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Mr Hai: Fleiß, Disziplin und Sauberkeit

Mr. Hai – ein bekannter Name in Deutschland, insbesondere in Berlin. Vier Restaurants und hundert Mitarbeiter – das ist die Bilanz der vergangenen 22 Jahre. Er selbst ist kein Japaner, sondern Vietnamese, doch seine Sushis gehören zu den Besten. Warum das so ist, welchen Weg er bis heute beschritten hat und was sein Erfolgsrezept ist, das hat Mr. Hai migration-business verraten.

Erfahrungen aus Vietnam

1988 kam Mr. Hai (Foto) aus dem Vietnam nach Deutschland. Er wollte die weite Welt kennenlernen und schloss daher einen Gastarbeiter-Vertrag mit der damaligen DDR.
Die zuvor in Vietnam gesammelten Erfahrungen sind die, die ihn in Deutschland in besonderem Maße zum Erfolg geführt haben. Auf der einen Seite war er über längere Zeit beim vietnamesischen Militär. Diese Zeit war ein sehr anstrengender Abschnitt seines Lebens. Doch hat sie ihn drei zentrale Werte gelehrt: Fleiß, Disziplin und Sauberkeit. Auf der anderen Seite hatte seine Mutter dreißig Jahre lang einen kleinen Imbiss in Saigon. „In Asien ist der Respekt vor Älteren und besonders den Eltern gegenüber selbstverständlich. Daher habe ich meiner Mutter oft geholfen, wenn es darum ging, auf dem Markt für sie einzukaufen oder ihr bei Vorbereitungen für das Essen zu helfen“, erzählt Mr. Hai.

Mr. Hai in Deutschland

Angekommen in Deutschland hat er zunächst als Küchenhilfe beim Tellerwaschen geholfen. „Es ist mir schwer gefallen, einst in der Politik und im Militär Vietnams tätig gewesen zu sein und nun Teller waschen zu müssen. Aber ich wusste, dass man im Leben kämpfen muss und sich nicht sagen darf, dass etwas nicht geht. Ansonsten zerstört man seine Zukunft“, erklärt Mr. Hai. Daher hat er so häufig es ging versucht, seinen deutschen Kollegen beim Kochen zu helfen. Er wollte Neues lernen, die deutsche Esskultur verstehen.

Kochen ist inzwischen seine Leidenschaft. Und warum ist er so erfolgreich damit?

Weil Mr. Hai sich bei seinem Geschäft auf die zentralen Werte seiner Militärzeit besinnt: Fleiß, Disziplin und Sauberkeit. Jeder Mitarbeiter, der bei ihm anfängt muss diese Werte akzeptieren und sollte seine Arbeit vor allem mit Leidenschaft angehen. Außerdem ist er offen für fremde Kulturen. „Viele Menschen kommen in ein fremdes Land, beispielsweise Deutschland, und bleiben bei ihrer Kultur. Ich aber akzeptiere jede neue Kultur. Es gibt so viel Neues und so viel Wertvolles, was man aus den verschiedensten Kulturen lernen und mitnehmen kann, ob nun aus China, Japan, Deutschland oder sonst wo her“, betont Mr. Hai.

Er selbst hat sehr viel von seinem Meister gelernt. Dieser war Japaner. „Japaner sind sehr stolze Menschen und in besonderem Maße ihrer eigenen Kultur verbunden. Ich musste mich als Fremder erst einmal beweisen.“ Das konnte Mr. Hai und so wurde er akzeptiert. Er hat sehr viel gelernt, weil er seinem Meister zeigen konnte, dass er wie ein typischer Japaner ist: fleißig, diszipliniert und respektvoll gegenüber Älteren. In Asien hat man zum Teil sogar größeren Respekt vor seinem Meister als vor seinen Eltern, denn der Meister begleitet einen beruflich das ganze Leben lang. „Als ich anfing Sushi zuzubereiten, haben die Leute über mich gelacht. Sie meinten, dass ich „Bauarbeiterhände“ hätte und mit diesen kein Sushi zubereiten könnte. Doch ich habe viel geübt. Ich habe zu Hause oft Reis in Toilettenpapier eingerollt, bis ich es irgendwann gut konnte“, schildert Mr. Hai. „Du musst Dich immer versuchen irgendwie zu motivieren und zu fragen, welcher Weg zum Ziel führt. Erfolgreich wirst du dann, wenn du etwas anderes tust, als die meisten deiner Freunde und Kollegen, sprich: ein neues Konzept entwickelst“, so Mr. Hai.

