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SHUSTA: Der Kerngedanke ist der Schuh-Macher

Wie man vom Realschüler über Energieelektroniker zum erfolgreichen Modeunternehmer werden kann, zeigt  Fidel Tesfai. Schuhe sind sein Business. Und für den aus Eritrea stammenden Schwaben zählen Charakter und die richtige Einstellung zum Leben. migration-business interviewte den Jungunternehmer in seinem Geschäft SHUSTA in Berlin-Mitte.

Herr Tesfai, Sie sind ein Schwabe. Was hat Sie nach Berlin bewegt?

(Lacht) Meine schwäbischen Mitbürger in Prenzlauer Berg. Nein, Scherz. Diese Frage ist für mich sekundär. Für mich zählen Charakter und Einstellung zum Leben. Ich bin kein richtiger Schwabe, ich komme aus Eritrea und fühle mich auch so. Mein Denken ist jedoch typisch schwäbisch-deutsch. Mein Migrationshintergrund hilft mir emotional und meine deutsche Seite die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Warum sind sie eigentlich Unternehmer geworden?

Aus der Not. Ich war zunächst auf der Realschule und machte später die Hochschulreife nach. Für einen jungen Menschen in Deutschland ist die Berufsorientierung schwer. Nach der Realschule machte ich zunächst eine Ausbildung zum Energieelektroniker. Über einen zehnjährigen Umweg habe ich noch Eventmanagement und Marketing studiert. Die Kenntnisse, wie man Produkte, in meinem Fall sind es Schuhe, erfolgreich vermarktet, helfen mir heute ein Unternehmen zu führen.

Warum haben Sie sich ausgerechnet für die Modebranche entschieden?

Das ist Schicksal. Warum soll man nicht das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden. Das macht Spass, man kann damit Geld verdienen und vor allem bin ich darin glaubwürdig.

Wie viele Mitarbeiter hat Ihre Firma?

Wir sind zwei Geschäftsführer. Ich bin für Personal, Einkauf, PR und Kommunikation zuständig. Mein Partner für den Backoffice, Finanzen und administrative Aufgaben. Darüber hinaus haben wir drei Mitarbeiter im Verkauf.

Machen es Ihnen die Behörden und Bürokratie schwer ein Unternehmer zu sein?

Kann ich so nicht unterstreichen. Es ist eine Frage der Motivation. Unser Steuersystem finde ich jedoch problematisch und schwer. Was wir als Jungunternehmer jeden Monat abgeben müssen und vom Staat als Unterstützung bekommen, steht in keinem Verhältnis. Für Unternehmens- und Neugründer ist die Steuerlast zu hoch. Gerade für die ersten Jahre, wo sich die Firma auf dem Markt erst einmal behaupten muss, da wünscht man sich etwas mehr Steuerentlastung. Für große Firmen sind Steuerlast und Auflagen geringer als für kleine- und mittelständische Betriebe und das empfinde ich als ungerecht. Wer sich jedoch von ungerechten Paragraphen aufhalten lässt, sollte lieber kein Unternehmer werden. Die 19 Prozent Mehrwertsteuer belasten uns auch, zumal wir ja nicht wissen wohin das Geld fließt und was mit diesen Abgaben gemacht wird. An dieser Stelle wünsche ich mir mehr Transparenz. Wir machen jedoch unsere Hausaufgaben. Unsere Umsätze steigen und die Steuern steigen leider auch mit. Dafür hat man natürlich auch sehr viele Vorzüge in Deutschland, aber was Steuern betrifft, da kann der Staat uns etwas mehr entgegen kommen.

Planen Sie Ihr Unternehmen auszubauen?

Es gibt keine andere Alternative. Expansion ist in diesen Zeiten in Europa und auf der ganzen Welt ein Stabilitätsfaktor. Man muss Ressourcen bereit stellen, damit die Einnahmequellen stabil bleiben.  Wir haben mit unserem Unternehmenskonzept einen Nischenmarkt entdeckt und gefüllt. Unsere selektiven Schuh-Brands gibt es nicht ja jeder Ecke in Berlin zu kaufen. Da wir nicht über ein so großes Werbebudget wie andere Modemarken verfügen, wollen wir unsere Kunden für einen bewussteren Markeneinkauf sensibilisieren. Unsere Schuhe besitzen die gleiche Wertigkeit wie Mainstream-Marken, nur dass sie nicht jeder trägt und zudem unsere Schuhe besser aussehen. Das ist das besondere bei SHUSTA. Insofern fiel uns die Entscheidung, die Firma auszubauen und für die Zukunft stabiler zu machen sehr leicht.

