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Ein kleines Stück Frankreich in Berlin

Thea Santangelo studiert Literaturwissenschaft an der FU Berlin und begeistert sich für die italienische und französische Kultur.

Ein kleines Stück Frankreich kam vergangene Woche nach Berlin und füllte vom 1. bis 7. Dezember 2011 die Berliner Kinosäle. Die 11. Französische Filmwoche Berlin präsentierte im Rahmen spannender Vorpremieren herausragende Filme, gedreht und produziert von den besten französischsprachigen Filmemachern. Das jährlich stattfindende Festival wird vom Institut Français in Zusammenarbeit mit der York Kinogruppe und Unifrance Films initiiert. Außer am Institut Français bezauberten die achtzehn neuen französischsprachigen Meisterwerke das Berliner Publikum auch im Cinema Paris, Kino International, dem Filmtheater am Friedrichshain und dem Passage Kino in Neukölln.

Unter berühmten Namen wie Christophe Barratier, dem Regisseur von „Die Kinder des Monsieur Mathieu“, oder Marjane Satrapi, Realisatorin von „Parsepolis“, landete ich bei einem mir noch unbekannten Künstler und seinem sozialkritischen Film „Les neiges du Kilimandjaro“. Begleitet von den mitreißenden Tönen des gleichnamigen Liedes erzählt Robert Guédiguian die Geschichte des gewerkschaftlich und politisch engagierten Michel, der von einem Tag auf den anderen zusammen mit 19 anderen Mitarbeitern per Losverfahren entlassen wird. Sein neuer Alltag spielt sich zwischen der liebevollen Beziehung zu seiner Frau Marie-Claire, der Beschäftigung mit den drei Enkelkindern und den regelmäßigen Besuchen seines Schwagers und guten Freundes Raoul und dessen Frau ab. Alles scheint trotz aufgezwungener Frührente gut zu laufen, bis er und seine Frau eines Abends überfallen, und ihnen das Geld und die Tickets für eine langersehnte Reise zum Kilimandjaro gestohlen werden. Von diesem Moment an ist nichts mehr, wie es einmal war. Michel beginnt sogar seine politischen Ideale und sein hochgelobtes Engagement für die Gewerkschaft zu bezweifeln.

Mit einfachen filmischen Mitteln, klugen und tiefgreifenden Dialogen aber auch Witz und Leichtigkeit zeigt „Les neiges du Kilimandjaro“ eine erschreckende Realität Frankreichs auf, die allerdings nicht zum ersten Mal filmisch dargestellt wird: Der erst kürzlich erschienene Film „Mein Stück vom Kuchen“ des französischen Regisseurs Cédric Klapisch behandelt das Thema der Arbeitslosigkeit und die damit verbundenen sozialen und finanziellen Schwierigkeiten einer französischen Arbeiterfamilie. Doch trotz des wiederkehrenden Grundthemas zeigt „Les neiges du Kilimandjaro“ eine ganz eigene tiefgreifende Geschichte, die inspiriert von dem Gedicht Victor Hugos „Les Pauvres Gens“ ganz individuell umgesetzt wurde.

Das ganz eigene französische Flair der Französischen Filmwoche Berlin war nicht zu übersehen: Etliche Kinobesucher ließen sich auch dieses Jahr wieder begeistern. Und auch ich werde immer wieder aufs Neue davon mitgerissen und freue mich bereits aufs nächste Jahr, wenn es heißt: 12. Französische Filmwoche Berlin!

Text: Thea Santangelo

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