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Junge Migranten brauchen Vorbilder?

Bekir Yilmaz, der Präsident der Türkischen Gemeinde Berlins, bei unserem Besuch in seinem Büro

Das Deutsch-Türkische Anwerbeabkommen war in aller Munde und in jeder Zeitung zu finden. Vor allem überwiegen positive Berichte über erfolgreiche Menschen türkischer Abstammung, die sich in Deutschland fleißig hochgearbeitet haben und bestens integriert haben. Aber wie sieht die Situation in Deutschland heute aus? Wo besteht Handlungsbedarf?Die von vielen Medien, vor allem der BILD-Zeitung und Boulevardmagazinen, häufig veröffentlichten Berichte zeigen meist ein schlechtes Bild von Menschen türkischer Abstammung auf: Kriminalität und Armut machen noch einen großen Teil der Berichterstattung aus. Doch nun, da das Thema hochaktuell ist, werden Erfolge von Menschen türkischer Herkunft in fast jeder Zeitung gezeigt.

migration-business hat sich das von Anfang an auf die Fahnen geschrieben und findet überall unzählige Beispiele für Menschen ausländischer Herkunft, die längst Teil der deutschen Gesellschaft sind und erfolgreich ihren Beitrag zum deutschen Gemeinwesen leisten. Es finden sich viele Menschen in den unterschiedlichsten Branchen, die uns alle unendlich bereichern, aber oft in den Medien vergessen werden. Berichtet man über diese Menschen, liefert man vielen jungen Menschen Vorbilder, denen sie nacheifern können.

„Hürriyet“, eine der größten türkischen Tageszeitungen, interviewte vergangenen Mittwoch Kanzlerin Merkel anlässlich des 50jährigen Deutsch-Türkischen Anwerbeabkommens. Sie stellte klar, dass Integration ein beidseitiger Prozess ist, der sowohl Anstrengungen von Seiten der Migranten, als auch von Seiten der deutschen Mehrheitsgesellschaft bedarf. Außerdem erkennt Kanzlerin Merkel an, dass zahlreiche türkischstämmige Unternehmer in Deutschland Arbeitsplätze schaffen und Jugendliche ausbilden.

Vor 50 Jahren, am 30. Oktober 1961 unterzeichneten Deutschland und die Türkei ein Anwerbeabkommen. Doch die Politik spricht heute noch über die Integration, vor allem mit Blick auf Probleme und Defizite.

Doch zeigt sie auch konkrete Lösungswege auf?

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Patentrezepte, die alle Integrationsprobleme lösen gibt es sicherlich nicht. Doch immer wieder über die Integration zu sprechen, hilft uns auch nicht weiter. Die Politik hat mit dem Zuwanderungsgesetz, dem Staatsangehörigkeitsgesetz und dem Nationalen Integrationsplan angefangen, entscheidende Schritte zu einer besseren Integration zu gehen. Erst kürzlich hat die schwarzgelbe Regierung Pläne geäußert, das Mindesteinkommen von Zuwanderern von 66.000 auf 48.000 € zu senken. Alles Schritte in die richtige Richtung. Jedoch muss es der Politik gelingen, mit ihren Gesetzen und Erfolgen auch bei den Menschen anzukommen, denn sonst vollzieht sich keine Integration. Integration muss sich in de Köpfen und Herzen der Menschen vollziehen, sie müssen sich mit Deutschland identifzieren können, sich eine eigene Zukunft aufbauen können. „Die Politik verspricht häufig neue Regelungen und entscheidet über die Köpfe hinweg. Stattdessen müssen wir schaffen, dass die Menschen Verantwortung übernehmen und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen“, bemerkt Bekir Yilmaz, der Präsident der Türkischen Gemeinde Berlins vor migration-business.

Es besteht Handlungsbedarf – das ist keine Frage. Und die Politik kann viel bewirken. Doch natürlich kann sie nicht jedem Menschen vor Ort helfen. Sie muss stattdessen Organisationen unterstützen, die vor Ort auf Menschen treffen und Perspektiven und Vorbilder aufzeigen. migration-business leistet diesen Beitrag, genauso wie die Unternehmervereinigungen, beispielsweise die Türkische Unternehmervereinigung (TDU), BAREX e.V. oder viele andere Vereine, die jungen Menschen Chancen eröffnen, sie auf ihrem Weg nach oben begleiten und eine Stimme in der Öffentlichkeit verleihen.

Fehlt diesen Menschen eine Stimme oder erkennen Sie in Deutschland keine Perspektiven, wandern Sie aus – beispielsweise in die Türkei, wo inzwischen die Wirtschaft ein großes Wachstum verzeichnet und gut ausgebildete, hochqualifizierte Fachkräfte gesucht werden. Soner Süral, ein hochqualifizierter Software-Entwickler, äußert sich zum Problem vieler türkischstämmiger Menschen im Video wie folgt: „Es ist so, als würde man wie ein Tropfen Sonnenblumenöl in einem Glas voll Wasser sein. Man ist zwar mit dem Wasser verbunden, aber nie wirklich vermischt!“

 

Text: Dario Mohtachem

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