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Hey Mr. Nazi, ich reich Dir die Hand

Mit Hip Hop und Rapmusik verbinden viele Menschen eher Negatives: Gangsterimages, schwere Goldketten, Drogen und Gewalt. Doch Hip Hop ist weitaus mehr. Das beweist vor allem Blumio, ein Rapper, der sich in Deutschland durch den Track „Meine Lieblingsrapper“ einen Namen gemacht hat und heute in ganz Deutschland bekannt ist. Blumio verriet uns, dass er in seiner Freizeit sehr gerne Geschichten erzählt – und genau das macht er auch in seinen Tracks.

„Hey Mr. Nazi komm auf meine Party
Ich stell dir meine Freunde vor
Das hier sind Juspé und Kati, Thorsten und Nefatih
Wir haben den selben Humor
Und wir sagen hey Mr. Nazi komm auf meine Party ich zeig dir meine Kultur
Das hier sind Sushi und Technik, Mangas und Origami, ich kenn das seit meiner
Geburt…“

Das ist der Refrain von Blumios Song mit dem provokanten Titel „Hey Mr. Nazi“, der bis heute allein bei YouTube über 8 Millionen Klicks hat.

Große Plakate mit der Aufschrift „Nazis raus“ finden sich häufig auf Demonstrationen oder auf Facebook-Seiten gegen Rechtsradikalismus: Die Gesellschaft macht sich stark gegen Rechts. Und ist man nun selbst ausländischer Herkunft, so meidet man Gegenden, die für ihre Ausländerfeindlichkeit bekannt sind oder versucht Menschen rechter Gesinnung möglichst gut aus dem Weg zu gehen. Nicht aber Blumio.

Fumio Kuniyoshi, besser bekannt als Blumio, ist ein deutscher Rapper japanischer Abstammung. In Hilden, einer Kleinstadt nahe Düsseldorf, erblickte er das Licht der Welt. Von Kindesbeinen an liebte er es vor der Kamera zu stehen, zu tanzen und seine Mitmenschen zu belustigen. Aber es steckt noch mehr in Blumio: Blumio will mit seiner Musik zwar unterhalten, aber auch die Menschen zum Nachdenken anstoßen, „wenn sie möchten“. Das bleibt jedem selbst überlassen.

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Er will die Menschen nicht mit Argumenten belehren, sondern ihre Empathie ansprechen. Er will nicht auf die Unterschiede eingehen, sondern auf die Gemeinsamkeiten. Denn auch ihn und die Nazis verbindet eine Gemeinsamkeit: Sie sind Menschen, unabhängig davon welche Geisteshaltung und welche Vorurteile eine Person inne hat.

„Nicht nur Nazis haben Vorurteile – sie sind bloß die Spitze des Eisbergs. In jedem von uns verbergen sich rassistische Züge. Rassismus gibt es auch von Seiten der Migranten gegenüber anderen“, betont der Rapkünstler.

„Sieh mich an, was siehst du in mir?
Nur einen kleinen Ausländer, der so riecht wie ein Tier?
Ein dummer Schlitzauge, ein scheiß Reisfresser
Den man im besten Falle gleich einäschert“

Blumio will erfahren, was die Nazis denken. Er reicht ihnen die Hand:

Er stellt ihnen seine Kultur und Freunde vor, erklärt ihnen, dass er doch gar nicht stinken kann, weil er sonst doch von den Mädchen einen Korb bekommt! Er führt den Nazis aber auch vor Augen, dass es durchaus der Familienvater sein kann, den sie zusammengeschlagen und liegen gelassen haben. Und wie soll nun die Mutter der Tochter das erklären?

