Türkenmarkt vom jungen Berlin weitaus mehr bevorzugt als der Biomarkt auf dem Kollwitzplatz am Prenzlauer Berg – nicht zuletzt aufgrund der angenehm multikulturellen Atmosphäre. Da der Türkenmarkt stets gut besucht ist, mischt sich auch ab und zu ein deutscher Verkäufer zwischen die türkischen. Etwa ein kleiner deutscher Bäckerstand, der Biobrot verkauft und von der Anziehungskraft des Marktes profitieren möchte.

Nicht nur Stände mit Lebensmitteln, sondern auch Stoffe, Knöpfe und andere Haushaltsutensilien werden am Maybachufer verkauft. Zudem gibt es kleine Stände mit Snacks oder warmen Tee. Das Wetter ist an diesem Freitag trübe, die Stimmung jedoch gut. Die Händler scheuen sich nicht, ihre Preise laut auszurufen oder mit Kommentaren wie „lecker, lecker“ Leute anzulocken. Ein Stand ist jedoch unbemannt. Guckt man genauer hin, wurde eine Nachricht hinterlassen: „Wir sind beim Freitagsgebet und sofort wieder für sie da.“ Die Kunden warten gerne; schließlich ist es nur ein kleiner Preis angesichts der großen Bereicherung, die der multikulturelle Markt dem Berliner Maybachufer bringt.

 

Text: Marlene Kunst

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