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Kämpfen mit Stars wie Jackie Chan

Sie kämpfen an der Seite von bekannten Actionstars wie Jackie Chan, Van Damme und Jet Li. Sie machen, wovor die einen sich fürchten und die anderen die Augen verschließen. Die Rede ist von Stuntmännern. In Berlin trafen wir von migration-business Reel Deal – ein neues Team aus Kampfsportprofis und Schauspielern, die sich auf Body-Stunts spezialisiert haben. Aber sie sind noch weitaus mehr als nur Stuntmänner.

Viele Menschen begeistern sich für Kampfkunst: Für Fertigkeiten und Techniken zur Selbstverteidigung. Was die Menschen nun dazu bewegt einen bestimmten Kampfstil zu erlernen, ergibt sich aus den verschiedensten Gründen: Die einen wollen sich im Ernstfall besser verteidigen können, andere wollen sich fit und gesund halten und wieder andere interessieren sich vor allem für die Philosophie, Geisteshaltung und Kultur dahinter.

 

Die Geschichte eines Kampfkünstlers

Einige haben das Glück, bereits im Kindesalter in die Welt der Kampfkünste einzutreten. Für Cha-Lee Yoon begann es bereits im Alter von 3 Jahren. Sein Vater hatte eine eigene Taekwondo-Schule in Osnabrück und Bremen und Cha trainiert inzwischen seit über 20 Jahren Taekwondo. Aber das reichte ihm nicht. Cha begeisterte sich schon früh für bekannte Martial-Arts-Filme mit Jackie Chan, Jet Li und Bruce Lee. All diese Kämpfer zeigten die unterschiedlichsten Kampfstile und kämpften mit Waffen. Das wollte Cha auch! Er lernte Kickboxen, Wing Tsun, Hap Ki Do und andere Kampfstile. Als Cha zusammen mit seiner Freundin nach Berlin zog, hatte er zunächst nichts – weder viel Geld noch Freunde. Was er aber hatte, war der Wille, Schauspielerei und Kämpfen wie seine großen Actionvorbilder in Fernsehen und Kino zu verbinden. Das führte ihn schließlich zu Menschen mit ähnlichen Gedanken und Zielen, die heute wichtige Freunde für ihn geworden sind.

 

Wer sind „Reel Deal“?

Seit Januar 2012 sind sie ein schlagkräftiges Team mit Menschen unterschiedlichster Herkunft: Can Aydin, Phong Giang, Mike Möller, Tanay Genco Ulgen und Cha-Lee Yoon sind bekannt unter dem Namen Reel Deal. Alle haben bereits Erfahrungen und Netzwerke im Filmgeschäft und sind wahre Kampfsportprofis. Mike Möller gehört zu den erfahrensten Stuntmännern Deutschlands: Er hat damals schon mit Donnie Yen zusammen in Deutschland für die Serie „Der Puma“ gedreht. Can Aydin, den wir neben Cha-Lee zum Interview in Berlin trafen, wirkte 2004 als Stuntman an der Seite von Jackie Chan im Film „In 80 Tagen um die Welt“ mit und ist demnächst als Bösewicht im Film „Urban Fighter“ zu sehen.

 

 

Can ist heute gut mit Cha befreundet und studiert neben seiner Schauspielerei Wirtschaftsingeneurwesen in Berlin. „Das ist durchaus schwierig zu vereinen“, wie Can selbst sagt, da die Schauspielerei kein geregeltes Einkommen bietet und er nebenbei noch für Klausuren zu lernen hat. Zudem ist es eine Vollzeittätigkeit: Sie sind Choreographen und trainieren Schauspieler für Actionszenen, sie kämpfen als Stuntmänner und sind auch selbst als Schauspieler zu sehen. Das ganze Team bringt unterschiedlichste Kampferfahrungen mit, aber vor allem versucht jeder kämpferische Fertigkeiten zu trainieren, die häufig in Filmen gebraucht werden. Im Gegensatz zu Cha, der durchgängig Taekwondo trainierte, wechselte Can fast alle zwei Jahre den Kampfsport. Angefangen hatte er mit Ringen. Anschließend kam er zum Boxen, Kickboxen und Thaiboxen.

 

Teuerster deutscher Blockbuster mit Star-Besetzung

 

Ende 2011 trennten sich die heutigen Mitglieder von Reel Deal vom alten Team „Movie-Do“. „Meinungsverschiedenheiten trennten das Team, doch der gegenseitige Respekt füreinander ist erhalten geblieben“, betonen Cha und Can. Was auch erhalten geblieben ist, sind die vielen Erfahrungen und Netzwerke, die sie in der gemeinsamen Zeit gesammelt haben. Auf das bauen Reel Deal auf: Sie gehen auf Produktionsfirmen zu, sprechen mit Schauspielern am Set und bieten ihre kämpferischen Qualitäten für Filme an. Sie sind keine Stuntmänner, die durchs Feuer rennen, an Wolkenkratzern klettern oder Autostunts machen. Vielmehr haben sie sich auf verschiedene Kampfstile konzentriert.

