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Änderungsschneiderei mit Extras

Eigene Chefin zu sein – davon träumte Oksana Mäckel schon lange. Die gebürtige Russin kam vor elf Jahren aus dem hohem Norden Russlands nach Berlin. Im Gepäck: Eine Schneiderausbildung und einige Jahre Arbeitserfahrung.

„Ich liebe meinen Beruf. Es ist meine Leidenschaft. Ich ändere nicht nur Kleidungsstücke, ich entwerfe eigene Modelle und liebe die kleinen Extras“ – erzählt die neue, stolze Besitzerin der Schneiderei mit dem passenden Namen „Änderungsschneiderei mit Extras“ in Berlin-Schöneberg.

Die orangene Blume im Oksanas Haar, perfekt kombiniert mit ihrem orangenen Rock ist ein kleines Extra in einem Laden, wo viele kleine Extras eine kreative Atmosphäre kreieren – alte Nähmaschine mit Holzbedeckung, verstellbare Schneiderpuppen mit neuesten Kreationen, bunte Nähfaden an den Wänden und ganz viel Nähwerkzeug.

„Für mich ist es immer noch ein Wunder, dass ich jetzt mein Geschäft habe. Ich als alleinerziehende Mutter, dazu Migrantin ohne finanzielle Sicherheiten, habe es geschafft meinen Laden aufzumachen.“ – erzählt Oksana Mäckel zwischen zwei Bestellungsaufnahmen. „Natürlich, eine große Hilfe waren meine Familie und viele Freunde. Ohne sie hätte ich dies bestimmt nicht geschafft.“

Oksana Mäckel hat sich für diesen entscheidenden Schritt in ihrem Leben gründlich vorbereitet. „Von dem Wunsch selbständig zu sein und bis zur Ladeneröffnung vor sechs Wochen sind Jahre vergangen. Ich habe die Sprache gelernt, in anderen Änderungsschneidereinen Erfahrungen gesammelt und bin zum ISI e.V. gekommen. In dem Existenzgründungskurs habe ich alles, was ich für mein Geschäft gebraucht habe, gelernt.“

Die Initiative Selbständiger Immigrantinnen e.V. war eine wichtige Station für die Oksana Mäckel. Der Verein mit dem einzigartigen Motto „Migrantinnen für Migrantinnen“ fördert seit über zwanzig Jahren Migrantinnen, die sich ökonomisch selbständig machen wollen. In dem Existenzgründungskursen, die drei Monaten dauern, eignen sich Migrantinnen kaufmännisches und technisches Know-How und noch einiges mehr an. „Persönlichkeitsstärkung, Motivation und gegenseitige Unterstützung sind auch wichtig und dies habe ich bei ISI e.V. gelernt und erfahren.  Es war eine tolle Zeit, jetzt brauche ich keine extra Beratung, jetzt weiß ich was alles auf mich zukommt“ – erzählt Oksana Mäckel und fügt hinzu: „Jetzt bin ich meine eigene Chefin. Aber jetzt muss ich lernen auch eine gute Chefin zu sein, einen guten Arbeitsplatz anzubieten, ein angenehmes Arbeitsklima zu schaffen. Aber ich bin positiv und ich werde es bestimmt schaffen.“

 

Text und Bild: Renata Sikic.

Renata Sikic, gebürtige Bosnierin, ist Referentin für Öffentlichkeitsarbeit bei der Initiative Selbständiger Immigrantinnen. Die erfahrene Radiojournalistin und gelernte Bildredakteurin begleitet in ihrer Arbeit Migrantinnen, die sich selbständig gemacht haben oder dabei sind diesen wichtigen Schritt zu machen. Seit 1991 fördert die Initiative Frauen unterschiedlicher ethnischer oder nationaler Herkunft in Berlin in ihrem Wunsch nach wirtschaftlicher Selbständigkeit. ISI e.V. bietet ein einzigartiges Model – Migrantinnen für Migrantinnen! Erfahrene und kompetente Dozentinnen und Coachs können dank der eigenen Migrationsgeschichte und Integrationserfahrungen Migrantinnen gegenüber mehr Verständnis aufbringen und Entgegenkommen zeigen.

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