«

»

Botschafter gegen Gewalt und Diskriminierung

Das von der Bundesregierung gegründete „Bündnis für Demokratie und Toleranz“ hat in Berlin fünf Persönlichkeiten und Initiativen ausgezeichnet. Beim jährlichen Festakt am 23. Mai zur Feier des Grundgesetzes im Berliner Friedrichstadt-Palast fand die Verleihung des Preises „Botschafter für Demokratie und Toleranz 2012“ an Projektvertreter statt, die sich gegen Diskriminierung, Gewalt und Unterdrückung im Namen der Ehre sowie für sportliches Fairplay engagieren.

Zivilcourage und gesellschaftliches Engagement zeichnen die „Botschafter für Demokratie und Toleranz“ aus. Einmal im Jahr werden die besten Projekte ausgewählt. Der Preis ist einer der bedeutendsten, bundesweiten Anerkennungen für zivilgesellschaftliches Engagement. Die Preisträger erhalten Ihre Auszeichnung zeitgleich mit dem Jahrestag der Verkündigung des Grundgesetzes der Bundesrepublik, um zu verdeutlichen, wie wichtig zivilgesellschaftliches Engagement für die Umsetzung der Verfassung im Alltag ist.

Aufdeckung einer Mordserie

Keine leichte Aufgabe für die Preisträger Rainer Eichhorn, Sabine Hietzke und Mario Zenner vom „Bündnis für Demokratie und Toleranz der Zwickauer Region“, die nach der Aufdeckung der Mordserie des Neonazi-Trios den offenen Diskurs um die extremistischen Gewaltverbrechen suchen. So werden beispielsweise Jugend- und Bürgerinitiativen unterstützt oder Kontakte zu Fachleuten und ausländischen Mitbürgern vermittelt, unter anderem für Schulprojekte. Nachdem bekannt wurde, dass das Neonazi-Trio jahrelang unentdeckt in Zwickau lebte, sah sich das Bündnis nach eigenen Angaben besonders gefordert. Ein Anliegen, das der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma Romani Rose im Podiumsgespräch klar formulierte: „Mein Vertrauen in den Rechtsstaat ist durch diese Morde erschüttert worden.“ Dieses politische Versagen aufzuarbeiten, versprachen die anwesenden politischen Vertreter: Der parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister des Innern Dr. Christoph Bergner und der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin der Justiz Dr. Max Stadler. Weiter wurde als Demokratie-Botschafter Barbara John geehrt, die sich als Ombudsfrau der Bundesregierung um Hinterbliebenen der Opfer der Neonazi-Mordserie kümmert. Vor allem wertschätzen die Betroffenen, dass Barbara John stets erreichbar ist.

Tabuthemen – was tun?

Vor Ort aktiv sind auch die Preisträger Ali Ahmad, Jenny Breidenstein und Diren Gülüsen von den „Heroes“, indem sie Tabuthemen wie Ehre, Stolz und Heimat direkt ansprechen, denn „Ehre darf keine Rechtfertigung für Gewalt sein“. Die Berliner Helden sind junge Männer, die vorwiegend muslimisch aufgewachsen sind. Sie gehen in Schulklassen, um in Rollenspielen mit den Schülern ins Gespräch zu kommen. Da kann es schon passieren, dass ein Junge die Rolle eines Mädchen übernehmen muss und sich die Frage stellt: „Darf ein Mann seine Frau schlagen? Ist das ehrenhaft? Warum darf ich etwas, das meine Schwester nicht darf?“

Musik und Toleranz

Viel Applaus erhielt die 87-jährige Preisträgerin Esther Bejarano, Mitgründerin und Vorsitzende des deutschen Auschwitz-Komitees. „Ich bin jetzt auch unter die Rapper gegangen“, kommentierte sie einen gemeinsamen Auftritt mit der multilingualen Hip Hop-Gruppe Microphone Mafia, die drei Generationen und drei Religionen bei Ihren Auftritten vereint. Eberhard Münch vom Schleswig-Holsteinischen Fußballverband wurde ausgezeichnet für das Anti-Gewalt-Projekt „Schleswig Holstein kickt fair“.

Mit Saxophon und deutschen Texten begleitete die Band Café Jazz die Veranstaltung, die kompetent von Shelly Kupferberg (Kulturradio rbb) moderiert wurde. Insbesondere bei den Gesprächen mit den Podiumsgästen hatten ihre Fragen stets den Fokus auf die Umsetzung von Demokratie und Toleranz im Alltag. Eine gelungene Veranstaltung, um wegweisende Projekte und Initiativen aus ganz Deutschland kennen zu lernen.

Und wie geht es nach der Preisverleihung weiter?

Für die Projekte ist es wichtig, sich zu vernetzen und eine größere Resonanz in der Öffentlichkeit zu erhalten. „Mit der Auszeichnung als Botschafter können sich die Projekte bei Stiftungen empfehlen, um eine Förderung zu erlangen“, meint Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung Thomas Krüger. Mit dem Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ bekommen bundesweit engagierte Projekte auf jeden Fall eine größere Öffentlichkeit und ausgewählte Initiativen werden finanziell unterstützt. Die Auszeichnung ist mit jeweils 5000,- € dotiert und wurde zum elften Mal verliehen.

 

Text: Susanne Jensen.

Susanne Jensen, M.A. /Journalistin & Kuratorin.
Studium & Arbeitsaufenthalte führten sie nach Australien, Kambodscha, Thailand, Vietnam und in die USA. Wissenschaftliche Mitarbeiterin für interdisziplinäre Kulturprojekte, Ausstellungen sowie Moderation Berliner Wirtschaftsgespräche in der Dänischen Botschaft: „Flexicurity – Adaption auf den deutschen Arbeitsmarkt?“ 2006-2011 Mitglied im Beirat für Migrationsangelegenheiten Berlin/Charl.-Wilm. Sie kommt aus Dänemark, lebt in Berlin und schreibt für migration-business zum Themen-Schwerpunkt: Politik & Migration.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>