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Etosalon: Europäische Marken bis nach Russland

Wer hatte ihn noch nicht – den Traum vom eigenen Business? Viele Existenzgründer scheitern jedoch am langwierigen Prozess bürokratischer Umwege und finanzieller Risiken, an der Entwicklung der Geschäftsidee oder spätestens bei der Umsetzung des Unternehmenskonzeptes. Nicht aber Yulia Schulte und Anna Tabacnik, die sich den Sprung in die Selbstständigkeit trauten und ihre Vision von einem russischsprachigen Online-Shoppingclub für GUS-Staaten, namens Etosalon verwirklichen wollen.

migration business begleitet die beiden Jungunternehmerinnen bei ihren ersten Schritten in die Selbstständigkeit und wird in den nächsten Monaten in einer Artikelserie regelmäßig exklusive Einblicke in ihren spannenden Gründeralltag gewähren. Dieser erste Teil der Serie soll nun einen Überblick über Etosalon und Eindrücke des ereignisreichen Weges in die Selbstständigkeit liefern.

Wer sind die Gründer?

Hinter Etosalon steckt die Gründerin Yulia Schulte, kirgisischen Ursprungs und seit 2008 wohnhaft in Berlin. Nachdem sie ihren Bachelor-Abschluss in Französisch und Kulturwissenschaften und den europäischen Master in Demokratie und Menschenrechten absolvierte, sammelte sie zunächst langjährige Erfahrungen im Programm-Management und Business-Development im internationalen Non-Profit-Sektor, ehe sie ihre Karriere als Leiterin für Marketingmaßnahmen bei dem Marktforschungsunternehmen Metrinomics startete. Dort lernte sie ihre Geschäftspartnerin Anna kennen, die mit 13 Jahren aus Kiew nach Berlin zog und ihr Diplom in Volkswirtschaftslehre an der Freien Universität zu Berlin machte, bevor sie eine fast vierjährige Arbeit als Projektmanagerin mit Schwerpunkt Evaluierung in der internationalen Marktforschung vollbrachte.

Hürden am Anfang

Obwohl sich die umfangreiche Arbeitserfahrung für den Start des eigenen Business als sehr hilfreich erwies, stolperten die beiden Unternehmerinnen in der Erstphase immer wieder über gewisse  Hindernisse unbekannten Terrains, die es zu bewältigen galt – angefangen bei komplexen Regelungen zum Export- und Zollverfahren, über internationale Versandabwicklungen bis hin zur Beherrschung des E-Commerce. Denn die Waren, die Etosalon anbietet, werden nicht über die herkömmliche Ladentheke gezogen, sondern in der weitaus komplizierteren Form eines Online-Shoppingclubs vertrieben.

Das Neue an Etosalon?

Konsumenten der GUS-Staaten, also die  Länder der ehemaligen Sowjetunion ohne das Baltikum, haben die Möglichkeit als Mitglied des Online-Shoppingclubs aus einer weitgefächerten Palette Markenprodukte  im Bereich Mode, Haushaltsutensilien und Outdoor-Aktivitäten zu erwerben. In diesem Geschäftskonzept sehen die jungen Frauen großes Potenzial. „Das Land Kirgistan aus dem ich komme, liegt an der Grenze zu China. Dort werden  Non-Brand-Produkte chinesischen Ursprungs mit niedriger Qualität zu überteuerten Preisen verkauft. Die Menschen wünschen sich Zugang zu europäischen Markenprodukten – weil diese dank Internet und Interesse an europäischem Lifestyle sehr beliebt sind – aber in der Realität bekommen sie praktisch nur  Restposten zu sehr hohen Preisen, und zwar online wie offline. Dieses Problem betrifft auch andere Länder in der Region“, verrät Yulia. „Dies brachte uns auf die Idee zur Gründung  einer russischsprachigen Online-Plattform hier in Europa.“ Dank Etosalon sollen zukünftig trendorientierte Konsumenten aus Kasachstan, Kirgistan, Aserbaidschan, Russland, Ukraine und Co. europäische Markenprodukte aus den aktuellen Kollektionen erwerben können. Diese sind nicht nur qualitativ hochwertiger, sondern werden auch zu erschwinglichen Preisen angeboten. Denn eine breitere Auswahl von Markenartikeln aus Europa ist nur überwiegend  in Großstädten wie Moskau oder Astana zu finden, in denen der Verkaufspreis allerdings oft um 100-200% höher als in Europa ist. Dabei handelt es sich oft nicht einmal um die aktuelle Kollektion der Saison, sondern Restposten, und das ärgert die über die Marken und aktuelle Trends informierten Kunden.

