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Was verraten Ihre Augen vielen Unternehmern?

SensoMotoric Instruments GmbH (SMI) ist einer der Weltmarktführer für ausgewählte Anwendungen des computerunterstützten Sehens. SMI entwickelt und vermarktet präzise und vielseitige Systeme zur Messung von Blick- und Augenbewegungen. Visuelle Wahrnehmung wird somit messbar. Aber was genau bedeutet das? Warum spielen Ihre Augenbewegungen so eine wichtige Rolle für einen Unternehmer, der seine Produkte auf den Markt bringen möchte?

Qin Hao arbeitet bei SMI im Bereich „Research & Development“. Von morgens bis abends erforscht er dort mit Hilfe von verschiedenen Forschungsgeräten die Blickrichtungen von Untersuchungspersonen, um neue Produkte zu entwickeln. Das Messen der Augenbewegungen bezeichnet man als „Eyetracking“.

Aber was genau bedeutet das?

Unternehmen wollen ihre Produkte auf dem Markt besser verkaufen und testen daher wohin die Blicke der Kunden wandern. Wenn man die Augenbewegungen der meisten Menschen kennt, kann man seine Waren in Supermärkten und Einkaufszentren besser platzieren. Auch wenn man eine neue Website erstellt, will man zunächst erfahren, wie schnell ein Kunde die wichtigsten Funktionen und Links finden kann. „Und hier helfen wir mit unseren Forschungsgeräten“, so Qin Hao.

„Unsere Kunden verwenden das Gerät, um die Zeit zu messen, die ein Proband braucht, um eine Ware in einem Supermarkt zu finden. Z.B. ein Proband wird einen Zettel in die Hand gegeben und beauftragen, die geforderten Produkte zu finden.“

Augen sind das Fenster zur Seele: Unternehmer sind gut beraten, ihre Kunden besser zu verstehen und auf ihre Wünsche einzugehen. Wie wir sehen, stehen dafür heute verschiedene Forschungsmöglichkeiten und Mechanismen zur Verfügung.

Wie ist Qin Hao zu diesem Beruf gekommen?

Qin Hao besuchte zwischen 1999 und 2000 einen Deutschkurs in Shanghai und zog im August 2000 nach Deutschland. Dort angekommen besuchte er einen anderen Deutschkurs an der TU-Berlin. Danach musste er den Diplomstudiengang neu beginnen, obwohl er bereits einen Bachelor in China erworben hatte. Sein Studium dauerte somit acht Jahre. „Aber jetzt wurde einiges reformiert: Menschen mit einem Bachelor aus China können hier einfach mit dem Master weiterstudieren. Das verkürzt das Studium natürlich deutlich“, stellt Qin Hao fest.

Qin Hao hat es nach Deutschland, insbesondere Berlin, verschlagen, weil sein Onkel bereits seit Jahrzehnten in Berlin lebt und das Studium weitaus günstiger ist als in anderen Ländern. „Der wirtschaftliche Druck ist im Vergleich zu Amerika sehr niedrig“, betont Hao. „Ich muss mein Studium selbst finanzieren, was sehr teuer war für eine gewöhnliche chinesische Familie“, ergänzt er.

Nun aber finanziert der studierte Elektrotechniker Hao seinen Lebensunterhalt durch seine tägliche Arbeit bei SMI, bei der er zusammen mit seinem Team Videos von den Augen der Untersuchungspersonen aufnimmt und diese verarbeitet, um die Blickrichtungen zu analysieren. In seinem Team arbeiten ca. 15 Personen, davon 7 aus dem Ausland. „Ich habe Kollegen aus Italien, Bulgarien, Russland, Holland, Korea, Kroatien und einigen anderen Ländern – wir sind ein multikulturelles Team. Einige sprechen auf Englisch, die Mehrheit aber auf Deutsch“, bemerkt Hao.

Neben der Arbeit hat Hao viele Freizeitaktivitäten: „Ich fotografiere gerne und singe auch in einer Chor-Gruppe. Die neue Generation, zu der ich mich zähle, lebt ziemlich ähnlich wie die gebürtigen Deutschen. Bei der älteren Generation war das anders: Die waren meistens sehr sparsam. Ich bin während meines Studiums relativ oft in Restaurants gegangen, was für die ältere Generation unvorstellbar gewesen wäre.“

 

Text: Dario Mohtachem

 

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