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Sie ist eine „African Mama“

Kreuzberg ist bekannt für seine Vielfalt. Hier leben viele Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen zusammen. Neben dem mediterranen Delikatessenladen, wo man für viel Geld ein Paar Oliven kaufen kann, bietet der Alt-Hippie seine in Deutschland designten, aber „authentisch“ in Indien hergestellten Saris an. Der Perser nebenan ist beliebt für seine Safranspeisen und in der türkischen Snackeria, in dem es die besten Sonnenblumenkerne der Stadt gibt, schön salzig, tobt der Bär. Hier sitzen die Schönheiten des Kiez’ , dicht an dicht neben Touries, die Kreuzberger „Flair“ schnuppern wollen und Kreuzberger Papas, die mal eben auf einen türkischen Tee vorbeikommen neben dem reflektierten Deutschen, der hier seine Datteln kauft.

Es ist noch früh am Tage und die Händler halten hier und da einen Plausch. Vorbeifahrende Autofahrer bleiben auf ein kurzes „Hallo“ stehen. Ja man könnte meinen eine vorbildliche Harmonie herrscht hier in Kreuzberg auf das wir alle ein wenig stolz sind und was unsere Antwort auf die Pessimisten ist, die behaupten, Multikulti wäre gescheitert.

Ich nehme Platz draußen auf der Bank in meinem Lieblings-Sushi-Laden. Vor mir schreibt ein Polizist einen reuigen Parksünder auf. Auch in Kreuzberg gibt es Regeln.

Plötzlich wird es laut…

Nein, das Geschrei kommt nicht von der Szene vor mir. Es ist eine Afrikanerin, die auf Englisch einen Mann beschimpft. Sie ist erbost und ruft ihm zu, dass er dumm ist und obendrein diskriminierend. Der Beschimpfte ist selbst aus Afrika und schimpft zurück. Zunächst in der gleichen Lautstärke aber zunehmend leiser. Denn sie ist eine „African Mama“! Er hat den Fehler begangen, sie anzubaggern und das, so wie es scheint, auf eine sehr unflätige Art und Weise. Sie ist außer sich! In der Afrikanischen Kultur stehen Mütter und Großmütter ganz oben auf der Hierarchieebene. Sie sind eine Institution. Wenn in einem afrikanischen Dorf ein Kind von den Eltern gescholten wird und es Zuflucht bei der Großmutter sucht, dann endet hier an der Grenze zur Großmutters Hütte die Autorität und Erziehungsgewalt der Eltern. Oder wussten Sie, dass Afrikanische Mütter die Geheimwaffe der Südafrikanischen Polizei in den Ghettos für Dealer und Drogenabhängige Kids sind. Sie gehen nachts auf die Strasse, um die Kinder aufzufordern in ihre Häuser zu gehen und niemand wagt es, ihnen zu widersprechen.

Wie es sich herausstellt, ist der Mann hier in Kreuzberg in einem der Läden beschäftigt und bei weiterem Beobachten der Szenerie sehe ich, dass er Ware entgegennimmt und diese in einen Hinterhof ins Lager befördert. Das tut er mit viel männlicher Autorität und die Art, wie er mit einigen Händlern redet oder hupende Autofahrer zurechtweist ist sehr dominant und seine Körperhaltung und seine Blicke verraten Aggressivität. Jetzt verstehe ich auch, warum die Frau ihn fragt: „Bist du der König dieser Straße?“ Das bejaht der Mann, worauf sie ihm zuruft, er sei ein „Stupid African man.“ Er solle runter kommen von seinem hohen Ross! Er trollt sich zu seinen Kollegen, die vor einer Boutique warten, bis der Ladenbesitzer endlich kommt und sie zuweist.

Sie entschuldigt sich bei den Passanten und den ringsherum sitzenden Gästen und geht ihres Weges, nicht ohne einen triumphierenden Blick in Richtung des zu einem Drittel seines Selbst geschrumpften Mannes zu werfen, der ihren Blick kaum erwidern kann.

Dies zeigt uns, dass das Matriarchat noch lebt, zumindest in alten Kulturen, wie z.B. der afrikanischen Kultur, die mittlerweile bei uns genauso zuhause ist, wie die türkische, arabische oder asiatische.

Wer es wagt, einer Afrikanerin auf offener Straße Avancen zu machen, der wird schnell in seine Schranken verwiesen und droht sein Gesicht in der Community zu verlieren.

 

Falls es Sie dieses Wochenende nach Kreuzberg verschlägt, es gibt viel zu Beobachten.

 

Text: Fulya Sonnenschein.

