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Ein starkes Team kann jede Hürde überwinden

Gründerinnen Yulia Schulte (links), Anna Tabacnik (rechts) und der Praktikant Manas Kadyrbaev (mitte) in den Gründerräumen der FU Berlin (Profund). © profund/FU Berlin

Neue Marken, neue Mitarbeiter und erste Investitionen. Bei Etosalon hat sich viel getan, aber auf manche Komplikationen kann man sich nicht vorbereiten. migration business informierte sich bei Yulia Schulte, einer der Gründerinnen, über den aktuellen Stand des Onlineshops und sprach mit ihr über Teamarbeit im Unternehmensalltag.

 

 

 

 

 

Am Wochenende ist Yulia Schulte oft in einem Café anzutreffen. Wenn ganz Berlin auf den Beinen ist um die ersten Sonnenstrahlen zu genießen nippt Yulia an einem Cappuccino und vertieft sich in ihre Arbeit. Denn selbstständig sein heißt rund um die Uhr am eigenen Projekt zu arbeiten. Auf der Suche nach neuen interessanten Marken durchforstet sie das Internet und blättert die vielen Zeitschriften durch. Vor allem in Stadtmagazinen wie „Ex Berliner“ findet sie das Besondere, das sie sucht. Neue Trends aufzuspüren ist eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen. „Etosalon kommt aus dem Russischen und bedeutet übersetzt „Der Salon““, erzählt sie. Der Onlineshop soll also zur ersten Anlaufstelle, vor allem für Interessenten der GUS-Staaten für neue Marken und Trends werden. Hier finden Kunden Produkte von großen und kleinen europäischen Marken, Designern und Manufakturen, die alle eines gemeinsam haben: hohe Qualität und außergewöhnliches Design. Das ist für Kunden in der ehemaligen Sowjetunion keineswegs selbstverständlich. Gleiches gilt für die fairen Preise die Etosalon bietet, denn im Gegensatz zu anderen Onlineshops will Etosalon Produkte nicht teurer anbieten als auf dem europäischen Markt.

Neue und bekannte Marken präsentieren sich bei Etosalon

Seit unserem letzten Gespräch haben Yulia und ihre Geschäftspartnerin Anna Tabacnik mit vielen Firmen verhandelt. 30 Marken haben sie bislang für sich gewinnen können, darunter zum Beispiel die deutschen Küchenutensilien- Marken Zassenhaus, Küchenprofi und Cilio. Nümph, eine dänische Modemarke für junge Frauen, und die deutsche Babymarke bellybutton, sowie die Hemdenmarke Seidensticker bieten ihre Produkte ebenfalls bei Etosalon an. Die meisten Firmen kommen aus Deutschland, einige Modemarken aus Skandinavien. „Der Akquise-Prozess nimmt jedoch kein Ende, denn wir möchten unser Angebot stets erweitern, um immer aktuelle Waren anbieten zu können.“ Wichtig ist vor allem, neben bekannten Marken neue und innovative Firmen und Produkte zu präsentieren. „Wir versuchen dynamische Marken einzubringen, die gerade auf dem aufstrebenden Ast sind und Weltmärkte eröffnen.“ Um den Kunden von Etosalon die angebotenen Firmen und Produkte näher zu bringen, wird jede Marke ein eigenes Profil haben, sodass der Kunde über alle Hintergründe eines Produkts informiert wird.

Aller Anfang ist schwer: Der Onlineshop verzögert sich

Ein exklusiver Onlineshop ist jedoch auch mit einigen Komplikationen verbunden. Anfang Mai sollte die Online-Plattform auf den Markt gehen. Der Start wurde jedoch neben Problemen mit der Programmierung auch durch die räumliche Trennung, die es schwierig machte die jeweiligen Vorstellungen schnell und effizient umzusetzen, verzögert.

Die Beta-Version des Shops soll nun Ende Juni online geschaltet werden. „Nach und nach werden wir sie optimieren. Wichtig ist, dass wir schnellstmöglich online gehen.“ Dabei benutzen sie die Open Source Version von Magento.

