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Damals Kakerlaken und Ratten, heute teure Immobilien

Es gibt so viel, was Lawinjeya Chandrakumaran bereits kennengelernt hat: Nicht nur verschiedene Länder und Kulturen, in denen er gelebt hat, sondern auch ein Leben am Existenzminimum. Heute verkauft er mit seinem Unternehmen „Berlin Yield Estate“ deutsche Immobilien an Interessenten aus dem Ausland. Seine guten Kontakte in alle Welt sowie seine Mehrsprachigkeit öffnen ihm hierbei viele Türen.

In Deutschland aufgewachsen, hat Lawinjeya hier die Schule besucht und diese wie viele andere auch mit dem Abitur abgeschlossen. Doch anschließend zog es ihn nicht wie viele andere an die deutschen Hochschulen, sondern in die Ferne: Und zwar in die Hauptstadt Großbritanniens, an die Middlesex University in London. Er wollte Neues kennenlernen und die Entscheidung für die britische Business School lag ihm nah, weil diese so international war. Ihre Studierenden kamen aus Dubai, China, Indien, Malaysia, Singapur und aus vielen anderen Ländern dieser Welt. Schon früh machte Lawinjeya die bemerkenswerte Beobachtung, dass gerade diejenigen im Studium die Erfolgreichsten zu seien schienen, die aus dem Ausland kamen. Sie waren nur auf gute Noten und das Lernen erpicht – so Lawinjeyas Erklärung heute. Die Ablenkungen, die das alltägliche soziale Umfeld ihrer britischen Kommilitonen prägten, private Verpflichtungen sowie unzählige Freizeitaktivitäten, störten die Auslandsstudierenden nicht.

Doch auch ohne zahlreiche Ablenkungsmöglichkeiten ist bekanntlich aller Anfang schwer: Die große Sprachbarriere zu Beginn seines Studiums hinderte Lawinjeya am Verständnis der Vorlesungen – nur mit großer Mühe konnte er ihnen folgen. Denn zum Studium an einer Universität braucht es mehr als nur ein gutes Schulenglisch. Doch irgendwann beschloss er sich in die Gespräche der Einheimischen einzumischen. Mit der einfachen Frage „What is this“ begann sich seine Wahrnehmung Stück für Stück zu ändern. „Pencil case“, „sharpener“, „rubber“ – scheinbar einfache Antworten, die Tage, Wochen und Monate ins Land ziehen ließen. Und schon ein halbes Jahr später beherrschte er die Sprache fließend! Viel Fleiß, Motivation und Ehrgeiz ließen ihn schließlich bessere Noten als seine muttersprachlichen Kommilitonen schreiben.

Lawinjeya am Abgrund

Leicht war der Weg für ihn dorthin allerdings keineswegs. Mit nur 200 Euro kam Lawinjeya nach England – „So etwas wie Auslandsbafög gab es zu der Zeit noch nicht“, sagt er. Von der Familie eines Freundes erhielt er zunächst eine Unterkunft, in der er schlafen konnte. Doch die Wohnung war alles andere als lebenswert: Ohne Strom, ohne Licht, tummelten sich in seiner Schlaf- und Lernstätte Ratten und Kakerlaken. Aber sie war günstig. Gelernt hat er bei Kerzenlicht, oder mit dem Licht der Laterne, die vor dem Haus stand.

Geld gab der junge Student nur für seine schäbige Unterkunft, die notwendige Fahrkarte und Lebensmittel aus. Erst mit seinem ersten Job als Kassierer für die Firma „Budgens“ besserte sich Lawinjeyas Lebensstandard. Im Nachtdienst von 23 Uhr abends bis 7 Uhr morgens saß er an der Kasse, danach ging es weiter zur Uni. Und das drei Mal die Woche. „Mich hat diese Zeit wirklich geprägt. Es war echt hart mitzuerleben, wie viele andere Studenten gefeiert und getrunken haben, während ich nur lernen und arbeiten musste. Aber da musste ich durch! Ich wusste: Ich muss es irgendwie schaffen!“

Schritt für Schritt

Weihnachten 2005 erhielt er ein Jobangebot der Firma „Harte-Hanks“.Zu dem Zeitpunkt kam die neue Xbox 360 auf den Markt und Lawinjeya war im Kundenservice für den deutschen Markt verantwortlich! Das Geld stimmte und in der Uni schrieb er fast nur noch Einsen – obwohl er zu der Zeit zwei Jobs gleichzeitig hatte! Aber England war ihm nicht genug, er wollte mehr entdecken. Schließlich wählte er Italien für ein Austauschsemester. Ein Land, in das er schon immer wollte – auch ohne die nötigen Sprachkenntnisse.

In einem Land leben ohne die Landessprache zu beherrschen? Das geht nicht!

Bereits eine Woche nach Lawinjeyas Ankunft in Italien packte ihn der Ehrgeiz: Gemeinsam mit einem Kommilitonen fuhr er mit dem Bus zurück ins Studentenwohnheim. Der Busfahrer, der kein Wort Englisch sprach, konnte den beiden nicht weiterhelfen – eine gegenseitige Verständigung war quasi unmöglich. „An diesem Tag schämte ich mich so sehr, dass ich in einem Land lebe und nicht mal die Landessprache beherrsche!“, sagt Lawinjeya mit Nachdruck. Von da an büffelte er jeden Tag Vokabeln, besuchte Sprachkurse und versuchte bei jeder Gelegenheit auf Italienisch zu sprechen – und zu denken. Nach zwei Wochen konnte er kommunizieren – nach sechs Monaten fließend sprechen. „Ich muss aber zugeben, dass Italienisch die einfachste Sprache ist, die ich bisher gelernt habe“, fügt er lächelnd hinzu. Und dann war seine Zeit in Italien schon vorbei. Es ging zurück nach London – doch seine Tage in England waren schnell wieder gezählt.