Fulya Sonnenschein ist Freie Trainerin für Interkulturelle Kommunikation und moderne Umgangsformen und Eigentümerin der Firma Knigge in Berlin. Sie trainiert sowohl multikulturell zusammengesetzte Teams in international aufgestellten Unternehmen, als auch Schüler an Berliner Grundschulen oder Privatpersonen in Fragen der Etikette und Internationalen Do’s & Don’ts. Sie selbst ist Migrantin, lebt in Berlin und ist in zwei Kulturen zuhause. Für migration-business schreibt sie jeden zweiten Freitag die Knigge-Kolumne und informiert die Leserinnen und Leser anhand von Beispielen über Do’s und Dont’s in Sachen Knigge und interkulturelle Kompetenz.

Mehr Informationen über Frau Sonnenschein finden Sie unter: www.knigge-in-berlin.de

6 Kommentare

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  1. Joseph

    Wenn die Verfasserin dieses Textes Trainings zur Entwicklung interkultureller Kompetenz führt, dann braucht sich keiner zu wundern, dass Deutsche interkulturelle Inkompetenz aufweisen.

    In Afrika gibt es mehr Kulturen als in Europa. Eine „Afrikanerin“ kann entweder aus Algerien oder aus Tanzanien oder aus Äthiopien stammen und dementsprechend verschieden aussehen.

    Ich hoffe, die Autorin hat kein Abitur in der Tasche. Aber sogar dann….ich kenne viele Abiturienten, die nicht wissen, wo Afrika liegt.

  2. Nina

    Ich kann mich den anderen Kommentator_innen nur anschließen: Selbst Migrantin zu sein, schützt eine noch lange nicht vor Rassismus. Dieser Text trieft nur so vor ethnischen Zuschreibungen und rassistischen Stereotypen! Wenn das unter interkultureller Kompetenz zu verstehen ist, dann hoffe ich, dass nicht allzu viele Menschen in den Genuss der Trainings der Verfasserin kommen.
    Migration Business, ich würde empfehlen, den Artikel schnellst möglich hier runterzunehmen, das ist wirklich keine gute Werbung für Sie!

  3. Owusu B.

    wer nicht lantent „rassistisch“ ist, die oder der will sich nicht in Deutschland integrieren. Man sieht einigen Menschen in Deutschland immer noch die Nürnberger Rassengesetzte von 1933 an und andere träumen von einer Integrationspolitik alla Michael Jackson. Vielleicht ist Integration für Migranten gefährlich, dann kann es schon mal passieren, dass man als Türkischdeutsche solche Texte über „African Mama“ schreibt. Die Autorin ist eine Deutsche, weil keine türkische Migrantin solch einen Blödsinn verfassen kann.

  4. Andreas

    „…, dass das Matriarchat noch lebt, zumindest in alten Kulturen, wie z.B. der afrikanischen Kultur“

    Afrikanische Kulur? Soso, sowas ähnliches wie die europäische Kultur was? Leuchter ein, jedem ist sofort klar was gemeint ist.

    Ich kann mich nur wundern, das Sie angeben als „Trainerin für Interkulturelle Kommunikation“ zu arbeiten, sollte man doch daraus auf zuminest ein Mindestmaß an interkulturelle Kompetenz schließen können. Das haben sie gekonnt widerlegt.

    Sorry, dass geht einfach nicht.

  5. hannah

    liebe fulya,

    mal ganz davon abgesehen, dass es wenig sinn macht verallgemeinernd von „der afrikanerin“ zu sprechen, trieft dein text vor nervigen und wenig einfallreichen stereotypen.

    @migration-business: ist es in eurem sinne solche messages hier zu transportieren???

    hier ein artikel der mädchenmannschaft, welcher sich mit dem artikel befasst:

    http://maedchenmannschaft.net/african-mamas-gehts-noch/

  6. Ben

    Schiebt euch euren rassistischen Blödsinn dahin, wo die Sonne nicht hinscheint! Nur mal als Beispiel herausgegriffen: „zumindest in alten Kulturen, wie z.B. der afrikanischen Kultur“.

    1. DIE afrikanische Kultur gibt es nicht. „Afrika“ ist ein geographischer Begriff. Kulturen gibt’s da viele, und wer (auch implizit) etwas anderes behauptet, stellt sich ideologisch und dem Maß der Ignoranz nach in eine Reihe mit Kolonialeroberern.

    2. „alte Kultur“ – aber unsere ist neu? What the flying fuck? Behauptet die Autorin ernstlich, es gäbe in Europa seit kürzerer Zeit eine Kultur als in Afrika? Wenn Sie, Frau Sonnenschein, das Bedürfnis haben, sich platt über hunderte von Kulturen zu äußern, dann seien Sie doch bitte ehrlich und sagen statt „alte Kultur“ „primitive/überholte Kultur“, dann wissen wir wenigstens, wo Sie stehen.

    Abgesehen davon: Wenn Sie am Äußeren einer Person erkennen können, ob sie Afrikanerin (das sind die Leute, die in Afrika leben!) ist, sind Sie entweder eine Hellseherin oder Rassistin. Zu Ihrer Beruhigung: Beides muss kein Dauerzustand sein! Menschen können sich ändern!

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