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Jeder Morgen ein neuer Kampf

Er war Stuntman in einem Jackie-Chan-Blockbuster, trainiert fast jeden Tag und beherrscht mehrere Kampfsportarten. Seit seiner frühesten Kindheit begeistert sich Can Aydin für Kampfsport.  Mit migration business sprach der neue Actiondarsteller über Vorbilder, Schauspielerei und die Bedeutung von Kampfsport.

Berlin – Friedrichstraße. Feierabendverkehr. Der Coffeeshop ist gut gefüllt, als wir ihn mit Can Aydin und Cha-Lee Yoon betreten. Wir lassen den Straßenlärm hinter uns und suchen eine ruhigere Ecke im seitlichen Außenbereich des Cafés. Es ist kühl an diesem frühen Abend im April. Doch statt zu einem wärmenden Kaffee oder Tee greift Can Aydin lieber zu einem Saft. „Vitamine“, so sagt er, um die wechselhafte Jahreszeit erkältungsfrei zu überstehen, denn einen Ausfall kann er sich kaum erlauben. Man sieht ihm seinen Beruf nicht sofort an. Mit der dicken sportlichen Jacke und den längeren Haaren könnte der 26-Jährige auch direkt aus der Uni kommen. Nur die kräftigen Hände verraten seine wahre Leidenschaft: Die Kampfkunst.

Can hat sich seinen Traum als Actiondarsteller beständig erarbeitet. Je mehr er erzählt, desto klarer wird, dass er noch Großes vorhat. Man merkt deutlich, dass er lebt, was er seinem Publikum vermitteln möchte: Mit der richtigen Einstellung und Motivation kann jeder seinen Traum erreichen.

„Filme sind wie eine Waffe“

Besonders wichtig ist Can, welche Botschaft er vermittelt.  Auf den ersten Blick scheint die Arbeit vom Team „Reel Deal“ jedoch etwas widersprüchlich: „Wir sind gegen Gewalt, aber zeigen auch irgendwie Gewalt“, betont Can. Das Wichtigste sei also immer, sich bewusst zu machen, welchen Einfluss man auf sein Publikum haben kann. Seien es nun Prügeleien oder rauchende Filmhelden, die in den Augen der Jugendlichen einfach nur „cool“ aussehen. Can weiß aus eigener Erfahrung, dass gerade junge Zuschauer zur Nachahmung neigen, ohne darüber nachzudenken: „Filme sind wie eine Waffe. Es kommt darauf an, wie du sie einsetzt.“ Wenn sich Can mit der Botschaft einer angebotenen Rolle nicht identifizieren kann, versucht er sie nach Möglichkeit abzulehnen.

Can Aydin und Sylvester Stallone

Can Aydin entdeckt schon früh die Begeisterung für Kampfkunst

Gerade im Kampfsport scheint es wichtig, positive Vorbilder zu haben. Von Kindesbeinen an begeisterten sich Can und sein älterer Bruder für die Filme von Sylvester Stallone: „Ich kann mich immer noch daran erinnern, dass ich mit ungelogen zwei Jahren das erste Mal Rocky gesehen habe.“ Rocky Balboa, gespielt von Sylvester Stallone, wurde von da an sein Vorbild. Mit bereits vier Jahren fing er mit Ringen an. Es folgten Boxen, Kickboxen, Thaiboxen, Brazilian Jiu Jitsu, Grappling, Akrobatik und später Feldfighting.

„Im Leben muss man kämpfen“

Alle zwei Jahre hat sich Can für eine neue Art des Kampfsports begeistert. Mit dem richtigen Trainer kann man sich dabei immer wieder motivieren und lernt das, was das Kämpfen letztendlich ausmacht: Disziplin, Fairness und Fleiß, der sich auszahlt. In Cans Fall war dieser Coach vor allem Rocky Balboa, denn nur er war neben den ständig wechselnden Ausbildern „immer“ bei ihm. Es ging dabei nicht um den starken muskulösen Typen, der boxt, sondern mehr um die Philosophie dahinter: Jeder kann etwas erreichen und sollte respektvoll behandelt werden.

„Im Leben muss man kämpfen“, das erkennt Can besonders im Alltag: „Jeden Morgen früh für die Uni aufzustehen, das ist Kämpfen!“ Effizientes Arbeiten und Disziplin, die man jeden Tag aufbringen muss, um eine Sache abzuschließen, sind viel schwerer aufrechtzuerhalten, als man meint.

Mit Jackie Chan und Mercedes zum Erfolg

Der Weg vom Kampfsport zum Film erfolgte für Can durch eine Zeitungsannonce. Diese machte ihn auf ein Casting aufmerksam und legte den Grundstein für seine Schauspielkarriere. Er bewarb sich für den Film „In 80 Tagen um die Welt“ mit Jackie Chan und wurde genommen. Bereits Monate zuvor traf er den bekannten Actionstar bei einer Premiere in Berlin. Aber mit ihm einmal zusammen zu arbeiten war für Can bis dato unvorstellbar gewesen. Daraufhin packte ihn die Leidenschaft an der Schauspielerei und er arbeitete etwa drei Jahre am Türkisch-Deutschen Theater. Es folgten verschiedene Serien und eigene Projekte.

Neben dem Kampfsport und dem Film entwickelte sich aber noch ein zweites, ganz anderes, Standbein. Nach einer Ausbildung bei Mercedes-Benz begann er trotz schlechter Schulnoten in Mathematik ein Studium der Wirtschaftsingenieurwesen. Auch das sieht Can als Teil seiner Botschaft an die Öffentlichkeit, denn man kann auch in verschiedenen Bereichen erfolgreich sein, wenn man nur will: „Es gibt tausend Wege. Alle Wege führen nach Rom. Man muss sich nur einen aussuchen.“

Can in der Hauptrolle

Cans erster eigener Film, in dem er eine Hauptrolle spielt, wird dieses Jahr erscheinen: „Hero“, eine Underdog-Geschichte. Der Film wurde in der Türkei gedreht, wo „Reel Deal“ wahrscheinlich in Zukunft des Öfteren anzutreffen sein werden. Sie spielen in einer türkischen Serie über das Osmanische Reich mit und haben erst kürzlich eine Choreografie für diese entworfen. Can wird also gerade in den kommenden Sommermonaten weiterhin eher zum vitaminreichen Saft als zum Kaffee greifen.

 

Text: Catharina Jucho.

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