Wie sind sie auf den Namen SHUSTA gekommen?

Da ich aus der Marketingwelt komme und in meinem damaligen Job nichts anderes getan habe als für Konzerne und deren Produkte und Kollektionen ständig neue Namen zu erfinden, fiel mir der Name SHUSTA für unser Unternehmen ein. Im 18. Jahrhundert war der Beruf Schuster ein angesehener und respektvoller Beruf. Heute sagt man Schuhmacher dazu. Unser Ziel ist auch, eines Tages ein eigenes Label zu haben, d.h. Schuhe selber zu gestalten, konzipieren und zu designen. Der Name sollte sich nicht anhören wie ein Beruf, die richtigen Assoziierungen spielten eine Rolle und die Sprache. Im Namen stecken zwei Begriffe, Schuhe und Star. Der Gedanke war auch, wenn man bei uns ein Schuh kauft, dann ist man ein Star und beides zusammen kam in der englischen Sprache SHUSTA heraus. Der Kerngedanke ist jedoch der Schuh-Macher.

Was können Sie den jungen Menschen, die ein Unternehmen gründen wollen, empfehlen?

Junge Existenzgründer müssen sich im Klaren sein, was sie wollen. Es geht nicht darum, was man gründen möchte, sondern was will ich für mich selbst? Gute Analyse und Kenntnisse über den Markt sind ebenfalls wichtig. Die Frage des Geldverdienens ist nicht wichtig. Unternehmer denken langfristig. Die soziale Marktwirtschaft bietet viele Möglichkeiten für Unternehmensgründungen. Energie, Geduld und Ausdauer sollte man ebenfalls besitzen. Wir haben uns die Fragen gestellt, ob der Zeitpunkt gekommen ist, ob es für die Idee und das Konzept eine Marktlücke gibt und ob der Standort optimal ist. Durch meine jahrelangen beruflichen Erfahrungen, kenne ich den Standort und vor allem das Potenzial um den Hackeschen Markt, Rosenthaler Platz und Kastanienallee bzw. im gesamten ehemaligen jüdischen Viertel. Vor zwei Jahren gab es noch sehr viele lehrstehende Gewerberäume und der Standort und die Mieten waren günstig. Nach unserer Eröffnung ging die Entwicklung am Rosenthaler Platz dramatisch nach oben. All diese Punkte wurden beachtet und haben uns entschlossen die Firma zu gründen.

Was gefällt Ihnen an Deutschland?

Klare Strukturen, klare Verhältnisse, Zuverlässigkeit und Ordnung. In keinem anderen Land sind die Voraussetzungen, um ein Unternehmen zu gründen, so gut wie in Deutschland. Trotz aller Kritik ist unser Bildungsniveau gut. Deutschland bietet viele Möglichkeiten seinen eigenen Weg zu gehen. Man kann sich hierzulande frei entfalten und Vorhaben umsetzen. Das setzt jedoch persönliches Engagement voraus. Die Erziehung von den Kindern spielt auch eine Rolle. Meine Eltern haben mir beigebracht zu lernen wie man lernt, wie man Informationen und Wissen finden kann. Eltern, die ihre Kinder vor den Fernseher setzen, handeln verantwortungslos. Meine Eltern haben sehr viel dazu beigetragen, dass ich heute beruflich erfolgreich bin. Ich hatte mit meinen Eltern Glück und bin sehr dankbar dafür.

Was wünschen Sie sich beruflich und privat für Ihre Zukunft?

Dass unser Unternehmen wächst und stabil wird, dass der Staat mit unseren Steuergeldern verantwortungsvoll umgeht und sinnvoll in die nächste Generation investiert, vor allem in deren Bildung und Ausbildung. Wir sollten in Deutschland keinen Menschen aufgeben. Jeder hat eine Begabung, die nur darauf wartet gefördert zu werden. Nicht der Staat erwirtschaftet die Steuern, sondern wir. Sonst liegt es an uns, wenn wir unsere Arbeit richtig tun, dann mache ich mir für die Zukunft keine Sorgen. Privat wünsche ich mir nur etwas mehr Freizeit.

Ihre Schwester ist MTV-Moderatorin. Wann kaufen 50 Cent und Xavier Naidoo bei Ihnen Schuhe?

(Lacht) Ich hoffe bald. Nein, im Ernst. Mein Geschäft ist nicht abhängig von der Branche in der meine Schwester arbeitet. Mein Partner und ich sind das Unternehmen und wenn mal Promis bei uns zum Einkaufen kommen, dann würden wir uns natürlich darüber freuen.

 

Das Interview führte Joel Cruz

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