Can Aydin (links) und Cha Lee Yoon (rechts)

Und ihre Spezialisierung gibt ihnen Recht: In dem Film „Wolkenatlas“ wirkten sie als Stuntmänner mit. Der neue Blockbuster erscheint voraussichtlich Oktober 2012 in den deutschen Kinos und ist Internetquellen zufolge mit derzeit 100 Millionen Dollar die bisher teuerste deutsche Filmproduktion aller Zeiten. Das Filmstudio in Babelsberg macht Hollywood Konkurrenz. Und das nicht nur beim Budget: Schauspieler wie Tom Hanks, Halle Berry, Hugo Weaving und Susan Sarandon werden vertreten sein. Und Reel Deal war auch dabei.

 

 

Aber Cha und Can betonen ganz besonders, dass sie mehr als nur Stuntmänner sind. Sie sind vor allem Schauspieler! Für dieses und nächstes Jahr haben sie sich vorgenommen, einen ersten neunzigminütigen Film zu drehen, in dem sie die Hauptdarsteller sind. „Wir wollen zeigen, dass Schauspieler auch selbst Actionszenen machen können“, sagt Cha dazu. Viele Schauspieler aus den bekannten Actionfilmen wie „Bourne“, „The Mechanic“ oder „96 Stunden“ kämpfen nämlich nicht mehr selbst. Die berühmten Schauspieler trainieren zwar sehr viel, weil sie lieber als durchtrainierter Actionheld erscheinen wollen. Doch wenn es um Bewegungen bei Actionszenen geht, werden sie meist durch Stuntmänner ersetzt.

 

Asiatische und westliche Actionfilme – zwei Welten?

 

Den meisten Fans von Martial-Arts-Filmen sind die Unterschiede zwischen Filmen asiatischer und westlicher Produktion schon bewusst: Der große Unterschied liegt darin, dass in westlichen Actionfilmen jeder Schlag genau gesetzt und vollkommen nachvollziehbar ist. Das liegt auch an den unterschiedlichen Kampfstilen, an die man gewöhnt ist. Im Westen ist es eher das Boxen oder
andere Kampfsportarten mit großen Schlägen. Ein gutes Beispiel ist Jean-Claude Van Damme: Seine Schläge und Kicks wirken groß und spektakulär. In Asien dagegen sind alle Schläge sehr schnell, die Bewegungen und Schritte eher klein. Viele finden daher die Kampfhandlungen in asiatischen Filmen unterhaltsam, können aber kaum die einzelnen Schläge nachvollziehen.

Cha und Can sind mit Herzblut bei der asiatischen Kampfart, die auch aufgrund der höheren Geschwindigkeit viel schwieriger in ihrer Choreographie umzusetzen ist. Aber natürlich haben sie bereits oft in westlichen Filmproduktionen mitgespielt und können sich den Wünschen des Regisseurs anpassen.

 

Welcher Kampfsport ist der Beste?

 

Vin Diesel (rechts) und Mike Möller (links)

Wen kann man Besseres fragen, in welchen Kampfsport man einsteigen sollte, als die wahren Meister des Kampfsports? Viele spielen mit dem Gedanken, einen neuen Kampfsport anzufangen, viele behaupten ihr Kampfsport sei der Beste und wieder andere verlieren den Spaß und die Motivation am regelmäßigen Training.

Einen besten Kampfsport gibt es schon mal nicht. Jeder muss finden, was gut zu ihm passt. Can empfiehlt ganz besonders das Kickboxen für den Anfang. Dies stärkt die Fitness und Kondition. Zusätzlich werden Arme und Beine enorm trainiert. Auf diese Weise schafft man sich selbst eine gute Basis für andere Kampfstile. Will man dann mehr Kicks machen, geht man zu Taekwondo über.
Arbeitet man lieber mit den Armen, wechselt man zum Boxen oder zu Wing Tsun.

 

 

Fehler vieler Anfänger

Der entscheidende Fehler, den die meisten Anfänger Can zufolge machen ist, die Messlatte gleich ganz oben anzusetzen. Man fängt gleich an, wo man am Ende hin will und verliert nach wenigen Tagen die Motivation. „Wenn die Bewegungen schlecht aussehen, dann trainierst Du erst mal deine Kondition und entwickelst Step by Step deine Technik weiter.“, betont Can nachdrücklich. Das Gleiche gilt ihm nach auch für die Eltern in der Schulzeit. Sie erwarten von ihrem Kind Meisterleistungen in jedem Schulfach. Can aber würde seinem Kind sagen, dass es zur Schule gehen und bestehen soll. „Das Kind denkt sich dann: Der Erwartungshorizont meiner Eltern ist hier, ich kann das noch steigern und die Erwartungen übertreffen. Ich schaffe das! Er setzt sich dann selbst Ziele –
das gilt in der Schule, beim Kampfsport und im Leben.“

Auch Reel Deal haben sich einige Ziele gesetzt und blicken voller Zuversicht in die Zukunft. Und wir hoffen die Jungs schon bald auf den großen Kinoleinwänden mit ihren kämpferischen Fertigkeiten zu bestaunen. Viele wissen nämlich nicht: Auch Jackie Chan hat einst als Stuntman angefangen!

 

Text: Dario Mohtachem

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