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Hilfe, die ankommt

Friedhelm Hinsenhofen ist Geschäftsführer des Familienunternehmens LR Facility Services und hat schon viel Außergewönliches erreicht. Seine Firma gilt unter ökonomischen Aspekten als Pionier der Branche und wurde mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt. Im Jahr 2004 erlebt die Welt die erschütternde Tsunami-Katastrophe und der Unternehmer beschließt sofort zu helfen. Mit ungeahnten Folgen für eine gesamte Region. migration-business sprach mit dem symphatischen Geschäftsführer über sein internationales Projekt, die Sinnhaftigkeit und Kofferdiebe.

Herr Hinsenhofen, wie kam es zur Entstehung ihres „Sri Lanka Hilfprojektes“?

2004 gab es den Tsunami in Südostasien. Es passierte am zweiten Weihnachtstag und man hatte Zeit in der Familie zu diskutieren. Meine kleine Familie hat dann beschlossen selbst etwas zu tun und zu versuchen ein bisschen Geld zu sammeln, um vielleicht ein Dorf zu unterstüzten. Wir haben dann die engsten Mitarbeiter in unserer Firma eingeweiht und das Ziel von 10.000 Euro festgelegt. Das Ganze ist dann relativ schnell eskaliert.

Warum haben Sie Sri Lanka ausgewählt?

Indonesien war mir zu gefährlich. Indien und Thailand sind große Länder und ich dachte mir, die sind eher in der Lage sich selbst zu helfen. Sri Lanka blieb übrig. Ich kenne dieses Land persönlich. Es ein symphatisches kleines Land, eine kleine Insel, und es wurde hart getroffen. Also haben wir uns darauf konzentriert. Über einen Geschäftsfreund in Sri Lanka habe ich den Sohn des ehemaligen Staatspräsidenten kennengelernt, der unser Ansprechpartner vor Ort wurde. Wir haben versucht herauszufinden, wie können wir dort helfen? Dank der vielen Unterstützung, die wir bekommen haben, konnten wir dann 6 Kindergärten bauen, 600 Wassertanks für die Region zur Verfügung stellen und ein Berufsbildungszentrum für 450 Schüler errichten. Das war dann schon eine ganz andere Nummer. Bis jetzt haben wir ca. 400.000 Euro gespendet und verbaut. Das war nicht geplant und ist ein tolles Ergebnis. Ich muss allerdings auch sagen, dass es sehr viel Kraft gekostet hat.

Wie war ihre erste Reise?

Auf unserer ersten Reise hat man mir als Reiseprofi am Flughafen Düsseldorf direkt vor der Abreise den Koffer gestohlen. Mit allen Pässen, mit 15.000 Euro Bargeld und allem was wir hatten. Meine Frau musste kommen und uns abholen, weil wir selbst die Schlüssel für unseren Bus verloren hatten. Wir waren alle tief enttäuscht. Aber meine Mitreisenden, Auszubildende unserer Firma, meinten, dass wir uns von so einem „Mistkerl“ nicht unser Projekt zerstören lassen dürfen. Wir haben dann einen zweiten Anlauf gestartet und sind dann noch im selben Monat geflogen. Die Dörfer, die wir unterstüzten, liegen ganz im Süden von Sri Lanka, wo das Jahreseinkommen gerade mal 17 Euro beträgt. Als erstes haben wir uns um die Wasserversorgung gekümmert. Danach ging es um die Planung der Kindergärten, um die vielen Waisen nach der Katastrophe zu unterstützen.

Ihr Engagement hat sich von einer kurzangedachten Hilfsaktion in ein langfristiges Projekt, das auf Nachhaltigkeit setzt, entwickelt. Wie haben Sie das geschafft?

Die Eröffnung des Berufsbildungszentrums 2007 war sehr wichtig, damit sich die Region weiterentwickeln kann. Die Schüler haben die Möglichkeit an Englisch- und Computerkursen teilzunehmen, damit sie einen Beruf erlernen können. Sonst kommen sie nicht weiter. Am Anfang hatte ich vor, handwerkliche Kooperationen einzugehen, bis ich vor Ort feststellen musste: es gibt hier überhaupt kein Handwerk. Die letzte große Aktion war dann die Vergabe von Minikrediten für Frauen, als höchste Stufe der Entwicklung um Selbstständigkeit zu erlangen. Insgesamt haben wir schon 1.100 Familien mit Kleinkrediten unterstützt.

Welche Pläne haben Sie für ihr Projekt?

Ich werde wahrscheinlich im November nach Sri Lanka zurückkehren. Es fallen Renovierungsarbeiten an und wir bauen noch einige sanitäre Einrichtungen. Bei uns geht es immer um direkte und konkrete Hilfe.

Was ist wichtig für Sie?

Die Sinnhaftigkeit. Sich immer wieder zu fragen, das was wir tun, macht das denn eigentlich Sinn? Geld verdienen ist toll, aber kann das der einzige Sinn sein? Wenn man ein Unternehmen führt, dann ist die Messlatte der Gewinn. Aber das kann nicht das Ziel sein. Das Ziel muss ein anderes ein. Die Chance irgendwann einmal auf ein erfülltes Leben zurückblicken zu können, ist für mich das Ziel eines menschlichen Lebens.

Was ermutigt Sie Projekte wie dieses zu machen?

Natürlich gibt es auch Menschen, die mich fragen, warum ich das mache. Aber es macht mich zufrieden. Es geht um die Frage, wie ich mein Leben gestalten will und welche Möglichkeiten ich habe, um mein Umfeld zu prägen. Glauben Sir mir, es gibt eine ganze Menge Möglichkeiten! Der Wunsch etwas für andere zu tun, ist bei mir langsam gewachsen. Ich stamme aus einer armen Familie in der Nähe von Münster. Wir waren 6 Kinder und meine Mutter war gelernte Schneiderin. Wir lebten also in sehr bescheidenen Verhältnissen. Später, als ich viel Geld verdiente, kam dann irgendwann der Punkt, an dem ich mich fragte, wie ich etwas zurückgeben kann. Ein wesentlicher Einfluss war außerdem Michael Otto, vom Otto-Versand. Er hat mich ziemlich inspiriert, als ich bei ihm beschäftigt war. Er hat mich durch die Welt geschickt und mein Visier für viele Dinge geöffnet.

Was haben Sie eigentlich studiert? 

Ich habe nicht studiert. Meine berufliche Laufbahn habe ich mit einer Lehre zum Einzelhandelskaufmann bei C&A begonnen. Ich habe mein Leben lang im Management von großen Konzernen gearbeitet, obwohl ich noch nicht einmal Abitur hatte. Aber das ist gerade das Spannende. Ich war zum Beispiel Direktor beim Einkauf bei Quelle und für 1,5 Mrd. Umsatz zuständig. Das ist so eigentlich schwer möglich. Ich habe ein sehr bewegtes Leben hinter mir. Ich was nur unterwegs, bin aber sehr glücklich diese Entwicklung gemacht zu haben.

 Spendenkonto:

Landescaritasverband Oldenburg

KtNr: 4063500 BLZ 40060265

 

Das Interview führte Katharina Horn.

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