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Bilingual oder gespaltene Zunge? Zweisprachige Kampagnen im Fokus der Unternehmen

Jüngst vermeldet das Branchenportal Horizont.net, dass der Reiseveranstalter Öger Tours einen Spagat wagt, den schon einige andere Unternehmen mehr oder minder erfolgreich vollzigen haben: Mit dem Slogan „Tausendundein Urlaub“ sollen Destinationen wie Türkei und Ägypten auch für türkischsprachige Kunden beworben werden. Wie jedoch genau die Übersetzung bzw. sinngemäße Übertragung von Tausendunein Urlaub aussehen wird, ist noch nicht bekannt. Schließlich ist es schwierig, die Anspielung an „Tauseunduneine Nacht“ und den Zauber, der für uns aus dem Abendland dem Orient anhaftet, Menschen zu verkaufen, die originär aus dem Morgenland kommen bzw. irgendwann einmal kamen. Es ist ähnlich jenem Problem, dem sich die Werbeagentur Cumin stellte. Sie hatte die schwierige Aufgabe, die Saubillig-Kampagne von Media Markt für Deutschtürken zu adaptieren. Eine reine Übersetzung wäre wie ein Schlag ins Gesicht für die Türken in Deutschland gewesen. Denn Schweine sind ein No-Go in der türkischen Kultur. Die Lösung: Adaption. Aus dem Schwein wurde ein Lamm und saubillig zu „Für diese Preise würde man sich opfern“.

(Sch)leckere Zunge: Werbung, die bilingual anspricht
Jenseits der tierischen Destinationen finden sich aber auch Nahziele im Ethno-Marketing deutscher Unternehmen und Konzerne. So verteilte die Drogeriekette Schlecker in Duisburg türkischsprachige Prospekte und VW setzt auf Verkaufsberater, die nicht nur türkisch sprechen, sondern auch so denken. Oder auch entsprechend reden. Davon zeugt die von der Werbeagentur Grey für die Mobilfunkmarke Ay Yildiz, (türkische) Tochter von E-Plus, konzipierten die Kreativen einen Werbespot, der den neuen Mobilfunktarif Aystar bewirbt.

 

 

Hier wird im besten deutsch-türkischen Code Switching die Freiheit der Sprache und Mobilität der Kultur auch jenseits des Telefonierens dargestellt – authentisch und mit bilingualem Wortwitz. Ziel ist eine Identifikation der Zielgruppe mit dem Produkt durch das Teilen eines Lebensgefühls: In der Heimat in den Flieger steigen und dort, wo man aussteigt, ebenso zu Hause zu sein.

 

Text: Marcello Buzzanca

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