«

»

Gesichter gegen Rechts

Die beiden Geschäftsführerinnen: Sophia Oppermann (links) und Rebecca Weis (rechts)

„Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland!“ So nennt sich die Initiative, die im August 2000 von Uwe-Karsten Heye –  damals Regierungssprecher unter Gerhard Schröder – Michel Friedman und Paul Spiegel gegründet wurde. migration-business besuchte am 30. Mai 2012 die Veranstaltung „Wir sind alle – Plädoye…rs für eine pluralistische Gesellschaft Lesungen – Gespräche – Musik“ und traf die Geschäftsführerin Rebecca Weis im sogenannten Berliner Salon.

 

 

 

Eine bundesweite Neonazi-Mordserie an Kleinunternehmern mit Migrationshintergrund erschreckte erst kürzlich ganz Deutschland. Seit 2006 verbreitete die Presse die Morde unter dem latent rassistischen Namen „Dönermorde“, was wegen seiner verharmlosenden Wirkung 2011 zum Unwort des Jahres gewählt wurde. Bereits im Jahr 2000 gab es zahlreiche gewalttätige rassistische Übergriffe und diverse Brandanschläge auf Asylbewerberheime – einige könnten meinen, dass Rechtsextremismus in Deutschland weit verbreitet ist.

Aktiv gegen rechts

Nicht aber die Initiatoren von Gesicht Zeigen!. Sie wollten zeigen, dass Rechtsextremisten nur eine Minderheit sind und forderten die deutsche Mehrheitsgesellschaft auf, aktiv zu werden, Gesicht zu zeigen. Von Anfang an suchte und fand der Verein prominente Unterstützer, die diese Ziele teilen, die Arbeit unterstützen und in die Öffentlichkeit tragen, z.B. Iris Berben, Dunja Hayali, Thomas Hitzlsperger, Klaas Heufer-Umlauf und viele andere.

Was genau tut der Verein?

Lesung mit Nike Wagner – eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Leo Baeck Institute New York

Gesicht Zeigen! mischt sich ein, greift mit Presseveröffentlichungen und Aufrufen in aktuelle Debatten ein, ruft mit Plakat- und Anzeigenmotiven zu mehr Zivilcourage auf oder informiert auf Facebook täglich zum aktuellen Geschehen. Ziel ist es, die Menschen zu sensibilisieren für die Themen Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus und sie zu ermutigen, aktiv zu werden gegen jede Form von Rassismus oder rechter Gewalt.

 

 

Gesicht Zeigen! konzipiert und realisiert innovative Projekte für die Einwanderungsgesellschaft wie die interaktive Ausstellung „7xjung – dein Trainingsplatz für Zusammenhalt und Respekt“ in Berlin-Mitte oder das bundesweite Schulprojekt „Störungsmelder on tour“. Außerdem entwickelt der Verein ein eigenes, modernes pädagogisches Material für die Jugendarbeit, das kostenfrei erhältlich ist.

 

„7xjung“ ist eine ganz besondere Ausstellung,…

Ein ungewöhnlicher Ort mitten in Berlin: die künstlerische Ausstellung behandelt Erfahrungen von Ausgrenzung, Antisemitismus und Diskriminierung – und sie zeigt, was man dagegen tun kann. So setzt das Lernen in der Alltagswelt an. In der Ausstellung bietet der Verein Workshops für Schulklassen und Jugendgruppen an mit zwei thematischen Schwerpunkten: Programme zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. In kultur- und kunstpädagogische Workshops wird Geschichte für Jugendliche erleb- und nachvollziehbar.

Workshops zur Reflexion muslimischer Identität in Deutschland. In dem Projekt „Meine Freiheit ist auch deine Freiheit“ geht es um die große Spannung zwischen eigener demokratischer Haltung, erlebter Islamfeindschaft und potenzieller islamistischer Radikalisierung.

 

Was geht in der Schule oft schief?

 

Workshop mit Jugendlichen in der Ausstellung 7xjung

In der Schule werden viele interkulturelle und interreligiöse Konflikte aufgrund von Vorurteilen, wenig Kenntnissen über Religionen, Schwarz-Weiß-Denken und mangelndem Wissen um das Gegenüber ausgetragen. Viel zu häufig führen konstruierte oder tatsächlich vorhandene Missverständnisse zu verbalen und/ oder zu gewalttätigen Übergriffen, Ausgrenzung und Diskriminierung. Hier setzt Gesicht Zeigen! an:, in wunderschön gestalteter Lernumgebung, die den persönlichen Austausch fördert, werden in ein- oder mehrtägigen Workshops Fragestellungen zur eigenen Identität, zum eigenen Ursprung, Glauben sowie zu eigenen Sehnsüchten bearbeitet.

 

Kerngegenstand der Workshops ist immer die Frage nach den Werten, die im Leben Orientierung bieten und handlungsleitend sind – selbstverständlich mit dem Ziel, dass die große Bedeutung der freiheitlichen Spielregeln des demokratischen Zusammenlebens im Workshop deutlich wird.

„Wichtig bei unserer pädagogischen Arbeit ist immer das Training von gegenseitiger Wertschätzung und Akzeptanz“ betont Rebecca Weis, „so stärken wir die Jugendlichen in ihrem demokratischen Bewusstsein.“

Uwe-Karsten Heye, Iris Berben und die Geschäftsführerinnen

Regelmäßig veranstaltet Gesicht Zeigen! Diskussionen, Lesungen, Konzerte und Podiumsdiskussionen für die Öffentlichkeit. Seit 2012 werden auch regelmäßig Zivilcourage-Workshops angeboten. Jährlich organisiert der Verein die Aktionswoche gegen Rassismus rund um den 21. März mit zahlreichen Veranstaltungen bundesweit. Gesicht Zeigen! bringt Menschen zusammen – für ein weltoffenes Deutschland! Zeigen auch Sie Ihr Gesicht – es wird gebraucht!

 

 

Text: Dario Mohtachem.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>