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Der osteuropäische Markt bietet viel wirtschaftliches Potential

Der 24-jährige Wirtschaftsinformatikstudent der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, Christoph Garbacz, entschied sich für ein Auslandssemester in Ungarn. Nicht nur Sprache und Kultur gestalteten sich als Abenteuer. Auch bei der Studienfachwahl an der International Business School Budapest musste der IT-interessierte Student improvisieren.

 

mb: Wie hast du dich auf deinen Auslandsaufenthalt vorbereitet?

CHRISTOPH: Aufgrund des gut strukturierten Prozesses meiner Hochschule bezüglich meines Auslandsstudiums hielt sich für mich der organisatorische Aufwand im Rahmen. Einmal für eine Partnerhochschule entschieden, flogen die zu unterschreibenden Dokumente nur so ein und schon war das Auslandssemester – aus bürokratischer Sicht – in trockenen Tüchern. Ich studiere Wirtschaftsinformatik in Berlin. Doch da keine der Partnerhochschulen – und dies ist wohl auch mein einziger Kritikpunkt – über einen IT-nahen Studiengang verfügte, war ich frei in der Auswahl eines Themenfeldes, was mir ein ewiges Studium der angebotenen Kurse der Partnerhochschulen ersparte. Letztlich fiel meine Wahl schlicht und einfach auf „Logistics“. Finanziell war ich glücklicherweise durch meine Selbstständigkeit recht gut gerüstet, was aber nicht bedeutete, dass ich auf das Erasmusgeld verzichtete. Da sämtliche mir nahestehenden Personen rechtzeitig eingeweiht wurden, gab es hier keine nennenswerten Dramen.

mb: Warum hast du dich gerade für dieses Land entschieden?

CHRISTOPH: Meine Entscheidung fiel weniger auf eine bestimmte Hochschule als vielmehr auf das Land an sich. Im osteuropäischen Markt sehe ich bezüglich meiner Interessen in (naher) Zukunft viel Potential. Entsprechend hielt ich es für nicht verkehrt, Land und Menschen schon mal ein wenig „kennenzulernen“.

mb: Hattest du sprachliche Vorkenntnisse oder musstest du eine neue Sprache lernen?

CHRISTOPH: Ungarisch war mir in keinster Weise geläufig. Da die Ungarn darüber hinaus nicht allzu sprachgewandt sind was das Englische oder gar Deutsche betrifft, ergab sich eine Welt der Herausforderungen, der ich mich annahm. Im Vorfeld war ich zugegebenermaßen ein wenig träge – ich kaufte ein Dutzend Sprachlehrbücher, las sie aber nicht – doch vor Ort startete ich mit einem Sprachkurs und einer guten Portion Mut (überall meine erlernten Wörter auszupacken) ordentlich durch. Auch wenn man dann mal fälschlicherweise Milchschnitten an der Wursttheke ordert, so lernt man doch auf diese Weise am Besten. Ich würde es heute nicht anders machen. Auch denke ich, dass ich mir in Anbetracht des Schwierigkeitsgrades dieser Sprache einen nennenswerten Grundwortschatz erarbeitet habe. Zuletzt hat es dann auch mit der Wursttheke geklappt.

mb: Wie hast du gelebt – wie sah dein Alltag im Ausland aus?

CHRISTOPH: Ich habe mir über einen Makler eine 2-Zimmerwohnung im Norden der Stadt vermitteln lassen. Der Kostenpunkt lag bei knapp 500 Euro im Monat. Ins Zentrum waren es gute 20 Minuten und vor der Tür hatte man alles, was das Herz begehrt. Mein Alltag war recht entspannt – zur Uni ging es 3 Mal die Woche bei etwa 12 Semesterwochenstunden. Freiberuflich arbeitete ich an einigen Projekten von ungarischen StartUps mit. Unterm Strich heißt das, dass eine Menge Zeit für Abenteuer blieb. Ich fand während meines Aufenthalts zahlreiche neue Freunde (allen voran Ungarn selbst), als dass hier immer wieder gemeinsame Unternehmungen ins Leben gerufen wurden. Desweiteren bereiste ich 12 weitere ungarische Städte (u.a. Pecs), aber auch Split (Kroatien), Bratislava (Slowakei) und Wien (Österreich). Langeweile kam also nie auf!

mb: Wie hast du deinen Auslandsaufenthalt finanziert?

CHRISTOPH: Wie bereits erwähnt ging ich finanziell abgesichert nach Budapest. An dieser Stelle ist es eventuell noch erwähnenswert, dass das Leben in Budapest aus Kostensicht mit deutschen Großstädten wie Berlin vergleichbar ist.

mb: Welche Unterschiede hast du zu Deutschland wahrgenommen? Wie wurdest du als „Deutscher“ aufgenommen?

CHRISTOPH: Ehrlich gesagt konnte ich keine prägenden Unterschiede festmachen. Dies mag daran liegen, dass ich bereits durch meine Tätigkeit in Berlin recht international orientiert bin, als dass ich in Budapest nur eine Fortsetzung dessen sah. Sicherlich war das Leben drüben einfacher, aber das resultiert nicht aus dem Land, als vielmehr aus den begleitenden Umständen – schließlich nahm ich mein Auslandsaufenthalt auch als eine Art „Auszeit vom Alltag“ wahr. Weiter gab es keine Situation, in der der Begriff „Deutscher“ fiel – er spielte schlichtweg keine Rolle und ich machte ihn auch zu keiner.

mb: Welcher Moment aus deinem Auslandsaufenthalt ist Dir besonders im Gedächtnis geblieben?

CHRISTOPH: Dies ist eine nicht allzu lange Geschichte: Die Momentaufnahme, als ich das erste Mal das Parlament bei Nacht – angestrahlt – gesehen habe, ist für mich unvergesslich.

 

Das Interview führte Sabrina Daubitz.

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