Was zeichnet Mr. Hai aus?

Das Entscheidende bei Mr. Hai besteht also darin, dass er ständig auf der Suche nach Neuem ist. „Ich bereite als Vietnamese zwar Sushi und japanisches Essen zu, doch bleibe ich nicht beim Konventionellen, sondern versuche immer wieder Neues einzubauen.“ Mit dieser Denkweise hat er als Koch erfolgreich die Restaurants gefüllt, bevor er finanziell unterstützt wurde, um sich selbstständig zu machen. Im Jahr 2000 eröffnete Mr. Hai sein erstes Restaurant – das „Kabuki“ nahe dem Olivaer Platz in Berlin-Charlottenburg. Damals noch war diese Gegend kaum besucht, obwohl sie nahe dem Kudamm ist. Doch gute Qualität und intensive Kundenpflege waren wichtiger als die Lage, davon ist Mr. Hai überzeugt.

Shabuki Shabuki Shabuki

Mr. Hai und seine Restaurants

Und der Erfolg gibt ihm Recht: Heute hat er vier Restaurants: Das Kabuki, direkt daneben das Shabuki, das neueste Restaurant, welches 2010 eröffnete, das Friends am Savignyplatz und das Life direkt am Rathaus Steglitz, ausgestattet mit modernstem Design und faszinierenden Lichtsystemen. Die Restaurants zeigen seinen Drang, immer neue Ideen zu verwirklichen und innovative Konzepte umzusetzen.

Mr. Hai kombiniert in seinen Restaurants traditionelle Sushis mit neuartigen Kreationen. „Wenn Sie immer dasselbe anbieten, wie Nigeri, Maki, Inside-Out, wird das auf lange Zeit einfach langweilig. Meine Mutter hat häufig chinesische Frühlingsrollen gemacht und da habe ich mir überlegt: Es gibt ja gar keine Frühlingsrollen mit Sushi!“ Das war die Geburtsstunde der so genannten „Sommerrolle“.

Durch seine Arbeit mit deutschen Köchen in der Vergangenheit kennt Mr. Hai den deutschen
Geschmack äußerst gut. Von Philadelphia-Aufstrich über Käse bis hin zu vielen anderen Speisen – Mr. Hai kombiniert deutsche Essgewohnheiten mit japanischer und vietnamesischer Küche. Doch bevor diese auf die Speisekarte kommen, lässt er sie von deutschen Freunden testen. „Viele behaupten, ich sei ein erfolgreicher Geschäftsmann. Die haben zwar Recht. Aber ich bleibe ein Koch“, betont Mr. Hai, der stets den direkten Kontakt zu seinen Kunden sucht.

Und was gefällt ihm besonders an Deutschland?

„Deutsche sind sehr offen, was Essen betrifft. Sie akzeptieren Essen aus den verschiedensten Kulturen. Das zeigt sich vor allem an der sehr vielfältigen Auswahl an Restaurants in Deutschland. In vielen Ländern sind sie oft sehr festgefahren auf das einheimische Essen. Ich bin den Deutschen daher sehr dankbar dafür“, bemerkt Mr. Hai abschließend.

Er freut sich über jeden Kunden, der zu ihm kommt, auch wenn dieser ehrlich sagt, dass es ihm nicht schmeckt. Sollte dies der Fall sein, so antwortet er: „Ich danke Ihnen für Ihre Meinung, kommen Sie bitte nächstes Mal wieder, dann wird es hoffentlich besser!“

 

Text: Dario Mohtachem.

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