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Eine Verbindung in die Heimat

Die Berliner Fluggesellschaft Germania hat sich lange Zeit vor allem in den Geschäftsfeldern Wet-Lease und Charter etabliert. Nun hat das Unternehmen im Einzelplatzverkauf eine besondere Nische entdeckt: „Ethnischer Verkehr“ ermöglicht es für Menschen mit Migrationshintergrund per Direktflug Freunde und Familie in der Heimatregion zu besuchen – ohne mehrmaligem Umsteigen oder stundenlangen Autofahrten. migration business sprach mit Karsten Balke (Foto), Generalbevollmächtigter der Fluggesellschaft Germania, wie dieses zukunftsträchtige Geschäftsfeld aussieht und welche Vorteile der A319 dabei bieten kann.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff „ethnischer Verkehr“?

„Ethnische Verkehre“ sind Flüge, die Deutschland mit den Heimatregionen hierzulande lebender Migranten verbindet. Diese Flüge verbinden Freunde und Familien – und sind oftmals der einzige direkte Weg in die Heimatregionen unserer ausländischen Mitbürger. So bedienen wir in der Türkei beispielsweise nonstop Samsun oder Zonguldak an der Schwarzmeerküste sowie Malatya in Ostanatolien.

Wie viele Flugrouten bietet Germania an, die auf „ethnischen Verkehr“ ausgerichtet sind und in welchem Ausmaß werden diese genutzt?

Germania bietet Flugrouten in aufstrebende, wachsende Regionen mit einem hohen Passagier-Potential im ethnischen Verkehr an. Diese Nische wird von anderen Airlines kaum bedient. Aktuell fliegt Germania beispielsweise von Berlin und Düsseldorf nach Beirut oder von Düsseldorf und München nach Erbil und Sulaymaniyah im Nordirak. Gleiches gilt für zahlreiche Destinationen in der Türkei, die abseits traditioneller Touristenströme liegen.

Ist das Personal von Germania interkulturell aufgestellt und achten Sie auf Diversity Management?

In den vergangenen Jahren ist die ethnisch-kulturelle Vielfalt in Deutschland immens gewachsen, was sich auch in unserem Unternehmen widerspiegelt. Diese Vielfalt ermöglicht uns zum Beispiel, auf Flügen im ethnischen Verkehr Kabinenbesatzungen einzusetzen, die nicht nur die Landessprache unserer Gäste beherrschen, sondern auch die jeweiligen kulturellen Anforderungen und Bedürfnisse der Passagiergruppen kennen. Darauf legen wir bereits in der Ausbildung der Flugbegleiter großen Wert.

Für Germania bedeutet Diversity Management, dass wir einerseits die Potentiale unserer Mitarbeiter besser nutzen können, andererseits aber auch offener mit Unterschieden umgehen können, was sich in einer noch größeren Sensibilität bei der Betreuung unserer Fluggäste bemerkbar macht. Dies steigert letztendlich auch die Motivation und Zufriedenheit unserer Mitarbeiter.

In Zonguldak an der türkischen Schwarzmeerküste hat Germania gemeinsam mit den örtlichen Behörden einen Berg in der Einflugschneise abtragen lassen, um die Sicherheitsanforderungen zu erfüllen. Woher wussten Sie, dass sich diese Investition lohnt?

Die Flexibilität eines mittelständischen Unternehmens erlaubt uns, besonders schnell zu reagieren und auch ungewöhnlichere Projekte zu realisieren. In Zonguldak standen wir unseren Partnern vor Ort beratend zur Seite. Das Abtragen des Bergs in der Einflugschneise erfolgte auf Kosten der örtlichen Behörden. Grundsätzlich nehmen wir neue Strecken häufig in Zusammenarbeit mit Partnern wie Reiseveranstaltern ins Programm, die fixe Kontingente auf unseren Flügen abnehmen und für eine gewisse Grundauslastung sorgen. Dies war auch bei der neuen Route nach Zonguldak der Fall.

Eine flexible Geschäftspolitik hat den langfristigen Erfolg von Germania maßgeblich ermöglicht. Verfolgen Sie regelmäßig die Migrationsbewegungen in Deutschland um das Flugangebot entsprechend anzupassen und auszubauen?

Natürlich beobachten wir Migrationsbewegungen kontinuierlich – und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auch im europäischen Ausland. Seit Dezember 2011 verbindet Germania beispielsweise Stockholm mit dem Nordirak. Als mittelständisches Unternehmen mit schlanken Strukturen können wir besonders schnell auf Veränderungen am Markt reagieren.

Neben kurz- und mittelfristigen Anpassungen unseres Flugplans haben wir auch bei der langfristigen strategischen Ausrichtung unseres Unternehmens das Segment des ethnischen Verkehrs im Blick: Nach unserer Planung werden wir mittelfristig die gesamte Flotte auf Fluggeräte des Typs Airbus A319 umstellen, die beispielsweise über größere Gepäckfächer verfügen. Da viele Fluggäste auf ethnischen Strecken mehrwöchige Aufenthalte am Zielort planen und daher über besonders viel Gepäck verfügen, ist dies sehr wichtig.

2011 standen einige osteuropäische Länder, allen voran Polen mit 17% und Rumänien mit 10,4%, an der Spitze der Zuwanderungsgruppen nach Deutschland (BAMF 2011). Bietet Germania demnächst Flüge nach Warschau und Timişoara an?

Osteuropa ist ein interessanter Markt, den wir von unserem Heimatflughafen Berlin bestens erschließen könnten. Darum prüfen wir mögliche Flugverbindungen nach Osteuropa natürlich regelmäßig – genauso, wie wir dies auch mit anderen Märkten tun.

Welche Auswirkungen haben die erneuten Verzögerungen des Eröffnungstermins des Flughafens Berlin Brandenburg auf Germania?

Die kurzfristige Verschiebung der Eröffnung hat die Luftfahrtbranche in Deutschland allgemein vor große logistische Herausforderungen gestellt. Dies gilt in besonderem Maße für Fluggesellschaften, die – wie Germania – ihren Heimatflughafen in der Hauptstadt haben. Für die Zukunft hoffen wir nun auf ein verlässliches Eröffnungsdatum, das uns die nötige Planungssicherheit bietet, die wir für die Entwicklung neuer Routen auch im ethnischen Verkehr dringend benötigen.

 

Das Interview führte Catharina Jucho.

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