Ein weiterer Knackpunkt ist der Export der Produkte, die Etosalon anbietet. Gerade mit den vor Ort schon etablierten Firmen müssen sie den Verkauf genauestens absprechen und eine definitive Zusage erhalten. Große und globale Firmen, deren Produkte bereits etabliert sind, haben meist schon Geschäfte in der Region. „Die Verkaufsgespräche führen wir größtenteils telefonisch. Wenn es Markenvertreter in Berlin gibt, dann besuchen wir diese auch persönlich.“

Mund-zu-Mund-Propaganda ist eine wesentliche Marketingstrategie

Die ersten Marketingmaßnahmen wurden auch auf den Weg gebracht, aber für umfangreiche Werbung fehlt den beiden noch das Budget, denn den erhofften Mikrokredit haben sie nicht bekommen. Daher nutzen sie vor Ort in den GUS-Staaten die „klassische“ Variante, indem sie Freunde und Bekannte mit einbeziehen und mit Journalisten zusammenarbeiten. Neben Facebook werden sie nach Markteintritt auch auf den russischsprachigen Social- Media- Plattformen präsent sein. „Später kann man eventuell noch mit lokalen Onlinemedien aus Russland, Kirgistan, oder Kasachstan zusammenarbeiten“.

Investitionen muss man abwägen

Trotz des knappen Budgets haben sich Yulia und Anna in das bekannte Logistik- Lagerhaus eCom entschieden. „Wir sind für die eCom der erste Kunde im Bereich E-Commerce B-to-C, der Ware fast ausschließlich in die GUS Region sendet.“ Der Weg über ein Lagerhaus nimmt den beiden Unternehmerinnen viel Arbeit ab und spart Zeit, da sie sich so nicht um die professionelle Kommissionierung, Verpackung und den Versand der Ware kümmern müssen. So bekommt Etosalon einen zuverlässigen und erfahrenen Partner im Bereich Fulfillment und kann sich vollständig auf die Bereiche Marketing und Vertrieb konzentrieren.

Einige Aufgaben abzugeben lässt Anna und Yulia mehr Raum für die Umsetzung von neuen Ideen. Gerade haben sie neben dem Team in der Ukraine, das sich um die Online- Plattform kümmert, zwei Praktikanten als Verstärkung an ihrer Seite engagiert. „Ab einem bestimmten Punkt merkt man, dass man bestimmte Sachen einfach nicht mehr alleine schaffen kann. Außerdem finden wir es toll, kreative Köpfe im Team zu haben, die ganz unterschiedlich ticken und neue Impulse und frischen Wind einbringen.“

Um als Team zu funktionieren ist es wichtig mit Stresssituationen umgehen zu können“

Die Zusammenarbeit als verlässliches Team ist für jedes Start-Up- Unternehmen besonders wichtig, denn jede noch so gute Idee kann am Ende durch fehlende Absprachen oder Missverständnisse scheitern. „Entscheidend ist, wie das Team mit Stress umgeht und ob es Spaß bei der Arbeit hat. Ohne den Spaßfaktor ist ein Team nicht produktiv“. Unterschiedliche Persönlichkeiten, die sich ergänzen und bereichern, machen in Yulias Augen hier den Erfolg des Unternehmens aus. Dabei ist auch eine klare Aufgabenverteilung je nach Kompetenzbereich der beiden Gründerinnen wichtig. Während Anna ihre Kenntnisse als Projektmanagerin bei der Leitung, Steuerung und Organisation von Betriebsprozessen und Controlling einsetzt, konzentriert sich Yulia auf die Akquise von Lieferanten und Marketing. „Erfahrungen im Bereich Strategien für Marketingansätze, Akquise, Fundraising und Management kann ich bei Etosalon gut einbringen.“, so Yulia. Das, was sie zusammen beim Marktforschungsunternehmen gelernt haben versuchen die beiden nun umzusetzen. Alle Themen, welche die strategische Unternehmensentwicklung betreffen, wie die Auswahl von Geschäftspartnern, die Planung des Sortiments für den Onlineshop und Teamerweiterung werden im Team zusammen entschieden.

Als Start-Up arbeitet man unter enormen Druck und ohne Sicherheiten, die ein etabliertes Unternehmen bieten würde. Konflikte treten letztendlich in jedem Unternehmen irgendwann auf. Entscheidend ist hier konstruktiv damit umzugehen. „Wichtig ist es offen über Probleme zu reden. „Man kann die Probleme nicht unausgesprochen lassen, sondern muss sie offen und effektiv angehen. Zu einer lockeren Atmosphäre gehört, dass man auch Konflikte hat und da können wir uns als Gründerinnen nicht einfach wegducken. So sind wir im Endeffekt am produktivsten.“ Für die Unternehmerinnen ist das Voranbringen des eigenen Unternehmens schließlich ein Vollzeitjob. Von der Zusammenarbeit im Team hängt der Erfolg des ganzen Projektes ab.

 

Text: Catharina Jucho, Das Interview führte Natalie Cwierz.

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