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Shanghai: Eine Stadt der Superlative?

Vom ehemaligen Fischerdorf „Paris des Ostens“ bis hin zur heutigen Boom-Metropole – kaum eine andere Stadt hat in ihrer Vergangenheit so viele Gesichter von sich gezeigt und versetzt die Welt dabei immer noch in Staunen. Die Studentin Yi-Jun Huang hat uns mitgenommen auf eine Reise durch diese aufregende Stadt und offenbart uns spannende Erfahrungen und Bilder.

Stolz ragen die Wolkenkratzer in den Himmel und geben zusammen mit dem rasenden Puls der Stadt den Takt an: Schneller, höher, mehr – nach diesem Motto präsentiert Shanghai nicht nur sein neues zukunftsorientiertes Stadtbild, sondern profiliert sich ebenso als aufsteigende Wirtschaftsmetropole. Mit einem rasanten Wirtschaftswachstum innerhalb von weniger als 20 Jahren zählt Shanghai heute nicht nur zu den führenden Wirtschaftszentren Chinas, sondern ebenso zu einem der weltweit wichtigsten Wirtschaftsstandorte. Grenzen scheint es in dieser Stadt wohl nicht zu geben: auf über 20.000 Baustellen wird nicht nur in die Höhe, sondern ebenso in die Breite gebaut. Die Weltmetropole zählt mit einer Fläche von 6.340 km²  über 23 Millionen Einwohner und ist auf dem besten Wege, die Hauptstadt einer neuen Supermacht zu werden.

Fragt man sich, was Shanghai als neue Weltstadt ausmacht, so könnte man sagen, dass es vor allem die zwei Seiten der Superlative sind, die Shanghai miteinander verbindet und für die sie synonymhaft steht: Armut und Reichtum, Tradition und Moderne, alte Backsteinhäuser und Wolkenkratzer existieren hier in ihrer Gegensätzlichkeit beinah harmonisch nebenher. So verwundert es einen auch nicht, wenn man in einer Markthalle Frauen in ihren Pyjamas noch lebende Hühner für das Mittagsessen kaufen sieht und nur eine Straße weiter entfernt modebewusste Mädchen in einem Starbucks-Coffee sitzen und sich ihre neuesten Errungenschaften aus der berühmten Shoppingmeile Nanjing Lu vorführen.

Vor allem die junge Generation scheint von der Impulsivität der Stadt fasziniert zu sein und treibt durch ihre unersättliche Neugierde für westliche Einflüsse den Wandel Shanghais unermüdlich voran. Der 29jährige David Wang stammt ursprünglich aus der benachbarten Stadt Suzhou und ist nach seinem Schulabschluss nach Shanghai gezogen. Heute arbeitet er als Manager für ein erfolgreiches Auto-Joint-Ventures und weiß, wie er seine ausländischen Partner mit dem verruchten Charme der Stadt für den Standort Shanghai begeistern kann. So wie er legen sich fast alle jüngeren Chinesen einen englischen Vornamen zu und genießen das Shanghaier Doppelleben in vollen Zügen: „ Hier in Shanghai kann ich nicht nur als Chinese leben, sondern zugleich auch als Expat. Ich kann mit meinen Freunden aus der Kindheit um die Ecke Dim Sum frühstücken gehen und auf der Straße Mahjong spielen. Oder ich gehe mit meinen ausländischen Arbeitskollegen in ein angesagtes Cafe am Bund frühstücken, besuche eine zeitgenössische Kunstausstellung in der Suzhou Creek und gehe anschließend in einer Karaoke-Bar feiern…und das sowohl in der Nacht, als auch an jedem Tag in der Woche und im Jahr. Das alles ist Shanghai!“

Unzufriedenheit und Skepsis trifft man hingegen meist bei der älteren Generation an. So sieht sich Zhang Qimao als einer von vielen Rentnern gezwungen, im Rhythmus der Großstadthektik zu leben: „Man reißt die Häuser in Sekundenschnelle ab und konstruiert neue Häuser in schwindelerregender Höhe. Und manchmal vergisst man dabei sogar die Fahrstühle.“ Ruhe findet der 70jährige nur dann, wenn er sich frühmorgens im Jingan-Park mit einer Gruppe von Rentnern trifft und mit ihnen gemeinsam Tai Chi ausübt: „So bleibe ich  körperlich fit und bin nicht ganz so allein.“ Dabei fügt er resigniert hinzu, dass dies selbst in einer Stadt mit 23 Millionen Einwohnern nicht selbstverständlich sei. Es lebt sich wohl doch etwas einsam an der Spitze.

 

Impressionen aus Shanghai


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Text: Yi-Jun Huang, Fotos: Michael Khang Pham

Yi-Jun Huang studiert an der FU Berlin Frankreichstudien und absolviert zurzeit ein Auslandsjahr an der Sorbonne Nouvelle in Paris. Ihre Begeisterung für Shanghai verdankt Sie nicht nur ihren chinesischen Wurzeln, sondern ebenso ihrem einjährigem Aufenthalt sowie ihren regelmäßigen Reisen, auf welchen Sie ihre zweite Heimatstadt immer wieder aufs Neue entdeckt.

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