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Migranten schaffen Arbeitsplätze

migration-business.de sprach mit René Gurka, Geschäftsführer der Berlin Partner GmbH, über Einwanderer, die in der Hauptstadt für zahlreiche Arbeitsplätze, neue Steuereinnahmen und für Wirtschaftsbrücken zwischen Berlin und der Welt sorgen.

Herr Gurka, Berlins Wirtschaft wächst. Leisten die Unternehmen mit Migrationshintergrund ihren Beitrag zum Wachstum?

Laut IHK gibt es in Berlin gut 36.000 Unternehmerinnen und Unternehmer mit Migrationshintergrund. Ohne Frage sind sie enorm wichtig für unsere Stadt. Beispiel: Allein Unternehmer mit türkischem Migrationshintergrund erwirtschafteten 2008 einen Jahresumsatz von etwa 3,5 Milliarden Euro.

Die zahlreichen ethnischen Betriebe sorgen für Steuereinnahmen. Sorgen sie auch für Arbeits- und Ausbildungsplätze?

In Berlin gibt es beispielsweise allein 8.000 türkischstämmige Unternehmer, die rund 30.000 Mitarbeiter beschäftigen. Allerdings bilden Unternehmer mit Migrationshintergrund noch viel zu selten aus. Das muss sich ändern, denn Auszubildende sind die Fachkräfte von morgen.

Sind für Sie Unternehmer mit Migrationshintergrund Wirtschaftsbrücken zwischen Berlin und der Welt?

Unternehmer und Mitarbeiter mit Migrationshintergrund können auf unterschiedliche Weise Wirtschaftsbrücke zwischen Berlin und der Welt sein. So können sie zum Beispiel aufgrund ihrer Sprachkenntnisse und interkulturellen Kompetenzen der Hauptstadtregion in besonderer Weise helfen, neue Märkte im Ausland zu erschließen und neue Kooperationspartner zu gewinnen.


Im Sommer 2012 eröffnet der International Flughafen BBI in Schönefeld. Ist mit einer Investitionssteigerung von ausländischen Firmen in der Region Berlin zu rechnen?

In den vergangenen Jahren gab es kaum ein Ansiedlungsgespräch, in dem sich ein Investor nicht nach dem Stand des Flughafenneubaus erkundigt hat. Dabei ist für Unternehmen zweierlei entscheidend: zeitsparende Direktflüge in die Metropolen der Welt und eine gute Verkehrsanbindung in die Stadt. Beides bietet der BBI! Die Airport Region liegt im Herzen des europäischen Wirtschaftsraums mit direkter Anbindung an wichtige Hauptverkehrsachsen. Internationale Konsortien haben bereits Millionen in Kauf und Entwicklung von Gewerbeparks in der Airport Region investiert. Nirgendwo sonst in Europa gibt es so preiswerte Flächen in zentralen Lagen. Für Investoren gibt es hier 34 Gewerbestandorte mit großem Entwicklungspotential. Allein im Jahr 2009 haben sich 61 Unternehmen dort angesiedelt und ca. 1.280 Arbeitsplätze geschaffen.

Glauben Sie, dass kulturelle Vielfalt zu mehr Beschäftigung und Wirtschaftswachstum führen kann?

Berlin ist eine weltoffene Stadt. Menschen aus 186 Nationen wohnen hier.
Von dieser Internationalität und den vorhandenen Sprachkenntnissen kann die Wirtschaft ernorm profitieren. Vor allem Unternehmen aus dem Bereich Dienstleistungen und international agierende Konzerne wie beispielsweise BASF, Pfizer, SYKES und Vistaprint schätzen die Internationalität der Arbeitskräfte in Berlin. Hier gibt es mindestens 39.000 türkische, 43.000 russische und 34.000 polnische Muttersprachler zwischen 18 und 65 Jahren. Außerdem 13.000 spanische und arabische, 12.000 englische und 11.000 französische Muttersprachler. Sprachen wie Vietnamesisch, Niederländisch, Serbisch oder Tschechisch sind ebenfalls in relevanten Zahlen vertreten.

86 Prozent der Berliner geben an, Kenntnisse in Englisch zu besitzen. Jeder dritte Befragte kann zumindest etwas französisch, 23 Prozent Russisch und 14 Prozent Spanisch.

Gerade Standortfaktoren wie Internationalität beziehen Investoren in ihre Entscheidung mit ein, wenn sie darüber nachdenken in Berlin zu investieren. Das belegt auch das kürzlich veröffentlichte HWWI/Berenberg-Städteranking.

Warum soll ein ausländischer High Potential, also ein Wissenschaftler, Arzt, Ingenieur oder Manager sich für Berlin entscheiden und nicht für London oder New York?

Die Hauptstadtkampagne be Berlin wirbt mit dem Slogan „Berlin – the place to be“. Und davon bin ich überzeugt. Berlin ist jung, dynamisch, international und hat ein einzigartiges kulturelles Angebot. Die hohe Lebensqualität sowie die niedrigen Mieten macht Berlin für Talents zum idealen Standort, nicht nur zum arbeiten, sondern auch zum wohnen und leben. Das lockt nicht nur Absolventen an, sondern auch High Potentials.

Das Thema Talent Marketing ist für uns sehr wichtig: Wir wollen und brauchen talentierte Fachkräfte – auch aus dem Ausland.

London, Paris und New York haben es und Düsseldorf hat auch ein „Little Tokyo“. Wann bekommt Berlin eine Chinatown?

In Berlin gibt es ca. 600 chinesische Unternehmen. Von einer richtigen Chinatown wie in New York kann man in Berlin nicht sprechen, aber Ansätze sind da wie zum Beispiel entlang der Kantstraße.

Was wünschen Sie sich von den Unternehmern mit Migrationshintergrund?

Nichts anderes als von deutschen Unternehmen: Wachstum! Denn starke Unternehmen schaffen Arbeitsplätze und investieren in Berlin. Davon profitiert der gesamte Wirtschaftsstandort.

Das Interview führte Joel Cruz

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