«

»

Kann Europa eine Währung haben?

Klaus Regling (links)

„Zur Einheit gezwungen oder zum Glück vereint?“unter der diesjährigen Frage zu aktuellen wirtschaftlichen und politischen Problemen Europas diskutierten die geladenen Gäste des Humboldt Forum Wirtschaft am 23. Mai 2012.

Das ökonomische Symposium, das jährlich seit 2001 von Studenten der Humboldt-Universität zu Berlin organisiert wird, wurde mit einem Grusswort von Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz, dem Präsidenten der Humboldt-Universität zu Berlin, feierlich eingeleitet.

 

 

Die Eröffnungsrede hielt der ehemalige Entwicklungs- und Umweltminister Norwegens Erik Solheim. Die wissenschaftliche Konferenz gliederte sich in vier Podien, die sich mit den wichtigsten Fragen bezüglich der Rolle Europas, dessen Zukunft und der Perspektive des Euros beschäftigten.

Die Medien zeichnen ein zu negatives Bild

„Kann Europa eine Währung haben?“, lautete die erste Frage, die unter anderem von Klaus Regling, dem Geschäftsführer der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) kritisch betrachtet wurde. Dieser wies ausdrücklich darauf hin, dass Europa schnellere Fortschritte hinsichtlich der Anpassung in der Krise mache als Medienberichten zufolge. Diese seien meist nur auf das Sorgenkind Griechenland fixiert. „Defizite in Europa schrumpfen und in allen europäischen Ländern wächst der Exportmarkt“, erklärte das Vorstandsmitglied der Europäischen Investitionsbank, das auch die Rettungsmaßnahmen als eine wichtige Säule im Kampf gegen die Krise sieht. Auch zu Griechenland äußerte sich der Euro-Befürworter positiv: „Griechenland aus der Euro-Zone auszuschließen, wäre die teuerste Lösung von allen.“

Prof. Dr. Markus Kerber (links außen)

„Einheitliche Währung ist reine Fiktion“

Gegen die Rettungsschirme argumentierte Prof. Dr. Markus Kerber, Gründer der Europolis-Gruppe. „Die Existenz einer einheitlichen Währung ist reine Fiktion“, provozierte der Professor der Technischen Universität Berlin. Anstelle dessen habe Europa 17 verschiedene Währungen aufgrund von 17 verschiedenen politischen Richtungen und 17 verschiedenen Banken. „Wir müssen einen realpolitischen Weg aus der Krise finden“, mahnte der promovierte Jurist. Er sehe es nicht ein, dass Deutschland Griechenlands und Frankreich Spaniens Schulden zahle.

Europäischer Zivilkrieg?

Wer den Euro behalten möchte, solle die Erlaubnis dazu haben. Kerber befürwortete als Lösung für das Versagen des Euros die Einführung paralleler Zweitwährungen. „Ich möchte, dass die europäische Integration foranschreitet, aber sie muss neu gestaltet werden. Wenn wir keine Lösung finden, um aus der Krise zu finden, werden wir eine Art europäischen monetären Zivilkrieg herbeiführen.“

Philip D. Murphy

Nach der einer Kaffeepause wurden die Vorträge zu Fragen der Sicherheit in Europa, zu den Elementen des Zusammenhalts und zur Migration innerhalb der Europäischen Union mit namhaften Referenten wie dem US-amerikanischen Botschafter Philip D. Murphy und dem Leiter des UN Verbindungsbüros für Frieden und Sicherheit Marco Bianchini fortgesetzt. Abgeschlossen wurde das 12. Humboldt Forum Wirtschaft mit einem Sektempfang, der den diskussionsreichen Tag ausklingen ließ.

 

 

 

Text: Maggie Yeh

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>