Aber auch andere Minderheiten haben Erfahrungen mit Ausgrenzung und leiden unter Vorurteilen der Mehrheitsgesellschaft. Ein Beispiel sind die Homosexuellen: „Die meisten homosexuellen Menschen sagen selbst nicht viel, finden sich damit ab und suchen sich ihre Nische in der Gesellschaft. Und ich dachte mir: Das ist doch kein Zustand!“, klagt Blumio. Gerade als Rapper wird einem häufig nachgesagt, man sei schwulenfeindlich. Daher wollte Blumio ein Zeichen setzen und veröffentlichte den Track „Die Welt ist schwul“:

Hierbei gerät Blumio in seinem Traum in eine Welt, in der die Heteros zur Minderheit gehören. Plötzlich wird er damit konfrontiert wie es ist, in der Öffentlichkeit diskriminiert und ausgegrenzt zu werden. Er wird auf seine sexuelle Orientierung reduziert und über ihn werden Witze gemacht, weil er hetero ist.

Singles wie „die Welt ist schwul“, „Antigewaltsong“ und „Rosenkrieg“ zeigen, dass Blumio verschiedenste Themen bedienen kann und die Klickzahlen der Videos bei YouTube verdeutlichen seine Beliebtheit. Musikmagazine sind sich einig, dass Blumios Musik vieles mitbringt: Guten Rap, musikalische Beats und viele kreative Songkonzepte.

Aber wie wurde Blumio in Deutschland bekannt?

Blumio hat vor allem ein Talent: Er kann Stimmen imitieren. In der Gesangskabine hat er beim Üben seiner Tracks zum Aufwärmen bekannte Rapper imitiert. Daraus ist schließlich ein ganzer Song entstanden: „Meine Lieblingsrapper“. Samy Deluxe, Eko Fresh, Massive Töne, Absolute Beginner, Massiv und andere – allesamt bekannte Rapkünstler in Deutschland. Blumio imitierte neben ihren Stimmen auch ihre charakteristischen Merkmale.

„Meine Lieblingsrapper“ führte bei YouTube zu explodierenden Klickzahlen und somit zu einer Einladung in die TV Sendung MTV TRL Urban. Praktisch über Nacht wurde Blumio in ganz Deutschland bekannt. Doch schon vorher hat er eigene Musik gemacht: Er begeistert sich für Hip Hop schon seit er 14 ist – aber von nun an waren die Türen für ihn geöffnet. Die Leute fragten sich: „Was macht Blumio sonst noch für Musik?“

Nach dem großen Erfolg von „Meine Lieblingsrapper“ wollte er daher gleich mit einem neuen Album durchstarten, aber wie auf jedem Weg, gab es auch bei ihm Hindernisse:

„Unsere damalige Managerin, die sich um geschäftliche Angelegenheiten gekümmert hat und mit der wir bereits zehn Jahre zusammengearbeitet haben, war eines Tages einfach verschwunden. Und nicht nur sie war verschwunden: Sie nahm alles mit, was sie kriegen konnte: Sie plünderte die Konten, nahm das ganze Geld und tauchte unter. Auch heute noch fehlt jede Spur von ihr.“

So stand er da – ohne finanzielle Mittel, mit hohen Schulden und hatte kein Budget für Videos und Musik. Trotz allem schaffte er es, zusammen mit Freunden und Kollegen genügend Geld zusammen zu bekommen, um damit erste Videos zu produzieren. Eines davon ist der „Antigewaltsong“. Diese Videos sind zwar weitaus nicht so professionell wie die, die wir heute von Blumio kennen, aber er hat in dieser Zeit überaus viel lernen können: Von der Belichtung, über die Kameraführung bis hin zum Schnitt musste er sich alles selbst aneignen.

Hier betont Blumio besonders die Chancen des Internets: „Durch das Internet haben viele Menschen die Chance, durch Videos, Texte und Musik berühmt zu werden.“

Und Blumio hat diese Chance genutzt! 2010 erschien das Album „Tokio Bordell“ und schon im März 2012 erwartet uns sein neues Album „Drei“. Wir sind gespannt, was uns erwartet.

Text: Dario Mohtachem

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