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connecticum 2012

Deutsche Unternehmen müssen in Zukunft vermehrt auf ausländische Fachkräfte setzen, um auch weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben. Ist das auf der connecticum, dem weltweit größten Treffpunkt von begehrten Absolventen und renommierten Arbeitgebern, angekommen? migration-business war vor Ort und hat nachgefragt.

Bereits zum 10. Mal fand die connecticum, eine der weltweit größten Firmenkontaktmessen, in Berlin am Flughafen Tempelhof statt. Vom 24. – 26. April 2012 boten mehr als 350 Unternehmen Hochschulabsolventen und Studierenden die Möglichkeit sich vor Ort mit Experten aus Personal-und Fachabteilungen auszutauschen. Young Professionals aus dem In- und Ausland wurden gezielt aufgefordert, mit potenziellen Arbeitgebern in Kontakt zu treten.

Doch inwieweit wird das Potenzial ausländischer Absolventen genutzt? Wie international denken die Unternehmen wirklich? Der Schwerpunkt der Messe lag auf Informatik, Ingenieur-und Wirtschaftswissenschaften. Dies sind Bereiche, die akut vom Fachkräftemangel betroffen sind. Die sogenannte MINT- Lücke (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) erreichte letztes Jahr ein neues Hoch mit über 150.000 fehlenden Fachkräften. Daher sollte eine Fokussierung auf qualifizierte ausländische Absolventen deutlich erkennbar sein.

Elsie Chan, Austauschstudentin aus Hong Kong, nutzt die Messe um internationale Kontakte zu sammeln und sich ein Praktikum in einer deutschen Firma zu sichern. Eine wichtige Information für sie heute: Deutsch gilt als Grundvorraussetzung in den meisten deutschen Unternehmen.  Was sie allerdings auch überrascht hat: „Auf der anderen Seite haben viele Austeller Probleme mit Englisch“. Ihre Verwunderung darüber kann sie kaum verbergen. Mit ihrem Abschluss in Tourismus und Internationalen Management kann sich die junge Studentin durchaus vorstellen in Europa und auch in den USA tätig zu sein. Die Kontaktmesse war auf jeden Fall ein Erfolg für sie. Obwohl ihr Studium nicht dem Schwerpunkt der Jobmesse entspricht, hat sie viele interessante Abgebote gefunden. „Die Messe ist sehr gut organisiert und man kann mit entsprechender Vorbereitung viele nützliche Informationen über künftige Arbeitgeber sammeln“.

Die Idee ausländischen Absolventen einen Start im Unternehmen zu ermöglichen, ist Nina Bütterich von engineering people nicht neu.  Die Personalreferentin sprach mit migration-business über die Personalstrategien ihrer Firma.  In dem deutschen Unternehmen mit Sitz in Stuttgart gilt Deutsch ebenfalls als Vorraussetzung für eine Anstellung. Allerdings sind hier Grundkenntnisse ausreichend, wenn die fachlichen Qualifikationen und praktischen Erfahrungen überzeugen und parallel weiterführende Sprachkurse belegt werden. Auch bei unterschiedlichen Hochschulabschlüssen der einzelnen Länder sieht sie kaum Probleme: „Ein großer Faktor ist für uns ist ein relevantes Praktikum“.  Im Unterschied zum letzten Jahr bemerkt die Personalreferentin große Unterschiede bei den Bewerbern: „Vor allem Absolventen aus Spanien kommen dieses Jahr verstärkt auf uns zu“. Die Wirtschaftskrise Spaniens zieht eine Abwanderung der Fachkräfte nach sich, von der deutsche Unternehmen durchaus profitieren könnten. Obwohl engineering people bereits ausländische Fachkräfte für sich gewinnen konnte und aktiv beim Start in Deutschland begleitet, konzentriert sich das Rekruiting nach wie vor auf den Markt in Deutschland. Initiativen, die gezielt Fachkräfte aus dem Ausland anwerben, sind noch nicht Teil der Unternehmensstrategie. Dem drohenden Fachkräftemangel wird eher mit einem verstärkten Hochschulmarketing und einer Konzentration auf ältere Arbeitnehmer begegnet. Hier werden leider viele Chancen vertan. Von der Brisanz des Fachkräftemangels ist hier kaum etwas zu spüren.

 

Text: Katharina Horn.

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