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Internationale Jury auf der Berlinale

Unter dem Vorsitz von Regisseur Mike Leigh entscheidet eine Internationale Jury über die Vergabe des Goldenen und der Silbernen Bären sowie des Alfred-Bauer-Preises im Wettbewerb der Berlinale 2012. Die weiteren Jury-Mitglieder sind Anton Corbijn, Asghar Farhadi, Charlotte Gainsbourg, Jake Gyllenhaal, François Ozon, Boualem Sansal und Barbara Sukowa.

Mike Leigh (Jury-Präsident)
Mike Leigh hat sich als einer der herausragenden Filmemacher des Autorenkinos und Protagonisten des New British Cinema profiliert. Leigh zeigt wirklichkeitsnahe, ungeschminkte und dennoch humorvolle Portraits der britischen Gesellschaft. Seine Filme wurden mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet und erhielten mehrere Oscarnominierungen.
Im Laufe seiner fast 40-jährigen Filmkarriere hat der gelernte Schauspieler, Dramatiker und Drehbuchautor über 20 Spielfilme inszeniert, darunter Bleak Moments (Freudlose Augenblicke, 1972, Goldener Leopard in Locarno), Naked (Nackt, 1993, Silberne Palme in Cannes für die beste Regie), Secrets and Lies (Lügen und Geheimnisse,1996, Goldene Palme in Cannes) und Vera Drake (2004, Goldener Löwe in Venedig).
Bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin war der mehrfach Oscar-nominierte Regisseur nach Meantime (Forum 1984), dem Kurzfilm The Short and Curlies (Panorama 1988) und Life is Sweet (Das Leben ist süß, Panorama 1991) zuletzt 2008 mit der Sozialkomödie Happy-Go-Lucky zu Gast, für die Sally Hawkins den Silbernen Bären als Beste Darstellerin gewann.

Der niederländische Fotograf, Designer und Filmemacher Anton Corbijn ist mit seinen Fotografien von Musikern wie den Rolling Stones, U2, Frank Sinatra, Luciano Pavarotti, Tom Waits und anderen international bekannt geworden. Für Bands wie U2 oder Depeche Mode wurde er wie ein fünftes Mitglied und gestaltete bzw. fotografierte für sie jeweils acht Plattencover. Seit 1993 gestaltet Corbijn zudem die Bühnenbilder für die Konzerttourneen von Depeche Mode. Anfang der 80er Jahre begann er, Musikvideos zu inszenieren, darunter später auch die von Herbert Grönemeyer, Johnny Cash, Coldplay und Nirvana. Mit dem Film Control über den Lead-Sänger Ian Curtis der britischen Post-Punkband Joy Division gab er sein Regiedebüt, das 2007 die Quinzaine in Cannes eröffnete. 2010 folgte sein Thriller The American mit George Clooney in der Hauptrolle. Zuletzt engagierte sich Corbijn zusammen mit Berend Strik für das gemeinnützige Kunstprojekt „Mandela Landscape“. Als wichtiger Impulsgeber der Popkultur seiner Generation wurde Corbijn im November 2011 mit dem wichtigsten Kulturpreis der Niederlande, dem Prins Bernhard Cultuurfonds Prijs, ausgezeichnet. Sein nächstes Kinoprojekt ist die John LeCarré-Verfilmung A Most Wanted Man, die in Deutschland gedreht wird.

Der iranische Regisseur und Drehbuchautor Asghar Farhadi drehte bereits als Jugendlicher 8mm- und 16mm-Filme und realisierte fünf Kurzfilme, bevor er an der Universität Teheran sein Bachelor- und Masterstudium in Theaterregie absolvierte. Er arbeitete außerdem für den Hörfunk und das Fernsehen. Bereits für sein Kinodebüt Raghs dar ghobar (Tanz im Staub) wurde er 2003 beim Internationalen Filmfestival in Moskau mit einem Kritikerpreis ausgezeichnet. Seine zweite Regiearbeit Shahr-e ziba (Die schöne Stadt, 2004) wurde in Warschau als Bester Film gefeiert. 2009 erhielt er für den Berlinale-Wettbewerbsbeitrag Darbareh-ye Elly (Alles über Elly) den Silbernen Bären für die Beste Regie. Alles über Elly wurde auch beim Tribeca Film Festival ausgezeichnet und erhielt zehn weitere Preise. Sein jüngstes Werk Jodaeiye Nader az Simin (Nader und Simin – Eine Trennung) gewann bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin 2011 den Goldenen Bären und zwei Silberne Bären für die schauspielerischen Leistungen des Ensembles. Der Film wurde international gefeiert und nach seinem Berlinale-Erfolg bei 22 weiteren internationalen Filmfestivals ausgezeichnet. Von Iran wurde er als offizieller Beitrag für die Oscarverleihung ausgewählt. Asghar Farhadi war im Sommer 2011 Gast des Berliner Künstlerprogramms des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD).

