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Berlin ist eine interkulturelle Reise wert

Am Samstag, den 25.8.2012 stellen sich Berlins Museen wieder auf eine der ganz besonderen Sonderschichten ein. Zum 775. Geburtstag der Hauptstadt öffnen sie zur 31. Langen Nacht der Museen ihre Türen bis tief in die Nacht hinein. migration business hat sich das Programm schon einmal angeschaut und die besten interkulturellen Tipps für Fernwehgeplagte zusammengestellt.

Wenn die Berliner Museen der Hauptstadt zum Geburtstag gratulieren, dann ist das auch ein Blick über den Tellerrand. Internationale Beziehungen und eine langwierige Geschichte der Zuwanderung prägen das Stadtbild bis heute. Wenn es nun schon nicht über den neuen Flughafen Berlin Brandenburg auf Reisen geht, müssen Fernwehgeplagte eben improvisieren. Da bietet die Lange Nacht der Museen mit einem internationalen Programm direkt vor der eigenen Haustür eine willkommene Alternative.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit wird die Lange Nacht auf den Stufen des Alten Museums am Lustgarten um 18.00 Uhr eröffnen. Auf Sieben verschiedenen Routen können die Besucher dann bekannte und weniger bekannte Ausstellungsräume in der ganzen Stadt entdecken. Mit Shuttle-Bussen geht es vom Kulturforum Potsdamer Platz ab 18.00 Uhr auf die Reise. Wer es etwas ruhiger angehen möchte, kann stattdessen die Rikscha nehmen.

Wohin soll die Reise gehen?

Eine erste Orientierung bietet der begehbare Berliner Stadtplan auf dem Schlossplatz in Mitte im Maßstab 1: 775. Anhand 100 exemplarischer Geschichten wird hier die Historie der Zuwanderung verortet. So trifft man etwa nach einer Begegnung mit Moses Mendelssohn am Rosenthaler Platz (1743 der einzige Zugang für Juden nach Berlin) zwei Schritte später auf die ersten türkischen Berliner Aly und Hassan- „Kammertürken“ im Dienste der Königin Sophie Charlotte vor 300 Jahren.

Im Kontrast dazu inszeniert die Ausstellung 7xjung des Vereins „Gesicht zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland!“ heutige Lebenswelten von Jugendlichen und fragt sich „Zuwanderung, Geschichte und Identität- was heißt das für uns heute?“ (19.30, 21.30, 23.30 Uhr Präsentation und Diskussion). Einen neuen Blick auf die Lokalgeschichte wagt auch das Jugend Museum mit seinen aktuellen Präsentationen zum Modellprojekt »Heimat Berlin. Migrationsgeschichte für Kinder«.

Im Ethnologischen Museum Dahlem kann der Besucher die Welt außerhalb von Europa  entdecken: Walk & Talk zum Thema „Verstehen/Missverstehen“ führt durch die Ausstellungen Südsee und Australien, Afrika, Welten der Muslime, Mesoamerikanische Archäologie, Goldenes Dreieck und Indianische Moderne.

Im Verein Berliner Künstler findet sich die erste Direkt-Verbindung aus Berlin. In der Ausstellung „Istanbul_related1=Labor“ experimentieren 11 Künstler 11 Tage lang in einer Laborsituation als gemeinschaftlicher und gleichsam öffentlicher Rahmen, mit einem individuellen Fokus auf Istanbuls Dramatik – ein Spiel mit ungewissem Ausgang. Das Projekt wird im Dezember 2012 in Istanbul fortgesetzt. Zwischen 18.00 und 2.00 Uhr finden verschiedene Performances zu deutsch-türkischen Phänomenen statt.

Die galerie son trägt zum interkulturellen Kunstdialog insbesondere zwischen Europa und Asien bei. Fünf Künstler aus Nordkoreas renommiertem Mansudae-Studio geben mit ihren Arbeiten einen authentischen Einblick in die Landschaft der Gegenwartskunst ihres Landes.

Das Museum für Asiatische Kunst greift die frühen internationalen Handelsbeziehungen zwischen China und Preußen auf. Außerdem ist neben japanischer Malerei und Holzschnitten des 18. Jahrhunderts ein besonderes Highlight die gleich zweimal stattfindende Führung „Friedrich der Große und Ai Weiwei“ (20.00, 22.30 Uhr).

Im Museum Europäische Kulturen beginnt ab 18.00 Uhr die Lange italienische Nacht. Im Rahmen der Apulischen Kulturtage zeigt die Ausstellung Bilder historischer und zeitgenössischer Fotografen zu Alltagsleben und Kulturlandschaft in Apulien. Neben einem Schnupperkurs Italienisch für Anfänger (18.30, 20.30 Uhr) werden ebenfalls Spezialitäten aus Apulien angeboten.

Wer sich nun fragt, was mit all den Plastikbechern und- flaschen geschehen soll, die die Besucher mit sich herumtragen sollte noch einmal in der Deutschen Guggenheim vorbei schauen. Hier präsentiert der Mexikaner Gabriel Orozco aufeinander bezogene skulpturale und fotografische Installationen aus Müll. Das Material stammt unter anderem aus dem Biosphären- und Tierschutzreservat Isla Arena in Baja California Sur. Besucher sind eingeladen Kunststoffabfälle mitzubringen und am Recyclingprojekt vom Berliner Künstler Gerhard Bär teilzunehmen.

Ein ganz besonderes Highlight ist die Sonderöffnung des Videoarchivs des Denkmales für die ermordeten Juden Europas. Es werden Interviews von Überlebenden des Holocaust in verschiedenen Sprachen gezeigt.

Der Berliner Dom mit Lustgarten

Die Lange Nacht der Museen schickt den Besucher aber nicht nur visuell, sondern auch musikalisch auf Weltreise. „Mit DJs um die Welt“ heißt es im Ethnologischen Museum Dahlem: DJ Roskow Kretschmann und DJ Ekki Fleischhammer mit Rare Grooves und eklektischen Klängen legen von 18.00-0.00 Uhr auf. Im Musikinstrumenten Museum hören die Besucher ab 22.00 Uhr Türkische Musik und in der Villa Oppenheim wird um 21.45 Uhr orientalische Musik gespielt.

 

 

 

„Das Reisen führt uns zu uns zurück.“ 
(Albert Camus)

Auf der Reise durch die Weltmetropole Berlin wird der weltoffene und neugierige Besucher der Langen Nacht der Museen sicherlich viele neue Eindrücke sammeln. Auch wenn die internationale Geburtstagsfeierei um 2.00 Uhr offiziell endet können die durchschnittlich 30.000 Besucher das Jubiläum der Hauptstadt im bunten Nachtleben der Stadt bis zum Morgengrauen fortsetzen. Bestimmt ergeben sich hier und da neue Bekanntschaften, denn schon 1987 hieß es ja zur 750-Jahr Feier „Berlin, Berlin, dein Herz kennt keine Mauer!“.

 

 Text: Catharina Jucho

 

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