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West Side Story in Deutschland

Die Musik ist weltbekannt, Die Story: Migranten in New York. Viele kennen den mit zehn Oskars ausgezeichneten Film zum Musical West Side Story, aber nur wenige hatten bisher die Möglichkeit in Deutschland das Original auf der Bühne zu sehen. Bei der Premiere am 26. Juni an der Deutschen Oper Berlin begeisterte das dynamische junge Ensemble das Publikum mit einer Originalchoreografie, die Höchstleistung von den Darstellern verlangt.

 
„Immigrant goes to America,
Many hellos in America,
Nobody knows in America,
Puerto Rico’s in America!“
       (aus: „America“ / West Side Story)

 

Leonard Bernstein wählte als Musical-Thema die Rassenkonflikte zwischen Puerto-Ricanern und Amerikanern, da ihm seine erste Idee, jüdisch-christliche Auseinandersetzungen, zu altmodisch erschien. Die ethnischen Konflikte der Straßen-Gangs spielen im New York der 50er Jahre. Die Handlung ist eine moderne Version von Shakespeares Liebesgeschichte Romeo und Julia, die tragisch inmitten eines Bandenkriegs zwischen den amerikanischen Jets und den puerto-ricanischen Sharks endet. Von seiner ursprünglichen Brisanz und Aktualität hat dieses Musical bis heute nichts verloren. Die spanische Sopranistin und Maria-Darstellerin Elena Sancho Pereg bringt es auf den Punkt: „Die Geschichte der West Side Story passiert heute noch an vielen Plätzen auf der Welt. Es ist Angst, die uns zu gefährlichen Kreaturen macht.“

Broadway-Klassiker im Original

1957 am Broadway erstmalig aufgeführt, setzte West Side Story musikalisch wie dramaturgisch neue Maßstäbe, die kaum je wieder erreicht wurden. Die eindrucksvollen Tanzszenen mit der Originalchoreografie von Jerome Robbins sind mitreißend.und Leonard Bernsteins Kompositionen wie Tonight, Maria, America oder Somewhere machen es musikalisch zu einem zeitlosen Glanzstück – im Gegensatz zu den weniger mit Inhalt und Qualität ausgestatteten Andrew Lloyd Webber-Musicals. Die Neuinszenierung von West Side Story verlangt heute wie damals von seinen Darstellern ein hohes Maß an schauspielerischer, tänzerischer und gesanglicher Ausdruckskraft.. Wesentlich für die authentische Inszenierung ist hierbei Jerome Robbins‘ atemberaubende Tanzsprache, einstudiert von Joey McKneely. So präsentiert die Choreografie in Keep cool, boy junge Hitzköpfe, die kurz davor sind, die Nerven zu verlieren, die ihre geladene Energie im Körper nicht mehr zügeln können. Eine Energie, die sich im Innersten zusammenballt, und dann jede Muskelfaser bis in die Finger- und Fußspitzen durchdringt. Jerome Robbins hat diese elektrisierende

Körpersprache überzeugend umgesetzt. Tänzer und Choreograf Joey McKneely war Eleve von Robbins und ist einer der wenigen, die das unverwechselbare Tanzvokabular von West Side Story ganz im Sinne des Urhebers einstudieren dürfen. Damit ist die Originalchoreografie derzeit allein in seiner Inszenierung zu erleben.

Ähnlich strenge Verfügungen gibt es seitens des musikalischen Schöpfers Leonard Bernstein. Auch dessen gesamtes künstlerisches Erbe, vollständig erfasst und festgeschrieben im sogenannten „Bernstein Estate, wird treuhänderisch vom offiziellen Leonard Bernstein Office, Inc. mit Sitz in New York City verwaltet und lizensiert.

Alle Termine für West Side Story bis zum 20. Oktober 2012 in Deutschland unter www.westsidestory.de

 

Text: Susanne Jensen.

Fotos: Copyright Nilz Böhme.

 

Susanne Jensen, M.A. /Journalistin & Kuratorin.
Studium & Arbeitsaufenthalte führten sie nach Australien, Kambodscha, Thailand, Vietnam und in die USA. Wissenschaftliche Mitarbeiterin für interdisziplinäre Kulturprojekte, Ausstellungen sowie Moderation Berliner Wirtschaftsgespräche in der Dänischen Botschaft: „Flexicurity – Adaption auf den deutschen Arbeitsmarkt?“ 2006-2011 Mitglied im Beirat für Migrationsangelegenheiten Berlin/Charl.-Wilm. Sie kommt aus Dänemark, lebt in Berlin und schreibt für migration-business zum Themen-Schwerpunkt: Politik & Migration.

1 Kommentar

  1. Ulf

    Vielen Dank,

    Sie haben uns bei unserem West-Side-Story Vortrag mit Migrationshintergründen viel geholfen! Wir wären ihnen sehr verbunden, wenn sie nochmal genauer auf diesen ethnischen Konflikt eingehen könnten, welcher heute immer noch andauert.

    Vg Ulf Götzinger

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