Eine romanische Reise

Zurück im Vereinigten Königreich bewarb er sich für ein Praktikum beim weltbekannten Software-Unternehmen „Electronics Arts (EA)“ in Madrid. Seine große Leidenschaft für Technik, Software und Internet brachte ihn zu dieser Entscheidung. Angekommen in der spanischen Hauptstadt merkte Lawinjeya schnell, dass ihm seine Italienischkenntnisse sofort zugute kamen. Zwar war Spanisch für ihn schwerer zu lernen, weil die Spanier grundsätzlich sehr schnell sprechen – doch nur sechs Monate später beherrschte er die Sprache wieder fließend. Mit dem spanischen Kellner scherzte Lawinjeya bald. Für seine Arbeitskollegen lag die Begründung hierfür auf der Hand: Lawinjeyas Italien-Aufenthalt. Für ihn waren es Tage und Nächte ausdauernden Fleißes: Jeden Morgen schaltete er eine Spanisch-Lern-CD zum Aufwachen ein. Mit seinen Mitbewohnern sprach er auch nur Spanisch. „Erklär mir das auf Spanisch!“, war sein Motto. Auch, wenn dies für ihn und seine Umgebung eine große Herausforderung war. Schmunzelnd ergänzt er: „Ich habe sie sehr stark damit genervt – was mir auch im Nachhinein Leid tut.“ Vokabeln büffelte er während der U-Bahn-Fahrten und zielstrebig arbeitete er sich durch ein spanisches Buch. Lawinjeya selbst sieht das nicht als harte Arbeit – sondern als Spaß, Neues zu entdecken. „Während andere Klatsch und Tratsch an den leuchtenden Bildschirmen der U-Bahn-Nachrichten verfolgten, lernte ich. Jede ungenutzte Minute meines Alltags. Da kommen in der Summe einige Wochen zusammen!“

Das Ziel vor Augen

Nach spannenden und lehrreichen Auslandsemestern ging Lawinjeya zurück nach England und hatte nur ein Ziel vor Augen: Seinen Bachelor erfolgreich abzuschließen! Zum Schlafen mietete er sich einen Raum mit nur 6 Quadratmetern. Montags bis Freitags ging er gegen 7 Uhr morgens zur Vorlesung, dann aß er zu Mittag und anschließend ging es für ihn in die Bibliothek. Bis spät in die Nacht lernte er hier – das Ziel vor Augen: Eine Eins. An den Wochenenden besuchte er dann seinen Vater, der zu dem Zeitpunkt auch in London lebte. Auf diese Weise verbrachte Lawinjeya fast ein Jahr, bevor ein seinen Bachelor erfolgreich abschloss – mit einer 1,0.

Lawinjeya entdeckt in Deutschland einen Markt…

Nach dem Bachelor arbeitete er zwei Jahre bei dem englischen Unternehmen „Bloomberg“ als Rohstoff- und Devisenanalyst für den deutschen, spanischen und italienischen Markt. Zu dieser Zeit gab es Tage, an denen er von 08:00 Uhr bis 23:00 Uhr durchgearbeitet hat.

Schließlich kehrte Lawinjeya in seine Heimat Deutschland zurück. Was er aus der Zeit im Ausland mitbrachte, waren nicht nur spannende Erfahrungen und verschiedene Sprachen, sondern vor allem Kontakte in alle Welt – von Australien bis Simbabwe. Darunter auch viele Kinder von Unternehmern oder Diplomaten, die viel unterwegs waren. Diese haben mit ihm zusammen an der internationalen Universität studiert oder gearbeitet.

All das wollte Lawinjeya nicht in Vergessenheit geraten lassen. 2011 machte er sich selbstständig und gründete das Unternehmen „Berlin Yield Estate“. Sein Unternehmen – mit sieben freien Mitarbeitern – verkauft heute deutsche Immobilien auf dem ausländischen Markt. Und die Nachfrage ist da, insbesondere Immobilien in Berlin sind sehr gefragt, weil sie solide, also preislich fast gleichbleibend sind. Auch Unterstützer konnte er schon finden: Viele deutsche Firmen interessieren sich für den ausländischen Markt und wollen mit „Berlin Yield Estate“ zusammenarbeiten. Auch „Profund“, die Gründungsförderung der Freien Universität Berlin, unterstützt bereits den jungen Unternehmer.

Lawinjeya Chandrakumaran scheint permanent auf der Suche nach neuen Herausforderungen zu sein. Kein Hindernis ist zu groß für den jungen Unternehmer, denn seit seinem Start in England hat er sich immer eins gesagt: „Kein Rückzug! Kein Aufgeben!“. Und schon heute spielt er mit dem Gedanken, sein Unternehmen „Berlin Yield Estate“ zu verkaufen und ein neues Projekt starten. Verraten hat er uns nur drei Stichworte: Immobilien, Investment und Social Media. Die Idee ist schon da. Er braucht nur noch ein schlagkräftiges Team.

 

Text: Dario Mohtachem

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