Die französisch-britische Schauspielerin Charlotte Gainsbourg, Tochter des französischen Künstlers Serge Gainsbourg und der britischen Schauspielerin und Sängerin Jane Birkin, stand schon als Teenager in Parole et Musique (Duett zu Dritt, 1985, R: Élie Chouraqui) vor der Kamera. Danach arbeitete sie mit vielen verschiedenen Filmemachern wie Agnès Varda, Paolo und Vittorio Taviani, Jacques Doillon, Eric Rochant, Bertrand Blier und Andrew Birkin. 1986 gewann sie für L’éffrontée (Das freche Mädchen, 1985, R: Claude Miller) einen César als beste Nachwuchsschauspielerin. 1998 feierte sie mit La petite voleuse (Die kleine Diebin, R: Claude Miller) ihren Durchbruch. 2001 spielte sie in Yvan Attals Ma femme est une actrice (Meine Frau die Schauspielerin) und in Félix et Lola (Felix & Lola, R: Patrice Leconte), der im Wettbewerb der Berlinale lief. Es folgten zahlreiche weitere Kino-Produktionen, u.a. 21 Grams (21 Gramm, 2003, R: Alejandro Gonzalez Inarittu), Prête-moi ta main (2006, R: Eric Lartigau), Michel Gondry’s La science des rêves (The Science of Sleep, Berlinale Wettbewerb 2006), Golden Door (2007, R: Emmanuele Crialese, Goldener Löwe in Venedig) und Todd Haynes’ I’m Not There (2007). 2009 spielte sie in Patrice Chereau`s Persécution und gewann in Cannes für ihre Rolle in Lars von Triers Antichrist den Darstellerpreis. Zuletzt spielte sie in The Tree (2010, R: Julie Bertucelli) sowie in Melancholia (R: Lars von Trier), der als Bester Film den Europäischen Filmpreis 2011 erhalten hat. Charlotte Gainsbourg ist auch als Sängerin künstlerisch tätig und hat kürzlich ihr viertes Studioalbum „Stage Whispers“ veröffentlicht.

Für seine ergreifende Darstellung des Jack Twist in Ang Lees zeitlosem Klassiker Brokeback Mountain (2005, Goldener Löwe von Venedig) wurde Jake Gyllenhaal für den Oscar nominiert und von der Britischen Akademie für Film und Fernsehen (BAFTA) sowie dem National Board of Review ausgezeichnet. Zuletzt war Gyllenhaal in dem von Kritikern gelobten Science-Fiction-Thriller Source Code (2011, R: Duncan Jones) und in Ed Zwicks Komödie Love and other Drugs – Nebenwirkung inklusive (2010) zu sehen, für die er eine Golden Globe-Nominierung in der Kategorie „Bester Darsteller – Komödie oder Musical“ erhielt. Die Dreharbeiten zu Gyllenhaals neuem Film End of Watch wurden vor kurzem beendet. Das düstere Drama von David Ayer wurde auf den Straßen in South Central, einem Bezirk von Los Angeles, gedreht und soll 2012 in die Kinos kommen. Gyllenhaal arbeitete mit einigen der größten Filmemacher Hollywoods zusammen und spielte u. a. in Richard Kellys Kult-Hit Donnie Darko (2001), Jim Sheridans Brothers (2009), David Finchers Zodiac – Die Spur des Killers (2007), Sam Mendes Jarhead – Willkommen im Dreck (2005), John Maddens Der Beweis – Liebe zwischen Genie und Wahnsinn (2005), Miguel Artetas The Good Girl (2002), Brad Silberlings Moonlight Mile (2002), Nicole Holofceners Lovely And Amazing (2001) und Joe Johnstons October Sky (1999). Sein Theaterdebüt gab Gyllenhaal in Kenneth Lonergans Neuinszenierung von „This is Our Youth“ im Londoner West End und gewann für seine Darstellung einen Evening Standard Theatre Award als „Herausragender Newcomer“.

