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Studieren im „fernen Osten“

Besonders zu Beginn die Gesichter der Kampagne: Gong und Dong! Fast so erschrocken saßen wir auch das erste Mal am Laptop. © Studieren in Fernost

Alles begann im Jahre 2008: Eine neue Kampagne namens „Studieren in Fernost“ wurde ins Leben gerufen. „Das ist doch fantastisch“, dachten wir uns – wer will nicht gern mal weit weg von der eigenen Heimat studieren und neue Kulturen kennenlernen? Dafür gibt es inzwischen auch noch eine Kampagne!

Peking, Shanghai, Bangkok, Tokio – wir suchten vergeblich nach fernöstlichen Städten, die jeder kennt. Doch plötzlich stoßen wir beim Runterscrollen auf die Uni Leipzig, Uni Jena und Hochschule Potsdam. Wie ist das möglich? Vielleicht aber haben wir uns das auch nur eingebildet.

Wir suchen weiter auf der entsprechenden Seite und entdecken eine Eltern-Lehrer-Reise nach Fernost. Eltern und Lehrer reisen durch den fernen Osten und entdecken neue Kulturen? Das klingt spannend für uns! Doch wieder finden wir nur ostdeutsche Städte.

Wie fern ist der Osten?

Langsam wird klar, dass mit „Fernost“ tatsächlich Ostdeutschland gemeint ist. So nah, aber doch so fern: Die neuen Bundesländer scheinen zumindest mental so weit entfernt zu sein, wie der „ferne Osten“. An vielen westdeutschen Universitäten ist der Andrang an Studenten sehr groß. Entsprechend ausgeschöpft sind die Kapazitäten an diesen Unis. Vor allem wegen der doppelten Abiturjahrgänge und der Aufhebung der Wehrpflicht. Daher sind die NCs hoch und teilweise gibt es auch noch Studiengebühren. Ganz im Gegensatz zum Osten.

Das Ergebnis einer Online-Befragung im Rahmen von „Studieren in Fernost“ zeigte 2009, dass lediglich neun Prozent der westdeutschen Schülerinnen und Schüler ein Studium an einer ostdeutschen Hochschule in Betracht ziehen.

Eine neue Initiative wurde geboren

Aus diesem Grund startete 2008 die „Hochschulinitiative Neue Bundesländer“. Ziel ist es, die Attraktivität der ostdeutschen Hochschulen für westdeutsche Bewerber zu steigern und mit einer groß angelegten Marketingkampagne mehr westdeutsche Schülerinnen und Schüler zwischen 16 und 21 Jahren für ein Studium im Osten zu gewinnen. Dazu sollen vor allem die Vorzüge hervorgehoben werden. Die Auftraggeber der Kampagne „Studieren in Fernost“ sind die Wissenschaftsministerien der fünf Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Gefördert wird sie durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Hat sich etwas geändert?

Nach inzwischen fünf Jahren zeigen sich deutliche Ergebnisse. Viele Aktionen, Reisen, mehr als 16.000 Fans auf Facebook und zahlreiche Berichte in den Medien zeichnen ein klares Bild. Und das Wichtigste: Der Anteil westdeutscher Studenten an ostdeutschen Hochschulen hat, wie eine Studie des Statistischen Bundesamts belegt, zugenommen. „Wenngleich diese Entwicklung mehreren Faktoren geschuldet ist: Die Hochschulinitiative und die unter ihrem Dach engagierten Hochschulen haben ihre Ziele erreicht“, wie Prof. Dr. Birgitta Wolff, Ministerin für Wissenschaft und Wirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt, betont.

Gesichter der Kampagne

Der „ferne Osten“ wurde den Schülerinnen und Schülern vor allem durch zwei asiatische Reporter namens Gang und Dong nähergebracht. In ihrem bunten Autobus reisten sie quer durch Ostdeutschland. Mit viel Witz und charismatischen Auftritten eroberten sie schnell Campus, Hörsaal und vor allem die Herzen der Schülerinnen und Schüler, wie die BILD-Zeitung 2009 dokumentierte.

Die erste Gebrauchsanweisung für Studenten

Mit Matthias Edlinger und Eduard Augustin hat die Kampagne nun zwei Bestseller-Autoren auf eine Reise durch Ostdeutschland geschickt. Augustin hat mit „Ein Mann – ein Buch“ einen großen Erfolg gelandet. Edlinger machte bereits Musikvideos für bekannte Gruppen und Persönlichkeiten wie Blumentopf, Frittenbude oder Stefan Raab. Die beiden reisten durch den Osten und befragten Experten vor Ort zu Themen wie der Studienwahl, der WG- und Jobsuche. Ihr Reisetagebuch in Form von kurzen Videos erscheint derzeit wöchentlich auf Facebook und der Website von „Studieren in Fernost“. Zusammen wollen sie mit ihrem gesammelten Wissen dann im Herbst dieses Jahres die erste „Gebrauchsanweisung zum Studieren“ herausgeben. Ein Buch, das allen Studenten, die von der heutigen Informationsflut überwältigt werden, ein wichtiger Ratgeber für alle Fragen rund um das Studium sein soll.

Beststeller-Autoren Edlinger & Augustin auf ihrer Reise durch die neuen Bundesländer, © Studieren in Fernost

Jeden Tag tüftelt das Team von Fernost neue Ideen aus. „Das Spannende an der Kampagne „Studieren in Fernost“ ist, dass sie so viele verschiedene Elemente beinhaltet“, erzählt Anastasia Albert, die ursprünglich aus dem „fernöstlichen“ Russland stammt.

Wie migration-business hat sich „Studieren in Fernost“ zur Aufgabe gemacht, bestehenden Vorurteilen entgegen zu wirken. Es bleibt zu hoffen, dass es dann irgendwann nicht mehr von Belang ist, ob man nun aus „Fernost“ stammt oder einen Migrationshintergrund mitbringt.

 

Text: Dario Mohtachem.

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