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Die Schattenseiten der Stuntmänner

Folgt man Cha-Lees Erzählungen ohne Nachhaken, erweckt dieser schnell den Eindruck, dass das Leben und Schaffen eines Stuntmans einem Traum gleicht: Schlafen in 5-Sterne-Hotels, der Weg zur Arbeit mit Limousine und Chauffeur, Schießen lernen von hochprofessionellen Militärs – die Begeisterung strahlt dem jungen Mann geradezu aus dem Gesicht!

Doch ganz so einfach, wie es scheint, ist es dann doch nicht. Stundenlange Drehs, oftmals harte Witterungsbedingungen, die extreme körperliche Belastung – von Entspannung kann keine Rede sein. „Es ist nicht alles Glamour im Filmgeschäft. Das Stuntgeschäft ist schon sehr spannend, jedoch steckt da eine Menge Arbeit hinter“, erzählt das Reel Deal Mitglied Cha-Lee.

Nichts für „Weicheier

„Es gibt viele Tage, an denen ein Stuntman 14 Stunden am Set zur Verfügung stehen muss, manchmal sogar nachts im feuchten Dreck verweilen oder an einem Seil in der Luft hängen muss. Das kann schon sehr schweißtreibend sein“. Zimperlichkeit ist hier nicht gefragt: Verstauchungen oder Prellungen sollten überspielt werden, legt man Wert auf einen guten Ruf. „Es geht alles nach dem Motto: So lange man gehen und stehen kann ist alles in Ordnung“, berichtet der junge Könner von seinem Job.

Unsicheres Einkommen

Ein Job, der eben auch ein Job ist: Auch ein Stuntman möchte seine Brötchen bezahlen können. Wer Sicherheit und ein geregeltes Einkommen sucht, ist im Beruf des Stuntmans nicht gut aufgehoben. Ohne Ausbildung ist der Einstieg nicht leicht. Und eine Ausbildung zum Stuntman gibt es noch nicht. Gäbe es eine solche, würde sie dem freiberuflichen Stuntprofi auch kein Engagement sichern. „Es geht mehr um Beziehungen und darum, dass man gesehen wird“, sagt Cha, der zusammen mit seinen Reel Deal Teamkollegen Videos produziert hat, die sie bekannt machen sollten.

Stars der Stuntmen-Szene

Bekannter Stuntman und Stunt-Coach Damien Walters (Mitte)

Der Einstieg in die Szene ist und bleibt schwer. „Ich hatte nicht die Fähigkeiten eines Damien Walters, der mit seinem Video in den ersten Tagen über eine Millionen Klicks erworben hat“, sagt Cha, der sich trotzdem nicht hinter seinen Fähigkeiten verstecken braucht. Als langjähriger Taekwondo-Kämpfer mit über 20 Jahren Kampferfahrung, gelernter Kickboxer, Wing Tsun- und Hap Ki Do-Kämpfer hat er ein Repertoire an Kampfstilen parat, die ihn als Stuntman mehr als qualifizieren. Damien Walters, Superakrobat und Megastuntman, hat sich innerhalb weniger Jahre derart in der Stuntmanbranche etabliert, dass er heute kaum mehr aus ihr wegzudenken ist. Angefangen hatte er damals mit Videos auf Youtube. Die fünf Jungs von Reel Deal wollten ihm das gleich tun.

„Doch wir mussten uns als Team ran setzen und schauen, wie wir uns gut verkaufen können“. Dazu gehörten nicht nur die Fähigkeiten, die sie hatten: Sie mussten mit einer professionellen Kamera filmen, professionell schneiden lernen und sich vor allem überlegen, was für eine Geschichte sie mit ihren Clips erzählen wollten. Und all das ohne großes Budget. „Die Leidenschaft sollte immer im Vordergrund stehen“, sagt Cha. Mit dieser Leidenschaft, dem Wunsch, sein Kampfsport-Wissen mit dem Traum der Schauspielerei zu verbinden und einem eisernen Willen, ist er schließlich Teil des Reel Deal-Teams geworden – und geradewegs in seinen Traumberuf geschlittert.

Hartes Training

Doch zum Träumen ist meist keine Zeit – Cha hat während der Arbeit grundsätzlich wenig Zeit zum Schlafen. Abends nach den Filmarbeiten kommt er stets müde zurück ins Hotel – und muss wieder in den Fitnessraum. Er trainiert seine Muskeln – nicht zu viel, nicht zu wenig. Aber sein Körper muss wenigstens auf die anstehenden Strapazen und Belastungen des täglichen Stuntmen-Trainings vorbereitet sein. „Die Mitte zu finden ist der Schlüssel. Ich glaube das kann man auch auf alles im Leben beziehen“, bemerkt Cha.

„Nur“ ein Stuntman

Bei dem ganzen harten Training darf man nicht vergessen, dass die Tätigkeit als Stuntman eigentlich ein sehr „undankbarer“ Job ist. Man lässt den Hauptdarsteller des Films gut aussehen, erntet aber am Ende nicht die Lorbeeren dafür. Man bleibt am Ende ein unsichtbarer Held. Die einzige Belohnung für den Stuntman ist, dass er gemeinsam mit dem Team durch wochenlanges hartes Training eine großartige Actionszene zu Stande gebracht hat. „Man darf nicht mit der Einstellung hingehen, dass man im Film gesehen wird“, betont der junge Mann. Die meisten Stuntmänner werden kaum wahrgenommen – viel mehr ist man eines von rund 100.000 Crewmitgliedern, die an einer einzigen Filmproduktion beteiligt sind. Wer sich verletzt, wird einfach ausgetauscht. Bei den Schauspielern geht das nicht so einfach, da wird am Terminplan gebastelt und geschoben, bis schließlich alles wieder passt. Doch ein Stuntman ist leicht ersetzbar.

Reel Deal betrachten sich daher als weitaus mehr als „nur“ eine Gruppe von Stuntmännern: Sie sind Actiondarsteller, Schauspieler und ein kleines Produktionsteam, das auch eigene Filme auf die Beine stellen kann…

Fortsetzung folgt…

 

Text: Melanie Weinert.

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