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Wege in die Freiheit

Blogger, politischer Aktivist, Buchautor, Journalist- und Flüchtling. Zekarias Kebraeb ist erst vor wenigen Jahren unter lebensgefährlichen Umständen nach Deutschland gekommen. Heute strebt er ein Studium an, ist politische engagiert und sucht wie viele Studenten ein Zimmer in Berlin. migration business sprach mit dem 26-jährigen, der als Botschafter für gelungene Integration auch für sein Heimatland Eritrea etwas bewirken und verändern will.

„Endloser Militärdienst, Drill, Misshandlungen, Folter und Sklaverei. Menschen ohne Zukunft, Land ohne Zukunft- Eritrea ohne Zukunft.“ So schreibt Zekarias Kebraeb in seinem Blog über seine Heimat. Zekarias will nicht schweigen. Ohne Umschweife kommt er auf den Punkt. Und so hört man ihm gebannt zu, denn die ruhige Stimme hat vieles zu sagen. Der junge hochgewachsene Mann setzt sich von Deutschland aus für die Freiheit seiner Landsleute ein und fordert ein Ende der dortigen Militärdiktatur. Früher veröffentlichte er Artikel in einer Jugendzeitschrift in Eritrea. Das war jedoch bevor es für Journalisten dort zu gefährlich wurde und sie für kritische Artikel festgenommen wurden. Die politische Situation und der lebenslange Militärdienst machten nicht nur Zekarias zu schaffen. Flucht wurde für die Bevölkerung zu einem alltäglichen Thema und so ist auch Zekarias vor 9 Jahren als 17-jähriger aus Eritrea geflüchtet.

Die Wahrheit muss ans Licht kommen

2011 veröffentlichte Zekarias gemeinsam mit der Journalistin Marianne Moesle ein Buch: „Hoffnung im Herzen- Freiheit im Sinn“. Er beschreibt darin seine vierjährige Flucht, um „die Wahrheit zu sagen, warum ich aus Eritrea geflüchtet bin“. Sein langer und gefährlicher Weg anfangs in der Obhut von Schleppern führte ihn durch die Wüste im Sudan nach Libyen und über das Mittelmeer nach Italien. Da er in Mailand für sich keine Zukunft sah, ging es weiter in die Schweiz. Wie auch schon in Italien wurde sein Asylantrag dort jedoch abgelehnt. Also machte er sich erneut auf den Weg, diesmal Richtung Dänemark. Seine Flucht endete jedoch kurz vor dem Ziel. In Norddeutschland wurde er von deutschen Grenzpolizisten festgenommen. „Es war ein langer und dramatischer Weg“, sagt Zekarias. Und wer sein Buch liest, versteht, dass dramatisch nur sehr vage vermittelt, was Zekarias erlebte. In Deutschland versuchte er sein Glück erneut und stellte einen Asylantrag. Er dachte: „Wenn alles klappt, dann bleibe ich auch in Deutschland.“ Und es klappte.

Heimat ist da, wo Freiheit ist

Vier Jahre dauerte es letztendlich bis Zekarias in Europa bleiben durfte und eine deutsche Aufenthaltsgenehmigung in den Händen halten konnte. In diesen vier langen Jahren setzte er seine Reise trotz der katastrophalen, menschenunwürdigen und lebensgefährlichen Umstände immer fort, denn Europa bot ihm Hoffnung und Freiheit. Nürnberg ist heute zu seiner deutschen Heimat geworden. Darin besteht für Zekarias kein Zweifel: „Nürnberg ist die Stadt in Europa, in der ich am längsten gelebt habe.“ Er hat dort Freunde gefunden, kann sich frei bewegen und die schöne Gegend erkunden. Die vielen Möglichkeiten einer großen Stadt gefallen ihm besonders gut. In Nürnberg machte er einen deutschen Schulabschluss, lernte Deutsch und ließ sich im Gastgewerbe ausbilden.

Auch Grenzpolizisten können von ihm etwas lernen

Mit dem Schreiben hörte Zekarias aber nicht auf. Er setzte das fort, was er in Eritrea zurückgelassen hatte. Auch Marianne Moesle wurde durch einen Artikel im Internet auf ihn aufmerksam. Zurzeit sind die beiden mit ihrem Buch auf Lesereise unterwegs. Vor kurzem war Zekarias bei der Bundespolizei Akademie in Lübeck und las den 400 angehenden Grenzpolizisten Passagen seiner Fluchtgeschichte vor. So konnten diese einmal „die andere Seite“ kennenlernen und verstehen. Das war ihm besonders wichtig, da ja auch er vor ungefähr sieben Jahren in Lübeck als illegaler Einwanderer festgenommen wurde. Von diesem und anderen Erlebnissen aus Deutschland berichtet Zekarias nun regelmäßig in seinem Blog. Auch schreibt er über seine Flucht und Gedanken über die Situation in Eritrea.

Zekarias ist der erste Stipendiat der Deutschlandstiftung Integration

Unterstützt wird er dabei von der Deutschlandstiftung Integration. Nachdem Wolfgang Fürstner, der Vorsitzende der Deutschlandstiftung, ihn zufällig in einer Talkshow im Fernsehen sah, setzte er sich sofort mit ihm in Verbindung und lud Zekarias zum Neujahrsempfang ein. Dass er dort auch gleich Kanzlerin Merkel kennenlernte hatte Zekarias nicht erwartet. Die Stiftung war gerade dabei ihr Stipendiatenprogramm aufzubauen und so wurde Zekarias der erste Stipendiat. Seit Februar wohnt er nun in Berlin und wird durch das Mentorenprogramm unterstützt. Die Stipendiaten sollen ihre Möglichkeiten in erster Linie voll ausschöpfen können. „Ich hatte zum Beispiel als Flüchtling keine Zeugnisse aus Eritrea“, erzählt Zekarias. „Und wenn ich jetzt anfange, dann von der 9. oder 8. Klasse. Das ist schade, denn das kostet Zeit.“ Die Stiftung half ihm dabei sein Zeugnis aus Eritrea zu bekommen, damit er es hier anerkennen lassen kann. Dann darf er hier auch studieren. Für ihn ist klar, dass es auf jeden Fall in die politische Richtung gehen wird, denn er will sich weiterhin für Eritreas Freiheit einsetzen.

„Irgendwann geht auch die Zukunft einer Diktatur zu Ende.“

Gemeinsam mit der deutschen eritreischen Gemeinde und der dortigen Jugendbewegung macht er öffentlich auf die Situation in Eritrea aufmerksam und setzt sich für Demokratie und Veränderungen in Eritrea ein. „Wir machen Demos und ich nutze soziale Netzwerke und schreibe Kommentare.“ In seinem Blog schreibt er „Irgendwann geht auch die Zukunft einer Diktatur zu Ende. Alles hat seine Zeit. Darauf setzen wir. Dann beginnt die Hoffnung für Eritrea, auf die so viele Menschen setzen.“ So kämpft Zekarias unermüdlich weiter für die Freiheit seiner Heimat. Eine Freiheit, die er in Europa gefunden hat.

 

Text: Catharina Jucho.

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