Wer English oder Deutsch versteht, bestellt oftmals direkt in europäischen Onlineshops – sofern der Shop in ihr Land überhaupt liefert. Mit dem russischsprachigen Shoppingclub, der in alle GUS-Länder liefert und seine Ware zu europäischen Preisen bietet, öffnet Etosalon für breite Bevölkerungsschichten die Welt europäischer Produkte, denn es gibt bereits eine große Akzeptanz des Online-Shoppings in der Region.

Faire Preise  für den Kunden

Yulia und Anna setzen auf direkten Kontakt mit ihren Lieferanten. Die ersten  kommen vorwiegend aus Deutschland und Skandinavien. Auf diese Weise können sie ohne den verzögernden Weg über einen Zwischenhändler dem Konsumenten die neusten Produkte  aus dem trendsetzenden Europa anbieten. Denn hier finden sich Waren, die nicht nur zu einem tollen Preis-Leistungs-Verhältnis angeboten werden, sondern auch die Bedürfnisse jeder Stilrichtung abdecken. Wie Deutsche, oder Franzosen, haben auch  Osteuropäer das Bedürfnis nach Individualität, das sie  durch Kleidung und andere Waren wie Küchenutensilien und Wohnaccessoires, die Etosalon ebenfalls im Sortiment hat, zum Ausdruck bringen möchte. „Uns ist es wichtig, dass die von uns angebotenen Produkte  verschiedene Stilpräferenzen und Budgets abdecken. Deshalb haben wir sowohl Produkte der mittleren Preisklasse als auch Premiumwaren.“ Diese Vielzahl an Markenartikeln wird in saisonalabhängige Kategorien, die monatlich wechseln, den Clubmitgliedern  angeboten. „Wir sind Brands4friends für aktuelle Ware.“

Arbeitsteilung ist wichtig

Die Idee zu Etosalon besteht schon lange. Trotz allem kommen den beiden jungen Unternehmerinnen ständig neue kreative Ideen zum Ausbau der Webseite in den Kopf. Doch in der Praxis bedeutet die Umsetzung des Konzeptes harte und intensive Arbeit. Deshalb sind Yulia und Anna mit Etosalon seit Oktober 2011 Vollzeit beschäftigt. Ihre bisherigen Arbeitserfahrungen setzen die beiden gekonnt ein: Yulia ist für die Akquise der Lieferanten, das Business Development und die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Anna kümmert sich ums Controlling, die Buchhaltung und verschiedene Operations-Prozesse. Obwohl jede ihr  klar zugeteiltes Aufgabengebiet hat, erfordert es in der Start-Up-Phase oft Teamwork.

Neue Kontakte – aber wie?

„Um die Akquise und Finanzplanung kümmern wir uns gemeinsam, da dies wichtige Bereiche sind, in denen wir uns gut austauschen können.“ Auch der Besuch von Fachmessen wie der „Bread & Butter“ macht zu Zweit mehr Spaß. Interessante Marken werden so gemeinsam aufgespürt. Und ein erster Kontakt mit den Lieferanten ist so möglich. In Hochglanzzeitschriften, Blogs und westlichen Onlineshops  erkundigen sich die beiden Unternehmerinnen über aktuelle Trends und Marken. Nachdem der Lieferantenkontakt ausfindig gemacht wurde, wird zunächst per E-Mail und Telefon versucht das Interesse für eine Kooperation zu wecken. Dabei wird dem Lieferanten die kurze Frage gestellt, ob er sich eine Zusammenarbeit vorstellen könnte – bei Interesse erhält er weitere Informationen.

Woher das Geld nehmen?

Aber viel bedeutender als das Networking ist für Startup-Unternehmer am Anfang eins: Das Finanzielle! Alle ersten Schritte, wie den Aufbau der Website, bezahlten die Beiden zunächst aus eigener Tasche. Durch einen gewonnenen Pitch stellte Profund, die Gründungsförderung der FU Berlin, an der Anna studierte, kostenlos ein Büro zur Verfügung, was sehr hilfreich für sie war. Dass für die Gründung des Unternehmens mehr als eine Räumlichkeit und das kleine bisschen Eigenkapital erforderlich ist, ist selbstredend. Da sich das Hauptgeschäft außerhalb der EU vollzieht, kommen Finanzierungsangebote wie Mikrokredit nicht in Frage. Deshalb entschieden  sich die Gründerinnen für das Modell „Family & Friends“. „Für uns ist es wichtig schnell auf den Markt zu kommen und erste Kunden zu gewinnen.“Am 4.Mai geht  die Beta-Version der Webseite online, bis dahin steht für die beiden Business-Ladies noch viel Arbeit an. Vor allem aber werden die Schritte, die nach dem Webseitenlaunch auf der Karriereleiter folgen, sehr interessant sein…

 

Das Interview führte: Dario Mohtachem.

Text: Natalie Cwierz.

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