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Odyssee im Jeep

Der abenteuerlustige Kiezberliner Lorenz arbeitet nun schon seit einiger Zeit in Addis Abeba und hat sich sowohl an den morgendlichen Ruf des Imam als auch an das weiche, säuerliche Injeera-Brot gewöhnt und zudem eine latente Abhängigkeit von seinem Lieblingsgetränk „Spris“ entwickelt. Doch eigentlich hat es Lorenz nicht nur aus kulinarischer Neugier ans afrikanische Horn verschlagen. Er arbeitet für ein grünes Unternehmen, welches den Abbau von Bambus fördert, um der voranschreitenden Waldrodung entgegenzuwirken.

Ganz konkret ist seine Aufgabe die Beschaffung von Büormaterialien, Druckern, Computern, Servern, Stühlen, Tischen, Küchenausstattung und allem, was sonst noch zur Grundausstattung gehören kann. Ganz konkret ist es nicht nur Procurement (Beschaffung) sondern auch Logistic ( Import/Export von Chemikalien, Maschinen und Produkten) und Contracts (Verträge mit den Zulieferern, Bauunternehmen, etc.). Auf seiner Suche nach den verschiedenen Besorgungen auf seiner Liste verbringt er fast den ganzen Tag im Auto. Internet ist schwer zugänglich und so kann er sich vorher selten ein Bild über das Angebot der einzelnen Läden verschaffen. Das Problem ist nicht das Internet sondern die Internetpräsenz von Geschäften. Die ist nämlich so gut wie nicht vorhanden. Das Herumfahren mit dem Auto von Geschäft zu Geschäft ist damit eine seiner Beschäftigungen, welche dadurch erschwert wird, dass es kein Navigationssystem gibt, die Karte nicht up-to-date ist und Äthiopier keine Karten lesen können. Konkrete Adressen gibt es nicht, Straßen haben meist mehrere Namen oder keinen – man orientiert sich meist nur an dem nächst größeren Gebäude.

Seit seiner Ankunft hat Lorenz  verschiedenste Wagen ausprobiert. Nachdem er feststellen musste, dass der Land Rover auf dem schroffen Gelände wie ein träges Schiff wankt, ebenso wie der Ford Pickup und erst recht der Beetle, kam ein Toyoto Corolla ins Rennen, dessen jahrelang ungenutztes Gebläse Lorenz jedoch eine üppige Portion Staub ins Gesicht schleuderte und so nicht für mehr Sympathie sorgen konnte als seine Vorgänger. Der Pickup wankt nicht, dessen Federung ist nur etwas durch. „Der Toyota ist das Auto, das am wenigsten von mir genutzt wird. Am meisten bin ich in meinem geliebten Beetle unterwegs. Er ist klein, flink im Verkehr und schluckt nur 12-15 Liter!“, so Lorenz. Bald sollen neue Autos beschafft werden – Lorenz hofft auf einen geräumigen Land Cruiser – für den Großstädter ist das ruppige Fahren im Geländewagen schon ein außergewöhnliches Vergnügen.

Wer so viel Zeit im Auto verbringt, verspürt schnell das Bedürfnis nach körperlicher Aktivität zum Ausgleich. Lorenz hat sich mutig für eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio entschieden. Dass im nicht gerade preisgünstigen äthiopischen Sporttempel jedoch die ein oder andere Überraschung auf ihn wartet, ist wohl klar…

 

Text: Maximiliane Schwerdt.

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