Der französische Regisseur und Drehbuchautor François Ozon gab nach mehreren vielbeachteten Kurzfilmen (Summer dress 1996; See the Sea 1997) mit Sitcom (1998) sein Kinodebüt. 2002 feierte er mit der Musical-Komödie 8 Femmes (8 Frauen) seinen internationalen Durchbruch. Dem singenden und tanzenden Starensemble mit Catherine Deneuve, Isabelle Huppert, Ludivine Sagnier, Emmanuelle Béart, Firmine Richard, Danielle Darieux, Fanny Ardant und Virginie Ledoyen brachte dies auf der Berlinale einen Silbernen Bären für ihre schauspielerischen Leistungen ein. Davor war Ozon bereits 2000 mit seinem Film Gouttes d’èau sur pierres brulantes (Tropfen auf heiße Steine) im Berlinale-Wettbewerb und erhielt den „Teddy-Award“, den queeren Filmpreis des Festivals. Mit Filmen wie Sous le sable (Unter dem Sand, 2000) und Swimming Pool (2003) mit Charlotte Rampling sowie dem 2005 in Cannes uraufgeführten Sterbedrama Le temps qui reste (Die Zeit, die bleibt) feierte Ozon weitere Erfolge. Im Berlinale-Wettbewerb war er erneut 2007 mit dem Drama Angel sowie 2009 mit Ricky vertreten. 2010 war seine sozialkritische Emanzipationskomödie Potiche (Das Schmuckstück) beim Festival in Venedig, der Film eroberte später Platz Eins der Kinocharts in Frankreich.

Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal war als promovierter Volkswirt im Industrie-Ministerium tätig und verfasste technische Fachbücher, bevor 1999 in Paris sein preisgekrönter Debütroman „Der Schwur des Barbaren“ veröffentlicht wurde. Es folgten vier weitere Romane, die auch ins Deutsche übersetzt worden sind. Nach seiner kritischen Abrechnung mit den politischen Verhältnissen in Algerien in seinem 2003 erschienenen Buch „Persönliches und Politisches Tagebuch, Algerien, 40 Jahre danach“ wurde ihm seine Stellung im Ministerium gekündigt. Seitdem ist er ausschließlich als Schriftsteller tätig und beschäftigt sich zunehmend mit historischen Sujets. Zu seinen jüngsten Veröffentlichungen zählt der 2008 erschienene Roman „Le village de l’allemand ou Le journal des frères Schiller“ („Das Dorf des Deutschen“). 2011 wurde Sansal auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

Die preisgekrönte deutsche Film- und Theaterschauspielerin sowie Sängerin Barbara Sukowa wurde von Rainer Werner Fassbinder für die Kinoleinwand entdeckt, der sie nach Berlin Alexanderplatz (1980) in der Titelrolle seines Erfolgsfilms Lola (1981) besetzte. Durch ihre Hauptrollen in Die bleierne Zeit (1981, Preis für die Beste Darstellerin in Venedig) und Rosa Luxemburg (1986, Preis für die Beste Darstellerin in Cannes) von Margarethe von Trotta wurde Barbara Sukowa weltweit bekannt. Mit Michael Cimino drehte sie Der Sizilianer (1987) und war in Lars von Triers düsterem Thriller Europa (1991) zu sehen. Zu ihren jüngsten deutschen Kinofilmen zählen Hierankl (2003, R: Hans Steinbichler), die Literaturverfilmung Die Entdeckung der Currywurst (2008, R: Ulla Wagner, Preis als Beste Darstellerin in Montreal) und Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen (2009, R: Margarethe von Trotta). Ende der 80er Jahre startete die in New York lebende Schauspielerin zudem eine Karriere als Sängerin und erhielt einen Echo sowie eine Grammy-Nominierung.

 

(Pressemitteilung der 62. Internationale Filmfestspiele Berlin 09. – 19.02.2012)

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