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Es ist ein absurder Beruf

Jeder von uns hat seine Stimme schon einmal gehört: Als Harrison Ford, Will Smith oder „Take That“. Viktor Pavel ist Radio- und Fernsehsprecher, Autor, Dolmetscher und Regisseur. Ein Multitalent, das mittlerweile sein 20. Jubiläum in der Branche feiern kann. Wir haben uns mit Viktor Pavel getroffen und etwas mehr über ihn in Erfahrung gebracht.

Mit Viktor Pavel begegnet uns ein tiefenentspannter Perfektionist mit akzentfreier Aussprache und einer tiefen, rauen Stimme.

Ursprünglich kommt Viktor Pavel aus der Tschechoslowakei. Im Kleinkindalter wanderten seine Eltern mit ihm nach Deutschland aus und er wuchs bei seiner hart arbeitenden Mutter in Stuttgart auf. Als er es schließlich nach Internat-Aufenthalt und privatem Gymnasium nicht mehr im, seiner Meinung nach, „kleinen und spießigen“ Stuttgart aushielt, hat es ihn nach Berlin verschlagen. Dort lebt er auch heute noch.

Pavels Weg zum Sprecher

Für Pavel war immer schon klar, dass ein „langweiliger“ Bürojob  für ihn nicht in Frage kommt. Sein Studium der Publizistik und Amerikanistik brach er ab und während er sich als Schauspieler versuchte, hielt er sich mit Aushilfsjobs über Wasser. Eines Tages sagte man ihm bei einem dieser Jobs er solle doch „etwas mit seiner Stimme machen“. Da Pavel zu dieser Zeit schon viele unterschiedliche Berufe ausprobiert hatte, beschloss er auch die Arbeit mit seiner Stimme auszuprobieren und entdeckte sein Talent für die Sprecherei.

Trotz seiner tschechischen Wurzeln entschied sich Pavel irgendwann mit seiner eigentlichen Muttersprache zu brechen, so dass er heute kaum noch in der Lage ist, tschechisch zu sprechen. Er ist stattdessen stolz darauf als erfolgreicher Sprecher in Deutschland arbeiten zu können. Durch die Zweisprachigkeit ist er jedoch sensibler für Sprache geworden. Im Rahmen seines Amerikanistik-Studiums hat er sich die englische Sprache soweit angeeignet, dass er auch auf Englisch vertont und als Dolmetscher arbeiten kann.

Den Entschluss, sein Studium abzubrechen bereut er nicht, da er heute das Glück hat die Berufe auszuüben, in denen er mit einem abgeschlossenen Studium wahrscheinlich gar nicht hätte arbeiten können.

 „Ich werde dafür bezahlt, dass ich meine Persönlichkeit mit einfließen lasse und das jeweilige Produkt verkörpere.“

Als freiberuflicher Unternehmer muss sich Viktor Pavel auch um die Auftragsbeschaffung kümmern. In seiner Anfangszeit hat Pavel viele Firmen abtelefoniert und nach Auftraggebern gesucht. Wichtig für die Auftragsfindung war die Kaltakquise und Online-Marketing. Aufgrund seiner Etablierung in der Branche ist er darauf heute nicht mehr angewiesen. Viele Aufträge bekommt er heute über Kontakte, Beziehungen und Empfehlungen, aber auch die Internetpräsenz ist nach wie vor wichtig und unentbehrlich. „Ich war einer der ersten drei Sprecher im Internet und es ist sehr wichtig, dass man dort präsent ist und gefunden wird.“

International unterwegs

Pavel hat auch international viele Kunden. Sei es in der Türkei, in den USA oder aber auch in den Arabischen Emiraten. Er hat jährlich etwa zwischen 70 und 100 unterschiedliche Auftraggeber, wobei die Auftragsdichte sehr unterschiedlich ist, so dass langfristiges Planen sich schwierig gestaltet. Man muss in diesem Beruf sehr flexibel sein und darf, wenn man erfolgreich darin sein will, die unternehmerische Seite nicht unterschätzen. „ Man muss meine Arbeit als kreative Dienstleistung sehen und nicht als Künstler denken.“

Mit der Stimme Geld verdienen?

Pavel freut sich darüber, dass er in vielen Aufträgen seine Erfahrungen mit einfließen lassen kann. Er gibt aber auch zu, dass es ein absurder Beruf ist mit einer Alltäglichkeit wie dem Sprechen sein Geld zu verdienen. Er würde aber auf gar keinen Fall seinen Beruf gegen einen anderen tauschen wollen. Die nötige Flexibilität ist natürlich schwierig mit der Familie und dem Privatleben zu vereinbaren. Da ist es für Pavel regelrecht ein Luxus, das Telefon mal auszuschalten und sich am Wochenende frei zu nehmen.

Heute gibt er auch anderen jungen Nachwuchstalenten Tipps und bietet seine Hilfe an, da er auch selbst Vieles guten Ratschlägen zu verdanken hat. „Ich habe etwas bekommen und gebe auf diese Weise etwas weiter.“

 

Text: Patricia Pluszkiewicz.

1 Kommentar

  1. Uwe D. Fischer

    Viktor ist vor allem trotz seines Erfolges Mensch geblieben und ein wahrer Freund seiner Freunde!
    Nicht oberflächlich, nicht abgehoben, dafür fleißig und ehrlich, manchen vielleicht dabei zu direkt. Aber mir gerade recht!
    Bleibe so!!

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